Coronavirus

Zahl der Neuinfektionen in Südbaden steigt wieder leicht – entgegen dem Landestrend

Joshua Kocher

Wie erfolgreich sind Kontaktverbot und Kneipenschließung? Eine BZ-Auswertung zeigt ein ambivalentes Bild. Im Landesschnitt tragen die Maßnahmen erste Früchte, in Südbaden steigt die Fallzahl wieder.

Wie schnell oder langsam verbreitet sich das Coronavirus im Südwesten? Wirken die Eindämmungsmaßnahmen? Das lässt sich wahrscheinlich erst in einigen Wochen oder Monaten sicher sagen. Ein erster Trend lässt sich jedoch bereits aus den Datensätzen der Gesundheitsämter und des Sozialministeriums ablesen.


Eine BZ-Auswertung ergibt, dass in der Woche vor dem 22. April die Zahl der bestätigten Neu-Infektionen mit dem Virus erstmals unter den Stand des Vormonats gesunken ist. Heißt: In Baden-Württemberg wurden vergangene Woche so wenige neue Corona-Fälle gemeldet wie zuletzt vor einem Monat, also noch vor dem großen Shutdown.



Für die Analyse haben wir die Daten im sogenannten gleitenden arithmetischen Mittel der jeweils vorausgegangenen sieben Tage erhoben, um mögliche Ausreißer sowie lange Meldewege zu glätten. Zu beachten ist, dass die tatsächlichen Fallzahlen um einiges höher liegen dürften, da nicht alle Fälle gemeldet werden.

"Die Maßnahmen scheinen erste Früchte zu tragen", schreibt eine Sprecherin des Landesgesundheitsamts auf BZ-Nachfrage. Sie sagt aber auch: "Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Die Herausforderung ist jetzt, die Disziplin der vergangenen Wochen aufrechtzuerhalten." Sie rät zum Abstandhalten, die Hygienemaßnahmen zu beachten und beim Einkaufen und im Öffentlichen Nahverkehr Mund- und Nasenschutz zu tragen. "Wenn jetzt die Maßnahmen schrittweise gelockert werden, gilt diese Disziplin umso mehr", so die Sprecherin.

"Die Herausforderung ist jetzt, die Disziplin der vergangenen Wochen aufrechtzuerhalten." Sprecherin des Landesgesundheitsamts
Denn unklar ist heute, wie sich zum Beispiel die Wiederöffnung von Einkaufsläden und Eisdielen am vergangenen Montag auswirkt. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sieht bereits die Gefahr, dass die Erfolge bei der Corona-Eindämmung verspielt werden. Bundesweit sollen sich nach Angaben der Johns Hopkins Universität die Neuinfektionen mit dem Coronavirus zuletzt wieder beschleunigt haben. In den vergangenen 24 Stunden wurden 2195 Neuansteckungen registriert, so viele wie seit dem 19. April nicht mehr.

Die aktuellen Zahlen aus Südbaden bestätigen diese Entwicklung. In den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach und der Ortenau steigt die Zahl der durchschnittlichen bestätigten Neu-Infektionen seit einigen Tagen wieder. In Freiburg sowie den Landkreisen Emmendingen und Waldshut sinken die neuen Fallzahlen kontinuierlich. Ob sich tatsächlich weniger Leute anstecken oder in den Kreisen einfach unterschiedlich getestet wird ist unklar.



Doch warum gibt es überhaupt noch so viele Neuinfektionen? Denn trotz des öffentlichen Shutdowns werden landesweit immerhin noch durchschnittlich mehr als 450 neue Fälle täglich gemeldet. Das Landesgesundheitsamt schreibt: "Aktuell werden vermehrt Fälle (...) in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Betreuungseinrichtungen übermittelt." Das sei laut des Robert-Koch-Instituts ein Grund dafür, dass der Rückgang der Neuerkrankungen trotz der gravierenden Maßnahmen nur relativ langsam vonstatten geht.

Allgemeine Verhaltensregeln zur Risikoreduktion
  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife – mindestens 20 Sekunden.
  • In ein Papiertaschentuch niesen oder husten und dieses danach entsorgen. Und danach Händewaschen!
  • Ist kein Taschentuch griffbereit, in die Armbeuge niesen oder husten.
  • Mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen halten. Umarmungen und Händeschütteln generell unterlassen.
  • Bei grippalen Symptomen unbedingt zu Hause bleiben, um Ansteckung zu vermeiden.
  • Jegliche Kontakte sollen auf das Notwendigste reduziert werden! Möglichst zuhause bleiben und lieber über Telefon, E-Mail oder Chats kommunizieren.
  • Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts erlaubt. Auf öffentliche Verkehrsmittel möglichst verzichten.