Verborgene Theken: Café Decker in Staufen

Stephan Elsemann

Viele halten es für das beste Café weit und breit, das Café Decker in Staufen. Dass es noch nicht jeder kennt, liegt wohl daran, dass man zuerst nach Staufen fahren muss, um an die Torten heranzukommen. Ein Besuch in Staufen macht jedoch Freude und ein Spaziergang ist nach der Tortenschlacht ohnehin ratsam.



Ambiente

Wer Deckers Torten und Kuchen haben will, muss sich nach Staufen begeben. Geliefert wird nicht, auch nicht an andere Cafés. Da könnte ja jemand auf die Idee kommen, eine Decker-Torte noch einen Tag später zu verkaufen, wenn sie nicht mehr so frisch ist. Dieses Risiko will man hier nicht eingehen.

Der Namenszug mit dem Schwung der 50er Jahre steht für höchste Qualität und ist auf vielen Torten, Pralinen und Kuchen zu finden. Und auf allen Verpackungen. Sie werden gelegentlich von den Kunden zweitverwendet, um sie mit billigeren Pralinen zu füllen und das Geschenk mit der Verpackung noch einmal aufzuwerten.

So etwas macht den Besitzer stolz. Hermann Decker kaufte das Café 1961. Eine Konditorei gab es im Haus aber schon rund hundert Jahre früher, ungefähr so lange wie die denkmalgeschützte eiserne Brücke davor steht, auf der man im Sommer so gemütlich sitzen kann. Mittlerweile teilt sich der Seniorchef die Geschäftsführung mit seiner Tochter Sabine und seinem Schwiegersohn Markus Pahlke.



Publikum

Die Einrichtung ist gediegen konservativ mit etwas Plüsch und einigen Rundungen.Wir sind in einem Oma-Café. Das Durchschnittsalter der Gäste liegt bei rund sechzig Jahren. Auch ein einsamer Vierzigjähriger mit Laptop senkt den Alterssschnitt nur unwesentlich. Ältere Menschen haben ihre  Gewohnheiten. Deshalb ist man mit Veränderungen sehr vorsichtig. Markus Pahlke möchte die Stammkundschaft nicht verprellen. Vor einigen Jahren wurden schwarze Bistrotische aus Stein installiert, das ist gerade noch zumutbar.

Markus Pahlke weiß, was er tut, denn seinem ersten Beruf war er Architekt. Bei den süßen Sachen ist er ein echter Quereinsteiger, als er mit vierzig noch eine Konditorenlehre machte, um sich Kompetenz fürs Café zu erwerben.



Das Besondere

"Mit besten Zutaten das Beste herstellen" ist der Wahlspruch des Cafés. Und wie das geht, sieht man in der Backstube, die sauber eingeteilt ist in Brotbackstube, Patisserie und Confiserie, flankiert von Lager- und Kühlräumen. Mit Stolz zeigt uns Herr Pahlke auch den Kühlraum. Wir sehen Teige, die ganz langsam bei vier Grad gehen dürfen, über Nacht, wie es sein sollte, statt mit blähenden Backtriebmitteln versetzt in wenigen Stunden.

Als Fett kommt nur Butter in Frage. Der Behälter mit den vielen Butterpäckchen ist beeindruckend. Und dem Geschäftsführer wird etwas blass um die Nase, als er ein einsames Päckchen Margarine entdeckt, das sich ins Kühlregal geschlichen hat. Dass da nichts zu suchen hat. Dass wohl einer von den Angestellten für seine Mittagspause da abgestellt haben muss.

Am Nachmittag sind die Bäcker schon weg, doch die Konditoren haben Hochbetrieb. Vom  Kühlraum geht es in die Patisserie. Und wir lernen: Torten bestehen häufig aus Lagen von Bisquitteig, die sich abwechseln mit Lagen von Sahne oder Buttercreme. Der individuelle Geschmack entsteht dann bei der Aromatisierung der einzelnen Schichten mit Alkohol, Früchten und anderen Geschmacksträgern.



Zuerst werden Bisquitteige in Tortenringen gebacken, die mit Papier abgedeckt werden. Das geht schneller als mit einer Springform, wie sie im Haushalt üblich ist, weil nichts hängen bleibt. Bisquit verleiht der Torte Stabilität. Die Sahne und Cremeschichten würden sonst in sich zusammensacken, bevor sie vor dem Gast stehen. Damit es im Bisquit frisch und feucht bleibt, wird er mit Zuckerwasser bestrichen.

Wir probierten in der Fauststadt eine Fausttorte, dann eine Rum-Sahne-Torte und eine Birnen-Sahnetorte. Alle drei schmeckten köstlich. Die besondere Finesse entsteht, weil bei Decker die Aromen so dezent aufeinander abgestimmt sind. Hier wird nicht aufdringlich mit Alkohol geklotzt wie es so oft bei  drallen Schwarzwälder-Kirsch-Torten geschieht. Und auch mit der Süße geht man maßvoll um.



Frische ist oberstes Gebot auch bei Pralinen und bei der Schokolade. Das Café Decker machte schon vor drei Jahren Bruchschokolade. Es ist eine clevere Idee, Schokolade nach Gramm und in unregelmäßigen Stücken zu verkaufen. So sieht es immer aus, als käme sie gerade frisch aus der Confiserie. 100 Gramm kosten 3,45 Euro.

Auf der Speisekarte

20 bis 25 verschiedene Kuchen und Torten stehen zur Wahl. Wie in vielen Cafés üblich, gibt es auch hier eine Zweiteilung der Preise für den Verzehr im Café und den Außer-Haus-Verkauf. Torten kosten am Tisch 3,30 Euro und 2,70 Euro zum Mitnehmen. Obstkuchen beommt man für 3,10 oder 2,50 Euro. Ein Probierportion der sehr leckeren Pralinen kostet drei Euro. Mitnehmen darf man sie für 5,45 Euro pro 100 Gramm.



Bei aller Törtchenseligkeit wird oft vergessen, dass das Café Decker ja auch eine Bäckerei ist. Die Öffnungszeit um halb sieben ist eine Reverenz an die Arbeitszeit der Bäcker, die schon um halb drei beginnen. Damit die Bäcker auch mal ausschlafen können, ist am Sonntag vormittag einfach zu. Kein Bäcker, kein Frühstück am Sonntag, denn Teiglinge in Heißluftöfen aufzubacken kommt nicht in Frage. An den Wochentagen bekommt man Frühstück in allerlei Variationen ab 3,90 Euro – selbstverständlich am Tisch serviert und nicht in Selbstbedienung am Buffet.

Herzhaftes gibt es auch, als Mittagstisch für 6,80 bis 9,80 Euro. Und Hawaii-Toast (6,80 Euro) und die Königin-Pastetchen (6,20 Euro) dürfen in einem Café alter Schule natürlich auf der Karte nicht fehlen.



Kaffeepreis

Die Kaffees kommen von Tee Peter. Eine Tasse Kaffee bekommt man für 2,40 Euro, ein Kännchen für 4,60 Euro. Espresso kostet 2,30 Euro. Ein Milchkaffee bekommt man für 2,95 Euro. Ein Glas Tee kostet 2,50 Euro, ein Kännchen 4,80 Euro. Ein kleines Mineralwasser bekommt man für 2,40 Euro (0,25l). Eine große Apfelschorle kostet 3,50 Euro (0,4l).

Wegbeschreibung

Mit dem Zug: Es gibt stündlich mindestens eine Verbindung nach Staufen und zurück. Von Hauptbahnhof geht es zunächts nach Bad Krozingen. Dort zum Gleis 12 gehen. Das ist etwas versteckt seitlich hinter dem Bahnhofsgebäude. Dort fährt die kleine Bahn Richtung Münstertal. Falls sie nicht fährt, gibt es meistens einen Bus. Am besten vorher über EFA informieren. Fahrtzeit circa 45 Minuten.

Mit dem Auto: Der Weg nach Staufen führt stadtauswärts über Merzhausen, Bollschweil oder über Sankt Georgen, Schallstadt, Pfaffenweiler und Ehrenkirchen. Beide Wege kommen an einem Kreisverkehr zusammen. Dort nimmt man die zweite Ausfahrt und kommt auf die L123 nach Staufen. Rund 22 Kilometer, Fahrtzeit 30 Minuten mit dem Auto. Mit dem Fahrrad ist das alles aber auch gut zu schaffen.



Adresse

Café Decker
Hauptstraße 70
79219 Staufen
07633-5316
Web: Café Decker

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag
6:30 bis 18 Uhr

Sonntag
13:30 bis 18 Uhr

Mehr dazu:

 

Foto-Galerie: Stephan Elsemann


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