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Gründen in der Krise: "Schorlekaiser" bringt Weinschorle in die Flasche

Gina Kutkat

Zwei Sandkastenfreunde aus Freiburg produzieren unter dem Namen "Schorlekaiser" regionale Weinschorle in der Flasche. Die erste Fuhre mit Weiß- und Roséwein ist seit Juli auf dem Markt und will einen "Schluck Heimat" vermitteln.

Gründen in der Krise

Sie wollten schon immer etwas zusammen auf die Beine stellen – und hatten zu Beginn der Corona-Krise plötzlich Zeit für neue Ideen. Daniel Cofani aus Bickensohl und Benjamin Nägele aus Freiburg haben im März 2020 das erste Mal darüber gesprochen, wie es wäre, eine regionale Weinschorle in Flaschen anzubieten. Vier Monate später ist die erste Charge ihres "Schorlekaisers" fertig.

"Für uns ist das eine Art Erfrischungsgetränk", sagt der 35-jährige Benjamin Nägele. Wie sein Freund und Geschäftskollege Daniel Cofani, 36, beschreibt er sich nicht als extremen Weinkenner, doch beide trinken abends gerne mal ein Gläschen. "Wir haben das just for fun gestartet, weil wir auch über die nötige Infrastruktur verfügen", sagt Daniel Cofani, der mit der Tochter eines Kaiserstühler Winzers verheiratet ist. Weil beide Gründer berufstätig sind, mussten die Wege kurz und der Arbeitsaufwand gering gehalten werden. Sie hoffen, dass sich ihr "Schorlekaiser" zum Selbstläufer entwickelt.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

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Die Idee

Ein Foto auf Instagram gab den Anstoß: Als Benjamin Nägele eines abends mit seiner Frau Julia auf dem Sofa saß, zeigte sie ihm ein Bild einer Weinschorle in der Flasche. "Sie fragte mich, warum es so etwas nicht aus der Region gäbe", erzählt Nägele. Er berichtete seinem Freund davon – und der war sofort begeistert und überzeugt. "Ich fand das von der ersten Sekunde an cool und machbar", sagt Daniel Cofani. Ein paar Gespräche später stand fest: In Zusammenarbeit mit der Bickensohler Weinvogtei wollen sie einen Versuch starten.

Die beiden kennen sich seit der Kindheit und hatten schon früh den Plan, zusammen etwas geschäftlich zu starten. "Aber das waren immer nur Träumereien", sagt Cofani. "Mal war es eine Pizzeria, mal ein Café", ergänzt Nägele. So richtig gezündet hatte bislang noch keine ihrer Ideen – bis sie auf die regionale Weinschorle kamen. "Eine Weißwein- und eine Roséversion wollten wir machen, das stand schnell fest", sagt Cofani. "Und wir wollen mit der Regionalität auftrumpfen."

Das Team hinter dem "Schorlekaiser"

In ihren Haupttätigkeiten spielt Wein eher keine Rolle: Daniel Cofani arbeitet im Vertrieb eines großen Autohändlers in Freiburg, Benjamin Nägele ist studierter Volkswirt und in der Finanzindustrie in Basel tätig. Die beiden Freiburger sind Sandkastenfreunde, wie sie im Buche stehen: Schon ihre Mütter waren befreundet, die Jungs kamen dann in den gleichen Kindergarten, gingen auf die gleiche Grundschule und dann zusammen aufs Kepler-Gymnasium. "Erst nach der Schule trennten sich unsere Wege", sagt Benjamin Nägele.

Doch auch, als es für sie beruflich in unterschiedliche Richtungen ging, hielt die Freundschaft. "Wir waren sogar gegenseitig unsere Trauzeugen", erzählt Daniel Cofani. Und nicht nur das Band zwischen ihnen ist eng: Auch Ramona Cofani, 34, und Julia Nägele, 31, helfen beim "Schorlekaiser" mit. "Jeder hat bei uns eine Aufgabe, das hat sich ganz natürlich ergeben", sagt Daniel Cofani. Er kümmert sich um den Vertrieb, seine Frau um den Social-Media-Auftritt. Benjamin Nägele ist für Rechnungen und Verordnungen zuständig und weil seine Frau Deutschlehrerin ist, unterstützte sie textlich.



Schorle-Herstellung

Der "Schorlekaiser" ist eine Weißweinmischung aus der Flasche, es gibt ihn einmal als weiße und einmal als rosé Variante – diese nennt sich dann "Schorlekaiserin". Die Weine kommen aus der Bickensohler Weinvogtei, die von vielen Winzerfamilien aus der Gegend beliefert wird. Auch Daniel Cofanis Schwiegervater verarbeitet dort seine Trauben. Welche Sorten konkret verwendet werden, bleibt Betriebsgeheimnis der "Getränkebuddies", wie Cofani und Nägele ihre Firma genannt haben.

"Die Schorle besteht nur aus Wein und Sprudelwasser", erklärt Benjamin Nägele. Der Weinanteil liegt bei beiden Varianten bei knapp über 50 Prozent – so sieht es die Weinverordnung vor. "Da mussten wir uns erstmal mit auseinandersetzen", sagt Daniel Cofani. Mit etwa 5,9 Prozent ist der Alkoholanteil vergleichbar mit dem einer Flasche Bier. Die Schorle gibt’s in 0,33-Literflaschen zu kaufen – 12 Flaschen kosten 30 Euro. 2.500 Exemplare wurden in Ettenheim abgefüllt, 500 davon sind bislang verkauft.

Heimatliebe

"Wir lieben Wein aus der Region" lautet der Slogan des "Schorlekaisers". "Der Bezug zum Kaiserstuhl sollte deutlich werden", sagt Daniel Kofani. Deshalb ist auf dem Etikett auch ein Thron abgebildet, der Hinweise auf den Kaiserstuhl geben soll. Einmal in pink (Rosé), einmal in grün (Weißwein).

In Freiburg kann man den Schorlekaiser im Amara, im Café Auszeit und im Café im Bad in Merzhausen probieren, außerdem ist das Getränk in Breisach und Bötzingen erhältlich, weitere Läden sollen folgen. Das Feedback sei bislang positiv gewesen. "Wir haben gehört, dass Frauen eher den Roséweintrinken", sagt Daniel Cofani. "Jeden und jede können wir nicht zufriedenstellen", fügt Benjamin Nägele hinzu. "Aber uns schmeckt’s".
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