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Maren Herten von Paint Your Style: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Gina Kutkat

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 25: Maren Herten, 24, Mitarbeiterin von "Paint Your Style".

Maren Herten, 24, ist seit September 2020 Mitarbeiterin von "Paint Your Style" – einem Laden in der Salzstraße, in dem man Keramik bemalen und vor Ort brennen lassen kann. Maren studiert außerdem Operngesang an der Musikhochschule Freiburg.

Maren, wie geht’s dir?

Ganz ok, eigentlich. Obwohl ich vom Lockdown doppelt betroffen bin: Einmal hier im Laden und dann aufgrund meines Studiums. Ich studiere Operngesang im Master und arbeite somit auf eine Zukunft hin, von der ich nicht weiß, ob sie stattfinden wird.

Wie hast Du die letzten Monate verbracht?

Im ersten Lockdown habe ich mein Bachelor-Abschlusskonzert an der Hochschule gespielt. Ein Moment, auf den ich vier Jahre hingearbeitet habe – und dann hab ich vor 20 Personen gesungen. Nicht einmal meine Eltern konnten dabei sein, weil mein Vater am Abend vorher Symptome hatte. Zum Glück war es aber falscher Alarm. Seit September arbeite ich nebenberuflich im ’Paint your style’ – oder ’Painty’, wie wir sagen – und habe dort auch alle Aufs und Abs mitbekommen. Noch gibt es das Painty, aber es läuft sehr schlecht. Immer wieder sind wir hoffnungslos, kämpfen uns von Tag zu Tag.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf den Betrieb des Paint your Style?

Am letzten Tag vor dem Lockdown haben uns die Kunden die Tür eingerannt. Und wir hatten Angst vor diesem Ansturm, denn wir wollten natürlich so viel mitnehmen wie möglich, aber auch nicht die Kontrolle verlieren und womöglich Hot Spot werden. Als dann die Nachricht kam, dass Click & Collect – also das Bestellen und Abholen von Ware – verboten ist, war das ein Tiefschlag für uns. Dieses Verbot hätte uns fast das Genick gebrochen. Das ist jetzt zum Glück wieder erlaubt und wir bieten das Zuhause-Malen Paint @ home an. Es kommt auch die eine oder andere Bestellung rein, aber es reicht bei Weitem nicht aus, um die Kosten zu decken. Und bis dann mal eine Überbrückungshilfe ausgezahlt wird, ist eine lange Zeit durchzustehen. Daher steht uns das Wasser bis zum Hals und wir bangen jeden Tag. Aber wir geben noch nicht auf.

Wie hast Du persönlich die Krise erlebt?

Mir ging es nicht so gut. Im März und April bin ich in ein großes Loch gefallen: Ich konnte nicht mehr singen, nicht mehr in die Uni – und habe mir Sorgen um meine Zukunft gemacht. Ich habe mich dann mit Sport und Laufen auf dem Schlossberg abgelenkt – und ich habe richtig viel gelesen. Ende des Sommers war dann das Malen hier im Laden mein neues Hobby, schnell fühlte ich mich wie in einem zweiten Wohnzimmer. Wenn man hier malt, ist man ein bisschen raus aus der Welt. In der letzten Zeit bin ich dazu aber nicht mehr gekommen.

Hat sich die Einstellung des Teams im Jahr 2021 verändert?

Im Herbst haben wir alle noch gedacht, wir müssten nur bis Frühjahr durchhalten. Unsere Hoffnung lag auf dem Impfstoff und der Vernunft der Menschen, Kontakte zu reduzieren. Die Perspektive hat uns durchhalten lassen. Aktuell haben wir solch eine Aussicht nicht, es ist kein Ende in Sicht und und die Kräfte im Team schwinden. Zum Glück glauben wir ans Konzept und lieben das Painty, wir motivieren uns immer wieder gegenseitig und entwickeln neue Angebote fürs Malen zuhause.

Ich würde auch endlich gerne mal ein Teammeeting mit dem ganzen Team erleben, das hat es seit meinem Start leider nicht mehr geben können. Genauso reden wir immer davon, wie schön es doch wäre, wenn jetzt mal wieder ein paar Kunden hier malen könnten – oder es gar so voll und stressig wäre, dass es uns nerven würde. Selbst danach sehnen wir uns momentan. Hoffentlich halten wir durch, bis es wieder so sein wird.



Wie geht’s für dich jetzt weiter?

Ich werde studieren, solange es Corona gibt. Notfalls mache ich auch noch einen zweiten Master. Meinen Traum, Opernsängerin zu werden, habe ich nicht aufgegeben. Ich verfolge ihn seit dem Kindergarten. Stimmlich läuft es bei mir richtig gut zur Zeit, ich singe wieder drei bis vier Stunden pro Tag und habe viel Unterricht. Irgendwann möchte ich mich beim Opernstudio bewerben, aber die Plätze sind rar und beliebt. Im Laden werden wir versuchen, die Zeit zu überbrücken, solange es geht. Der Gedanke, dass wir es nicht schaffen könnten, tut schon sehr weh.
fudder fragt nach

fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

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