Verborgene Theken (82): Zur Hammerschmiede

Stephan Elsemann

Deftiges auf dem Teller und Rührseliges für die Ohren verspricht ein Besuch in der Hammerschmiede, der Kleingartenkneipe am Stadttunnel. Der singende Wirt Manfred Hellstern hat die Lieder fürs Gemüt, die Küche seiner Frau Brigitte befriedet den Magen.



Ambiente

Die Hammerschmiede verdankt ihren heutigen Standort dem Stadttunnel. Für den Bau der seinerzeit heftigst umstrittenen Straße musste nicht nur ein Großteil der Bäume im Konrad-Guenther-Park abgeholzt werden.

Auch die alte Hammerschmiede lag den Straßenbauern im Weg und wurde umgesiedelt auf die andere Seite der Bahn. Sie duckt sich heute in den Schatten des Lärmschutzwalls der großen Ausfallstraße. Und auch die zugehörigen Kleingärten mussten Tribut zollen. 100 von 400 Parzellen mussten weichen.



In der Gaststätte selbst merkt man davon nichts. Drinnen wirkt sie so, als sei sie schon immer da gewesen. Dabei haben Brigitte und Manfred Hellstern sie erst vor vier Jahren übernommen.

Eine naheliegende Verbindung, denn Manfred Hellstern ist auch Vorsitzender des Kleingartenvereins Freiburg-Ost. Kleingartentechnisch bedeutet "Ost" alles östlich ab der Sternwaldwiese. Das sind stolze sieben Gewanne, wie die Gartengebiete im Schrebergartendeutschen genannt werden.



Das Besondere

Vielleicht liegt es aber auch am besonderen Talent des Wirts, dass die Gäste sich hier so wohl fühlen. Man ahnt schon beim Anblick der E-Gitarre, die immer unter Strom steht: Manfred Hellstern ist begeisterter Musiker, ein Sänger, der sich nicht lange bitten lässt. An diesem Tag ist es Stammgast Conny, die 65 wird und sich ein Ständchen wünscht.

Und so bekommen wir den singenden Wirt zu hören, mit den Liedern der Amigos, die er und seine Gäste so lieben. Sie erzählen vom alten Mann im Heim, der vergeblich auf den Besuch seiner Kinder wartet, vom Sohn, der einfach fortgegangen ist, von California Blue, dessen Klang für immer bleiben wird.

Auf der Speisekarte

....geht es bodenständig zu: Fleischküchle mit Kartoffelsalat, Leberle oder Ochsenmaulsalat mit Brägele (6,50 Euro). Selbstverständlich bekommt man auch hier ein Schnitzel mit Brot für 5,50 Euro und mit Brägele für 7,50 Euro.

Und Sulz gibt es auch. Kutteln, Kaldaunen oder eben Sulz, wie sie  in Süddeutschland genannt werden, macht man aus dem Pansen, dem größten Magen von Rindern. Der wird viele Stunden gewässert, in Streifen geschnitten und mehrere Stunden gekocht.



Danach gelten sie den einen als Delikatesse oder werden zusammen mit den anderen Innereien genau so herzlich auch verabscheut. Brigitte Hellsterns badische Sulz gehört zu den sanften Varianten, die den Eigengeschmack nicht so sehr herausstellt.

Kaffeepreis

Kaffee kostet 1,50 Euro. Durstige Gäste werden sich über das Mineralwasser  freuen, von dem man eine große Flasche für 1,50 Euro bekommt. Riegeler Bier gibt es hier noch klassisch in Tulpen für 2,40 Euro (0,4l). Ein Viertel Gutedel kostet 2,50 Euro, ein Viertel Spätburgunder bekommt man für 3 Euro.



Wegbeschreibung

Mit der Straßenbahn Linie 1 bis zum Messplatz fahren, am Byosk rechts die Möslestraße nehmen und vor dem Bahnübergang links abbiegen in die Oberrieder Straße, bis zur Wendeschleife laufen. Dann steht man vor der Hammerschmiede.

Am einfachsten gelangt man zur Hammerschmiede, wenn man der B31 folgt. Von der Innenstadt geht es über die Schwarzwaldstraße bis zur Schützenallee. Auf der Schützenallee bleibt man bis zum Ende, fährt noch ein paar Meter weiter und biegt dann rechts in den Fahradweg ein, der sich an der B31 durch den traurigen Rest des Konrad-Guenther-Parks schlängelt. Nach rund 500 Metern liegt die Hammerschmiede zur Linken. Zehn Minuten mit den Fahrrad.



Adresse

Zur Hammerschmiede
Hammerschmiedstraße 21a
79117 Freiburg
0761-7075333

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Sonntag 14 bis 22 Uhr
oder auch später

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Stephan Elsemann

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