Verborgene Theken (88): Bahnhöfle in Gundelfingen

Stephan Elsemann

Der französischen Armee verdankt Freiburg einen seiner besten Köche. Thierry Falconnier diente als Wehrpflichtiger vor 37 Jahren in der Vauban-Kaserne und blieb in Freiburg hängen. Seit zwei Jahren kocht er im Bahnhöfle in Gundelfingen und manchmal denkt er auch schon ans Aufhören. Nichts wie hin also!



Ambiente

Das Bahnhöfle trägt seinen Namen zu Recht: Das bescheidene Häuschen in Gundelfingen ist ja nicht mal eine richtige Bahnhofsgaststätte. Und vermutlich deswegen genau die passende Wirkungsstätte für einen der besten Köche in der Region: Thierry Falconnier ist sozusagen die ständige und einzige Vertretung klassischer französischer Kochkunst in Freiburg und Umgebung.

Genau wie sein kleines Häuschen muss auch Falconniers Küche nicht mit Optik auftrumpfen, um zu überzeugen, braucht keine Schäumchen, keine"Sößchen-an-Salat"-Kreationen, um zu bezaubern. Hier geht es darum, die Produkte, also Fisch, Gemüse und so weiter so perfekt wie möglich auf den Tisch zu bringen. Schnörkellos. What you see is what you get.

Thierry Falconnier kam 1972 nach Freiburg und blieb hängen. Als Soldat war er einer von elf Köchen in der Vauban-Kaserne. Eine gute Zeit, denn da konnte er sich austoben. Die französischen Soldaten in Deutschland wurden exzellent verpflegt, denn sie sollten wenigstens gut essen, wenn sie schon fern der Heimat waren.



1983 übernahm er die Eichhalde in Herdern. Danach kamen einige Jahre im Hotel Schiller und dann zehn Jahre in der Kreuzblume in der Konviktstraße. Als ihm die Pacht vor zwei Jahren zu teuer wurde, ergriff er die Gelegenheit, das kleine Bahnhöfle zu übernehmen.

Das Besondere

Neben den franzöischen Küchenklassikern der deftigen Art, dem Kalbskopf etwa oder einem Lammcarré bekommt man bei Thierry Falconnier auch Badisches wie Ochsenbäckle oder Ochsenschwanz.



Der Clou aber ist, dass reichlich Fische und Meergetier auf die Teller kommen. Wir versuchten eine Fischsuppe, die wie eine Bouillabaisse gekocht ist, als Vorspeise. Sie schmeckt sensationell und ist mit 6,50 Euro auch noch recht preiswert.

Wer sich mal zu Hause an so einer Suppe versucht hat, weiß, was sie an Arbeit bedeutet. Kiloweise werden Köpfe und Gräten ausgekocht und danach durch ein Sieb passiert. Dabei ist es so gut wie unmöglich, in Freiburg die nötigen Fische zu besorgen, einen Drachenkopf etwa. Zur Suppe gibt es traditionell eine Rouille, das ist eine Knoblauch-Chili-Kartoffelpaste, die man in die Suppe hineinrührt. Allein schon für diese leckere Suppe lohnt der Weg nach Gundelfingen.



Auf der Speisekarte

Fast immer sind hier Austern zu haben, zu einem ebenfalls bescheidenen Stückpreis von einem Euro bis 1,50 Euro je nach Größe. So viel bezahlt man in Deutschland auch im Fischgeschäft dafür.

Bei den Hauptgerichten probierten wir Ente mit Honig-Ingwersauce mit Rotkohl und Kartoffelgratin (18 Euro). Falconniers Klassiker schmeckt wunderbar. Keule und Brust sind butterzart. Der Koch registriert allerdings, dass mehr und mehr Gäste nur noch Vorspeisen ordern. Vermutlich, weil es die leichteren und spannenderen Gerichte sind. Ein Pulposalat mit Rucola (11 Euro) oder ein Linsensalat mit Meeresfrüchten (13 Euro) bieten sich an.



Menus wurden selten verlangt, daher hat Falconnier sie ganz von der Karte genommen. Man kann aber danach fragen, und sich ad hoc etwas zusammenstellen lassen mit mehreren Gängen und kleineren Portionen – vielleicht der Geheimtipp bei so vielen Attraktionen auf der Karte.

Publikum

Feinschmecker sind die Gäste bei Falconnier. Er hat eine große Fangemeinde in Freiburg und die findet den Weg nach Gundelfingen, was ja auch nicht allzu schwer ist.

Kaffeepreis

Bemerkenswert sind die fairen Getränkepreise im Bahnhöfle. Speziell in der gehobenen Gastronomie ist die Verdienstspanne bei den Getränken um einiges größer als beim Essen. Viele bessere Restaurants locken deshalb mit attraktiven Menüpreisen, um dann bei den Getränken um so mehr zuzuschlagen.

Im Bahnhöfle geht es bei den Weinen mit sehr moderaten 2,50 Euro für einen Gutedel los. Die besseren Gewächse von Heger, Landmann und Franz Keller gibt's als Viertel ab vier Euro.



Flaschenweine bekommt man ab 19 Euro, zum Beispiel einen Weißburgunder vom Weingut Heger. Der kostet im Geschäft um die zehn Euro. Ein Ganterbier kostet 2,30 Euro, ein Weizen 3,20 Euro. Einen Espresso bekommt man für 1,90 Euro und eine große Flasche Mineralwasser für 3,60 Euro.

Wegbeschreibung

Das Bahnhöfle ist zwar keine Bahnhofsgaststätte, aber es liegt – wenig überrraschend – direkt am Gundelfinger Bahnhof.

Züge fahren vom Hauptbahnhof relativ häufig. In sechs Minuten ist man da. Dann durch die Unterführung gehen, auf die andere Seite der Gleise wechseln und geradeaus weiter gehen. Man gelangt direkt in die Bahnhofstraße und steht nach ein paar Metern vorm Bahnhöfle.



Nach dem Essen und womöglich Alkoholkonsum geht es mit dem Zug wieder zurück nach Freiburg. Züge fahren abends um 20:41 und um 21:41 Uhr. Der letzte fährt um 23.32 Uhr.

Adresse

Restaurant Bahnhöfle
Bahnhofstraße 16
79194 Gundelfingen
0761-5899949
Website

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Dienstag 17 bis 24 Uhr
Samstag und Sonntag auch 11:30 bis 15 Uhr
Mittwoch Ruhetag



fudder-Serie: Verborgene Theken

Foto-Galerie: Stephan Elsemann