Freiburger Warenwelt (53): Cemper-Sport

Stephan Elsemann

Es regnet, aber die Badesaison hat begonnen. Man kann ja schon mal nachschauen, ob der alte Badeanzug noch was her macht. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn Chlorwasser und schicke Badeanzüge sind natürliche Feinde. Ursula Cempirek kann erklären, warum. Seit fast vierzig Jahren beschäftigt sie sich mit Schwimmbekleidung, obwohl sie selbst gar nicht so gern ins Wasser geht.



Ursula und Wolfgang Cempirek

Ihr Mann tat es umso lieber. Wolfgang Cempirek war zeit seines Lebens Schwimmtrainer, der auch an Wettkämpfen teilnahm und im fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren noch aufs Treppchen bei den deutschen Meisterschaften stieg. Er hat einen "göttlichen Schwimmstil" schwärmt seine Frau, "noch heute".

Ursula und Wolfgang Cempirek übernahmen das Geschäft in den Sechziger Jahren als Schreibwarengeschäft. Erst 1972 wurde ein Schwimmsportgeschäft daraus.
Aus den 70ern ist die Ladeneinrichtung geblieben, die große Schrankwand des Schreibwarenladens.



Das Geschäft ist ein kurioses Aufeinandertreffen von altertümlicher Einrichtung und ultramoderner Schwimmbekleidung in den Regalen. Denn, wenn es um funktionale Schwimmbekleidung geht, ist Cemper auf dem allerneuesten Stand. Wettkampf- und Leistungsschwimmer kommen hierher, wenn sie neue Sachen brauchen.



Hier und sonst nirgends

Ursula Cempirek ist eine Expertin, wenn es um Materialien geht und davon profiiert man auch, ohne Leistungsschwimmer zu sein. Probleme mit der Haltbarkeit bei Badehosen verursacht das Elasthan. Es macht die Badehosen weich und elastisch, anschmiegsam und sexy, aber es löst sich in Chlorwasser recht bald auf – im Schnitt nach einem Jahr ist der Spaß vorbei. Badeanzüge mit weniger Elasthan passen sich nicht so gut an, halten dafür länger.



Man hat also die Wahl zwischen besser Aussehen oder Geld sparen. Bei den Sportschwimmern heißt es Trainingsbekleidung, wenn es länger halten soll. Oder man nennt es Wettkampfbekleidung, wenn es um Zehntelsekunden geht und eine hautenge Passform dabei helfen kann.

Wie in allen Sportarten wird mit den Materialien experimentiert. Bei Cemper finden sich zwei Hosen im Schrank aus einem Material, das besonders schnell macht, weil es den Auftrieb verbessert. Hundert und 150 Euro kosten die zwei Hosen. Evolution heißt das Turbo-Stöffchen. Sie sind allerdings derzeit für Wettkämpfe nicht zugelassen. Ladenhüter ohne Lizenz – im Wartestand auf Wiederzulassung.



Notizen für den Einkaufszettel

Cemper-Sport ist ein Sportgeschäft mit eigenwilligem Charme. Alles, was man man zum Schwimmen braucht, wird hier verkauft. Das Sortiment schließt jedoch alles andere ebenso konsequent aus. Badebekleidung bekommt man in allen Größen und Formen, aber Triathlon-Anzüge schon nicht mehr. Neopren-Anzüge zum Schwimmen sind reichlich vorhanden, sucht man welche zum Tauchen, muss man woanders hingehen.

Badehosen kosten rund 33 Euro, 37 Euro in der Wettkampfversion. Badeanzüge bekommt man zwischen 50 und 55 Euro. Das ganze Sortiment von Trainings- und Lernhilfen ist auch vorhanden. Schwimmflügel kosten 5,95 Euro. Hand-Paddles bekommt man ab 12,95 Euro.



Diskussionsstoff beim Kauf bieten auch Schwimmbrillen und ihr ständiges Beschlagen. Leider ist dagegen kein Kraut gewachsen. Selbst bei den teuersten Brillen löst sich die Antifog-Beschichtung nach einiger Zeit ab und sie beschlagen – wie alle anderen auch. Frau Cempirek empfiehlt, die Brille mit Spülmittel zu säubern und dann mit einem Antifog-Mittel (5,95 Euro) neu zu beschichten. Oder die klassische Methode: vor dem Schwimmen hineinspucken und verreiben.



Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen der Straßenbahn folgend über die Stadtbahnbrücke in den Stühlinger fahren oder laufen. Bei Ende der Abfahrt von der Brücke weiter fahren und nach rechts schauen. Nach rund 50 Metern steht man vor Cemper-Sport. Zu Fuß sind es zehn Minuten, mit dem Fahrrad fünf Minuten.



Adresse

Cemper-Sport
Tellstraße 15
79106 Freiburg
0761-273896

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Samstag 10 bis 13 Uhr



Freiburger Warenwelt

Foto-Galerie: Stephan Elsemann