Gründen in der Krise

In Freiburg und Teningen gibt es jetzt einen Truck mit griechischem Streetfood

Annika Vogelbacher

Mit seinem Streetfood-Truck erfüllt sich Jonas Doll seinen großen Traum: Griechisches Streetfood in Restaurantqualität. An fünf Tagen die Woche fährt er damit nach Freiburg-Brühl, vor das Alex Hotel in der Rheinstraße, zum Freiburger Impfzentrum und nach Teningen.

Um sich seinen Traum von einem griechischen Streetfood-Truck zu erfüllen, kündigte Jonas seinen Job als Account-Manager bei einer großen internationalen Firma. "Es war cool, man hat super gutes Geld verdient, aber der Tag ging nicht rum", sagt er. Lieber wollte er sein eigener Chef sein. "Ich habe mir gedacht: Warum soll ich die ganze Zeit im Büro sitzen, für jemand anderen arbeiten und montags mit Bauchschmerzen ins Büro gehen?" Dann hat er es einfach gewagt und stellte einen Businessplan auf. Seine Entscheidung bereut er nicht: "Mir gefällt es brutal gut. Seit ich den Food-Truck habe, stehe ich jeden Morgen glücklich auf, egal ob es regnet oder schneit. Jeden Morgen denke ich: Geil, ich gehe jetzt wieder raus. Die Leute, die zu mir zum Essen kommen freuen sich, keiner meckert, keiner stresst."

Jetzt fährt er immer montags und mittwochs mit seinem knall-türkisen Truck nach Freiburg-Brühl, neben die Bushaltestelle "Auerstraße", dienstags in die Carl-Zeiss-Straße nach Teningen, donnerstags zum Alex Hotel direkt hinter der Walther-Rathenau-Gewerbeschule und freitags zum zentralen Impfzentrum an der Freiburger Messe und versorgt die Leute um die Mittagszeit mit prall gefüllten Pitabroten mit Gyros, Haloumi oder Bifteki, Pommes und Tzatziki.

Warum Griechisch?

Athen ist Jonas zweite Heimat, er ist halber Grieche und hat Familie in Griechenland: "Ich bin jedes Jahr vier Wochen im Urlaub in Griechenland und besuche meine Oma und meinen Onkel".

"In den griechischen Restaurants in Freiburg bekommt man zwar seinen Zeus-Teller oder die Olympia-Platte, aber das richtige griechische Street-Food, das gab es bisher nicht." Jonas Doll
Daher kommt auch seine Liebe zum griechischen Streetfood. Nach den Urlauben vermisste Jonas immer das griechischen Essen von der Straße. "In den griechischen Restaurants in Freiburg bekommt man zwar seinen Zeus-Teller oder die Olympia-Platte, aber das richtige Streetfood, das gab es bisher nicht", sagt er. Einen griechischen Imbiss wollte er aber nicht eröffnen. "Imbiss klingt schon so nach Currywurst und Pommes-Bude. Wir haben wirklich Restaurantqualität: Wir haben geschichtetes, gutes Fleisch. Die Dressings macht ein Koch, die Peperoni sind von einem Freiburger Delikatessenladen. Das kann man gar nicht mit einem Imbiss vergleichen." Die Mobilität, die Jonas dank seinem Foodtruck hat, genießt er sehr. "Ich bin immer wo anders. Mein Arbeitsalltag wird nie langweilig."

Gründen in der Krise

Von der Kündigung bis zur ersten Fahrt verging eine lange und anstrengende Zeit. Für die Planung brauchte er fast ein Jahr und Corona gestaltete die Beamtengänge zu einem einzigen Hürdenlauf. "Da wurde man vom einen Amt an ein anderes weitergeleitet und vor Ort wieder abgewiesen, weil man nur mit Online-Terminen in das Gebäude durfte", sagt Jonas. Und auch die Banken für seine Förderkredite waren überfordert, weil sie die Notkredite an Fitnessstudios und Gastronomen vergeben mussten. "Durch Corona hat sich alles um drei, bis vier Monate verzögert." Doch durch seinen Fußballverein und Freundeskreis, hatte er schon die Kontakte zu seiner Metzgerei und Gemüselieferanten und durch Freiburger Gastronomen-Freundinnen und -Freunde viel Hilfe und Expertise.

Das Angebot

Zu Essen bekommt man bei Jonas’ "Greek Street Food-Truck" richtiges Pitabrot aus Griechenland mit nach Wahl Gyros, Haloumi oder Bifteki mit Peperoni, Salat, frischen Pommes und einer Soße. Auch im Angebot: griechischer Bauernsalat und als Nachtisch Grieskuchen, hausgemacht von einem Freiburger Feinkostladen. Und: Freiburger Münsterwurst von der Metzgerei Möhrle. "Die Münsterwurst ist ein kleiner Gag und eine Liebeserklärung an Freiburg", sagt Jonas. Über die Wurst würden sich besonders Kinder, aber auch Arbeiter freuen, die jetzt auch im Industriegebiet an die gute alte Münsterwurst kommen.

Das ganze Essen wird frisch zubereitet: Das Hähnchen- und Schweinefleisch drehen sich geschichtet am Spieß und die Bifteki macht Jonas mit den Rezepten eines befreundeten Kochs selbst. Und auch die Dressings und Kuchen bereitet ein Freiburger Delikatessen-Koch jeden Tag frisch zu. "Bei uns ist nichts aus der Dose: Alles kommt vom Koch oder von mir", betont Jonas. Auch auf die Umwelt wird geachtet: Die Essen können in Bio-Verpackungen mitgenommen werden, die Tüten zum Mitnehmen sind kompostierbar. "Wir achten sehr auf Nachhaltigkeit: Das Gemüse kommt nicht vom Großmarkt, sondern von einem Gemüsehändler auf der Haid. Und wir probieren so wenige Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen. Am Ende eines Tages haben nur einen kleinen Sack voll Müll."
Zu Trinken gibt es Elephant Bay, Fritz Cola und Freiburger Limonate.

Pläne für die Zukunft

Wenn Corona es wieder erlaubt, will Jonas mit seinem Truck zu Caterings auf Geburtstage, Hochzeiten, Festivals und zu Partys fahren. Dann wollen er und sein Angestellter Nikita, der gelernter Barkeeper ist, nicht nur griechisches Essen anbieten, sondern auch eine Theke aufbauen und Drinks zum griechischen Essen zubereiten. "Nikita ist eine richtige Barkeeper-Maschine. Der kennt alle Drinks und Mischungen, das ist verrückt", sagt Jonas.

Dann wird auch Jenny von Cafésita, die bisher auf dem Herdermer Bauernmarkt und dem Güterbahnhof ihre Barista-Kunst verkauft, mit ins Boot geholt und zusätzlich Kaffee aus ihrer 60 Jahre alten Siebträgermaschine angeboten.
Hier geht’s zur Webseite
  • Montag und Mittwoch: Freiburg-Brühl, neben der Bushaltestelle "Auerstraße"
  • Dienstag: Teningen, Carl-Zeiss-Straße
  • Donnerstag: Freiburg, beim Alex Hotel hinter der Walther-Rathenau-Gewerbeschule
  • Freitag: Freiburger Messe, zentrales Impfzentrum