Katholisches Lehrlingswohnheim

Zwischen Baustelle und Virus – drei Azubis berichten von ihrem Jahr

Manuel Fritsch

Während der Berufsschul-Blöcke kommen Auszubildende aus ganz Baden-Württemberg in das Wohnheim an der Kartäuserstraße. Drei von ihnen berichten, wie sie das vergangene Jahr erlebt haben.

Vor dem katholischen Lehrlingswohnheim "KL Freiburg" an der Kartäuserstraße herrscht ausgelassene Stimmung. Eine Handvoll junger Menschen sitzt vor dem Haus, hört Musik, trinkt Cola und raucht Zigaretten. Um kurz vor sechs kommen nochmals fünf Neue dazu, man begrüßt sich per fist-bumb, spaßt und genießt die Abendsonne. Es ist der letzte Schultag für diesen Block. Die jungen Leute werden sich nun wieder für Wochen nicht sehen. "Für uns ist es der dritte Block, wir sind inzwischen eine feste Truppe", erzählt Nicolas Anthes.

Zu Corona kommt die Sanierung des Gebäudes

Der 19-jährige Stuttgarter hat sich mit seinen Kollegen Cheyenne Riehle und Janik von Salzen bereit erklärt, die BZ durch das Wohnheim zu führen. Die drei machen eine Ausbildung zum Steinmetz. Ihre Betriebe sind in verschiedenen Städten in Baden-Württemberg. Die Berufsschule aber ist für alle drei in Freiburg. Da es sich für die wenigen Wochen im Jahr nicht rechnet, sich ein Zimmer in Freiburg zu mieten, wohnen alle drei während der Schulblöcke im Katholischen Lehrlingsheim. Die drei haben ihr Zimmer im zweiten Stock – dem Steinmetz-Stockwerk. Über ihnen sind die Optiker, aber auch Vermessungstechniker, Mediengestalter und Raumausstatter kommen in dem Gebäude unter.

Für die jungen Erwachsenen war das vergangene Jahr durchwachsen. "Während des ersten Blocks konnten wir uns kennenlernen", erzählt Anthes, "und der zweite Block ist dann wegen Corona ausgefallen. Das war schon ziemlich schade." Zu den Corona-Einschränkungen kommt die Sanierung des Wohnheims. Denn es wird nicht nur ein neues Gebäude gebaut, auch im Bestand wird etwas saniert. "Dadurch fallen der Party- und der Trainingsraum weg", seufzt von Salzen. "Andererseits: Wir kennen das, was wegfällt ja gar nicht." "Und draußen haben wir noch den Sportplatz zum Basketball oder Fußball spielen", ergänzt Riehle. Man macht also das beste draus. Spaß haben die Leute gemeinsam dennoch. Klar achte man auf Hygiene-Regeln, versichern alle drei.

Abends kommt immer mal der Nachtwächter – wegen Lärm

Innerhalb des Gebäudes herrsche Maskenpflicht außen sei es weniger streng. Während des ersten Schul-Blocks habe es einen Corona-Fall gegeben. "Da wurde das ganze Stockwerk schnellstmöglich geräumt", erzählt Riehle. "Nach einer Woche gab’s dann Entwarnung und wir konnten zurück."

Ein wenig bedauern die drei, dass sie kaum Zeit hätten, Freiburg zu erkunden. Zu der eh begrenzten Zeit nach dem Unterricht kam im vergangenen Jahr der Lockdown. Und dann habe man ja auch Spaß, mit den anderen Lehrlingen Zeit zu verbringen. Das laufe nicht immer ganz konfliktfrei ab, abends schreite immer mal wieder der Nachtwächter ein, weil er es für zu laut halte. Mit dem Neubau soll daher auch eine Sitzfläche im Freien geschaffen werden, die etwas abgeschieden liegt, so dass die Nachbarn nicht mehr so schnell gestört werden.

Mit ihrer Wahl, eine Steinmetz-Ausbildung zu machen, sind die drei bislang zufrieden. "Ich habe eine Sanitär-Ausbildung abgebrochen", erzählt Anthes. "Dann wollte ich zur Bundeswehr, das klappte nicht, und dann bin ich eben Steinmetz geworden – und dann bin ich in dem Beruf richtig aufgegangen." Er beschäftige sich hauptsächlich mit dem Restaurieren alter Steine, von Salzen dagegen ist in Ulm am Münster beschäftigt. Für Riehle besteht die Hälfte der Arbeit daraus, Grabsteine zu gestalten. Der spektakulärste bisher: Ein Star-Wars-Raumschiff, das Eltern für ihren verstorbenen Sohn anfertigen ließen.