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Gründen in der Krise: Localsforall ist eine App gegen die Innenstadtverödung

Louisa Weber

Vier Freunde aus Freiburg wollen die Innenstadt und deren kleine Läden retten: Mit ihrer App "Localsforall" helfen sie Geschäften, ihre Ware online zu vertreiben. Gerade durch die Pandemie verlieren diese ihre Kunden.

Gründen in der Krise

Die vier Freiburger Jungs Mirhan Schmeier (22), Tom Pfirsig (20), Nils Gutgsell (21) und Sebastian Parsch (20) haben das Risiko gewagt und im Krisenjahr 2020 ihr eigenes Start-Up namens Localsforall gegründet. Ihre Idee: Onlineshopping für das gute Gewissen. Dies soll durch eine selbstentwickelte App umgesetzt werden, durch die vom Sofa aus bequem eingekauft werden kann, und zwar bei lokalen Einzelhändlern. Die Ware soll noch am selben Tag ankommen und wie man es von Freiburg gewohnt ist, ganz umweltfreundlich mit dem Fahrrad.
fudder-Serie "Gründen in der Krise"

fudder beschäftigt sich mit jungen Menschen aus der Region, die mitten in der Krise ein Geschäft eröffnet, eine Kollektion herausgebracht oder sich mit ihrer kleinen Firma selbstständig gemacht haben. Wir porträtieren junge Menschen vor, die sich der Herausforderung gestellt haben, mitten in der Pandemie ihren Traum zu verwirklichen.

Überblick: Alle Teile der Serie "Gründen in der Krise"

Die Idee

Die Idee zu Localsforall hatten den Jungs bei einem gemütlichen Beisammensein im Mai 2020. "Lange vor der Gründung war uns aufgefallen, wie fortlaufend kleinere Läden aus der Innenstadt verschwinden und von großen Ketten aufgekauft und ersetzt werden", so Nils Gutgsell, einer der Mitbegründer von Localsforall. Noch erschreckender und bedenklicher hat sich das Stadtbild aber erst seit Beginn der Pandemie verändert. Allein in der KaJo mussten mehrere traditionelle Kaufhäuser schließen und wurden durch Ketten ersetzt oder stehen gar noch leer.

Die Konsequenz von Corona: Der gewöhnliche Stadteinkauf wird gemieden und durch Onlineshopping ersetzt. Bedenklich ist dabei, dass aus Bequemlichkeit nicht beim Einzelhändler um die Ecke gekauft wird, sondern eben bei den bekannten Onlineriesen. Localsforall will genau an diesem Problem ansetzen und kam so letztlich auf die Idee einer App, die Online-Waren von lokalen Einzelhändlern anbietet.



Die Anfänge

Angefangen haben die Jungs im Mai 2020, indem sie verschiedene Einzelhändler in der Stadt angesprochen und von ihrem Projekt erzählt haben. Später, im November bis Dezember desselben Jahres, haben sie über Startnext eine Crowdfundingkampagne gestartet und über ihren Instagram-Kanal darauf aufmerksam gemacht. Insgesamt haben sich 52 Unterstützer an der Kampagne beteiligt, 4000 Euro kamen zusammen und somit konnte letztlich das Projekt Localsforall gestartet werden.

Die App

Die selbstentwickelte App des Start-Ups funktioniert laut Informatikstudent Tom Pfirsig ähnlich wie Lieferando, nur eben für Einzelhändler. In der App sind die einzelnen Läden nach verschiedenen Kategorien sortiert. Es gibt eine breite Produktspanne, die von Lebensmittel bis hin zu Spielzeug reicht. Jeder interessierte Einzelhändler kann Teil der App werden und somit sein Sortiment über Localsforall anbieten. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sieben Einzelhändler vertreten, die sich seit Anfang April in der Testphase befinden, drei weitere Einzelhändler werden sich in den kommenden Tagen dazu schalten und ihre Ware online einstellen.

Die Testphase ist für die Einzelhändler kostenlos und bietet ihnen die Möglichkeit herauszufinden, welchen Mehrwert die App beziehungsweise das Projekt Localsforall für sie und ihren Laden hat - die Testphase wurde noch bis zum 1. Juni 2021 verlängert.

Die Android App Localsforall ist ab sofort im Playstore verfügbar, an einer Apple-Variante wird gearbeitet. Geliefert wird die bestellte Ware ganz umweltfreundlich mit dem Fahrrad. Das Logistikunternehmen Radsfatz aus der Wiehre hat schon langjährige Erfahrung und bietet einen qualitativen und zuverlässigen Service. Wer seine Ware noch vor 14 Uhr bestellt, kann mit einer Auslieferung der Bestellung noch am selben Tag rechnen.
Localsforall: Website & Instagram

Unterm Strich

Unterm Strich will Localsforall eines sein – eine Alternative zum mächtigen Onlinegroßhandel. Darüber hinaus möchten die Jungs mit ihrer App aber auch ein Bewusstsein für den lokalen Einzelhandel und deren Wichtigkeit schaffen, denn ohne lokale Einzelhändler kein individuelles Stadtbild. Ihre Zukunftsvision – die Localsforall App eines Tages in allen Städten deutschlandweit anwendbar zu machen. Wichtig ist den Localsforall-Jungs aber auch, dass ihre App keine Übergangslösung für den Lockdown darstellt, sondern viel eher einmal mehr darauf aufmerksam machen will, dass die Innenstadtverödung schon lange ein Thema ist.

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