fudder-Interview

Zwei Freiburger Medizinstudierende unterwegs im Impfzentrum und Impfmobil

Sarah Rondot

Das Impfzentrum an der Freiburger Messe war ihre erste Übung, nun impfen sie Senioren und Pflegekräfte in ganz Südbaden: Zwei Freiburger Medizinstudierende arbeiten in mobilen Impfteams. Im fudder-Gespräch berichten sie von ihrer Arbeit.

Elena Seidl und Alex Tihanyi studieren in Freiburg Medizin und sind seit mehr als zwei Jahren ein Paar. Die 22-jährige Elena und der 25-jährige Alex haben im Freiburger Impfzentrum gearbeitet und sind jetzt mit den mobilen Impfteams (MIT) in den Pflegeheimen unterwegs. Im Gespräch mit fudder erzählen sie von ihren Erfahrungen mit Ampullen, Schneeproblemen und großer Verantwortung in Kühlboxen.

Ihr arbeitet beide seit Anfang Januar im Impfzentrum und jetzt in den mobilen Impfteams. Wie seid ihr an diesen Job gekommen?

Alex: Wir haben Anfang Dezember über eine WhatsApp Gruppe der Medizinfachschaft von einer Simulation im Impfzentrum erfahren. Bei einer Simulation wird einmal der komplette Ablauf im Impfzentrum durchgespielt. Jeder bekommt eine Rolle zugeteilt, zum Beispiel eine Ärztin, ein Impfling, der in Ohnmacht fällt oder auch ein Impfgegner, der versucht das System zu stören.
Elena: Wir hatten leider beide die Rolle eines ganz normalen Impflings. Wenn man bei dieser Simulation mitgemacht hat, wird man bevorzugt für die beliebten Arbeitsplätze im Impfzentrum genommen. Ich konnte auch ziemlich direkt anfangen, weil ich schon Anfang Januar Zeit hatte.

Wie ist der Ablauf im Impfzentrum und was sind eure Aufgaben dabei?

Elena: Zuerst zeigen die Impflinge ihre Terminbestätigung, oder die Bestätigung vom Arbeitgeber. Dann bekommen sie die Temperatur gemessen und wenn nötig einen Rollstuhl angeboten. Als nächstes kommt dann die Registrierung, also das Einlesen der Versicherungskarte und das Ausfüllen der nötigen Formulare.
Alex: Es sollte möglichst dann schon klar werden, was für Allergien oder chronische Erkrankungen bei den Impflingen vorliegen. Es gibt auch einen Infoscout, an den können sich die Leute immer wenden, wenn sie Fragen haben.
Elena: Dann geht es in die Impfkabine. Dort arbeitet immer medizinisches Fachpersonal und ein Arzt. Als Medizinstudentin arbeitet man dem Arzt zu, zum Beispiel, in dem man die wichtigsten Daten in einen Computer tippt. Außerdem gibt es noch die Apotheken-Station, dort werden unter Aufsicht einer Apothekerin die Impfdosen gemischt und aufgezogen. Der Impfstoff von Biontech muss nämlich noch mit Kochsalzlösung im richtigen Verhältnis vermengt werden.

"Das ist richtig rührend und schön zu sehen, wie sich die Impflinge auf die Impfung freuen." Elena

Auf was müsst ihr beim Mischen des Impfstoffs achten?

Elena: Man darf die Mischung nicht schütteln, wie einen Cocktail. Der Impfstoff ist nämlich empfindlich für Erschütterungen. Und wir ziehen genau 0,3 Milliliter pro Impfung raus, da dürfen keine Luftblasen drin sein, damit die Menge auch stimmt.
Alex: Nach der Impfung werden die Leute in einen Warteraum geschickt, wo sie sich mindestens 15 Minuten noch ein bisschen ausruhen sollten.

An welchen Stationen habt ihr schon mitgeholfen und welche hat euch am meisten Spaß gemacht?

Elena: Also ich war schon bei der Registrierung, Infoscout, in der Apotheke und in der Impfkabine. Dort bin ich am liebsten, weil die Mehrheit der Leute so dankbar ist. Das ist richtig rührend und schön zu sehen, wie sich die Impflinge auf die Impfung freuen.
Alex: Es geht auch darum, dass man alle wichtigsten Stationen durchläuft, bis man bereit für die mobilen Impfteams ist. Die Apothekerin sagt dann zum Beispiel: "Du bist bereit, das auch eigenständig ordentlich zu mischen."

Habt ihr eigentlich davor schonmal geimpft?

Alex: Ich habe vor dem Studium eine zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten gemacht, deswegen habe ich schonmal geimpft.
Elena: Impfen ist aber auch wirklich unkompliziert, man muss nur den Delta-Muskel im Oberarm treffen.
Alex: Bei älteren Leuten muss man den teilweise ein bisschen suchen, aber in der Regel befindet er sich zwei bis drei Finger unter dem Schulterdach. Im Impfzentrum gilt: Impfen ist Arztsache. Deswegen dürfen wir auch nur unter ärztlicher Aufsicht impfen.

"Wir wurden beide am zweiten Arbeitstag geimpft." Alex

Wird man selbst geimpft, wenn man im Impfzentrum arbeitet?

Alex: Am Ende des Tages bleiben oft einige Dosen übrig, die noch aufgebraucht werden müssen. Wir sind durch unsere Arbeit in Kategorie Eins und es werden nach und nach alle Mitarbeiter geimpft. Wir wurden beide am zweiten Arbeitstag geimpft.

Nach Durchlaufen der Stationen im Impfzentrum wart ihr bereit für die mobilen Impfteams. Was genau machen die mobilen Impfteams? Wie sieht eure Arbeit dort aus?

Elena (lacht): Das ist ganz anders und wirklich unvorhersehbar. Man fährt in einem kleinen Team in die Alten- und Pflegeheime, um dort die Impfdosen auszuteilen. Am Abend vorher weiß man noch nicht, wo man überhaupt hinfährt. Unser Gebiet erstreckt sich bis Konstanz.
Alex: Wir treffen uns am Impfzentrum und werden einem Team zugeteilt. Das besteht normalerweise aus drei bis fünf Medizinstudenten inklusive Fahrer, oft ein FSJler einer freiwilligen Organisation. Wir holen dann alles ab, was wir brauchen, um in den Altenheimen ein Mini-Impfzentrum aufzubauen: Also Pflästerchen, Desinfektionsmittel, den PC zur Registrierung, einen Drucker…Aber am wichtigsten ist natürlich die Kühlbox mit den Impfdosen. Derjenige mit der meisten Erfahrung wird zum Leiter des Impfteams bestimmt. Ich hatte jetzt schon ein paar Mal die Verantwortung.
Elena: In den Pflegeheimen spricht man sich mit den Hausärzten, die fürs Impfen zuständig sind, und der Heimleitung ab, damit man das Mini-Impfzentrum mit Registrierung, Apotheke und Co optimal aufbauen kann.
Alex: Wir wollen am liebsten alles in einem Raum haben, damit man sich zwischendurch gut absprechen kann. Da muss man schon manchmal selbstbewusst sein, wenn die Heimleitung andere Vorstellungen hatte, der Ablauf so aber nicht funktioniert. Da betone ich dann immer, dass wir nur die Ausführenden sind, selbst aber wenig entscheiden. Wir sollen der Heimleitung zum Beispiel auch keine Auskunft geben, wie viele Impfdosen wir genau dabeihaben, das kann man durch das Mischen des Impfstoffes auch nicht immer 100-prozentig sagen. Aber es wird sichergestellt, dass alle Leute geimpft werden, die das Pflegeheime angemeldet hat.
Elena: Die Arbeit in den mobilen Impfteams macht Spaß, aber der Stress sitzt einem wirklich im Nacken. Es können schon einige unvorhergesehene Probleme auftreten. Wenn zum Beispiel jemand nicht auf der Liste steht, müssen wir rausfinden, ob die Person in Kategorie 1 ist. Das sind dann aber Grenzentscheidungen, bei denen wir unseren Vorgesetzten anrufen. Oder wenn Formulare nicht vollständig ausgefüllt sind, das verzögert den ganzen Prozess. Auch das Wetter kann zum Problem werden. Wegen des Schnees waren wir an einem Tag 14 Stunden unterwegs.
Alex: Alles steht und fällt mit der Vorbereitung des Pflegeheims. Das läuft aber meistens sehr gut. Die versorgen einen auch immer richtig lieb mit Butterbrezeln und Café. Aber Elena hat Recht mit dem Stress. Manchmal werde ich mir zwischendurch der großen Verantwortung bewusst: Hier stehe ich, als 25-jähriger Medizinstudent und bin verantwortlich für eine Kühlbox mit einer ganzen Menge Impfdosen.

Das klingt ganz schön anstrengend. Könnt ihr den Job gut mit eurem Studium vereinbaren?

Alex: Ich schreibe gerade meine Doktorarbeit und bin zeitlich sehr flexibel. Die Schichten im mobilen Impfteam sind immer von 7.30 Uhr bis etwa 15 bis 17 Uhr angedacht. Außerdem kann man sich ganz einfach in einem Online-Portal eintragen. Gerade mit dem Online-Semester ist der Job gut zu vereinbaren. Außerdem empfinde ich es als Luxus morgens aus dem Haus zu gehen, mit anderen zusammenzuarbeiten und ganz neue Leute kennenzulernen.

"Es fühlt sich surreal an, Teil eines so großen Projektes zu sein, was man jeden Tag in der Tagesschau sieht." Alex

Wie viel verdient man als Medizinstudent in diesem Job?

Elena: Es gibt 20 bis 25 Euro Stundenlohn. Das kommt darauf an, ob man schon sein Physikum hat oder nicht. Ich bin im siebten Fachsemester und Alex im neunten. Wenn man zusätzlich eine medizinische Ausbildung hat, bekommt man noch etwas mehr. Für einen Studentenjob ist es ein extrem hoher Stundenlohn.

Habt ihr schon Pläne mit dem Geld, was ihr gerade verdient?

Alex (lacht): Also ich will nach Malaysia. Dort hat Elena eine zeitlang gewohnt und könnte mir alles zeigen. Mit dem Backpack durch Südostasien wäre auch schön.
Elena: Ich hätte aber auch Lust auf Südamerika.

Wie ist die Stimmung im Impfzentrum und in den mobilen Impfteams? Fühlt ihr euch ein bisschen wie Weltretter?

Elena: Die Stimmung ist wirklich extrem positiv und motiviert. Ich habe das Gefühl, dass die Hierarchie-Ebenen ein bisschen wegfallen, wir sind auch mit den Ärzten per du.
Alex: Es fühlt sich surreal an, Teil eines so großen Projektes zu sein, was man jeden Tag in der Tagesschau sieht.
Elena: Alle, die mitarbeiten, haben das gleiche Ziel und das fühlt sich wirklich gut und sinnvoll an.

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