Start-up

Gründen in der Krise: Zwei Freiburger produzieren essbare Sticker

Miriam Wißler

Kleine Kunstwerke, die man essen kann: Zwei Freiburger entwickeln für ihre "Twicky Stickys" essbare Kunst auf Basis von Bio-Reisstärke. Bei den löslichen Stickern geht es nicht nur um Geschmack, sondern auch um die Botschaft.

Gründen in der Krise

Mit einem Kaffee hat alles angefangen: Auf der Suche nach einer Möglichkeit, das Heißgetränk mit einem Bild oder einer Botschaft aufzuwerten, ist Burhan Yalcin (33) vor sechs Jahren auf die Idee mit der essbaren Kunst gestoßen. Das Projekt musste kurze Zeit später pausieren. Doch dann traf Burhan auf Peter Scherer (26) und das Vorhaben nahm erneut Fahrt auf. Die beiden kannten sich zwar über verschiedene Ecken, doch richtig ins Gespräch kamen die Masterstudenten erst über die gemeinsame Arbeit als wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie. Gemeinsam mit Peter wurde das Projekt neu aufgesetzt. Der Kaffeebezug ist zwar immer noch da, aber den beiden geht es mittlerweile um mehr. "Man hat die Möglichkeit mit einem Bild oder einer Botschaft jemandem eine Freude zu bereiten. Wir nutzen die Flächen als Spielwiese um schöne Momente zu erzeugen." Die Motive designen die beiden selbst und lassen sich dabei von den Botschaften inspirieren, die sie vermitteln möchten.

Ende 2020 haben die beiden das Start-up gegründet und auch schon Hilfskräfte eingestellt. Von der Pandemie haben sich die Unternehmer nicht entmutigen lassen. "Wir haben an die Idee geglaubt und glauben nach wie vor daran", sagt Burhan. "Wir haben von Anfang an vereinbart, dass wir uns selbst existenzsichernde Gehälter im Sinne eines bindungslosen Grundeinkommen ausbezahlen", erklärt Burhan und Peter ergänzt: "Mitarbeiterumgang und Mitarbeiterwerte sind mir wichtig. Prinzipien finden und ausleben, das war der Traum dahinter".

Das Produkt

Die "Twicky Stickys" ähneln dünnen, bemalten Scheiben. Die Sticker müssen zunächst von der Trägerfolie gelöst werden und anschließend auf ein Getränk aufgelegt werden. Empfohlen wird ein Getränk mit einer Schaumkrone, da sich dort das Motiv am besten abbilden kann. Die Sticker bestehen aus Bio-Reisstärke, die mit Lebensmittelfarbe bedruckt und mit einer Aromanote verfeinert werden. Die Rezeptur haben die beiden vorab durch einige Versuche in Heimarbeit perfektioniert. "Wir haben viele Experimente durchgeführt, bis wir schlussendlich bei dem Produkt rauskamen, wie es in der jetzigen Form ist", erklärt Peter. Die Produktion lief zunächst ausschließlich über Handarbeit. Mittlerweile gibt es maschinelle Unterstützung. "Wir haben innovative, maschinelle Anlagen da, aber viele Prozesse laufen nach wie vor manuell ab", ergänzt er. Produziert wird ausschließlich in Freiburg.

Konzept

Da Nachhaltigkeit eine große Rolle im Start-up spielt, beschäftigen sich Burhan und Peter auch mit dem Thema Verpackung. "Unsere Verpackung ist bis zu einem bestimmten Grad biologisch abbaubar. Hier sehen wir noch Potential. Doch beim Einkauf von nachhaltigen Produkten und Rohstoffen werden in gewissen Bereichen große Mindestbestellmengen vorausgesetzt, die wir und viele andere Start-ups momentan noch nicht leisten können", sagt Burhan. Die Sticker sind online erhältlich und kosten knapp fünf Euro im Fünfer-Set. Der Preis soll sich über die Qualität der veganen Bio-Rohstoffe, als auch über die Handarbeit erklären. "Außerdem ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter fair bezahlt werden", fügt Peter hinzu. Im kommenden Jahr soll das Sortiment vergrößert und neue Motive angeboten werden. "Wenn wir zum Versand laufen und die Pakete abgegeben, wissen wir, dass es dort jemanden gibt, der überrascht wird und dem wir damit eine Freude bereiten. Das ist einfach ein tolles Gefühl", sagt Burhan.
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