Coronavirus

Wo und wie können Erntehelfer jetzt unterstützen – und dazuverdienen?

Lisa Böttinger

Landwirte in Südbaden bangen um ihre Existenz: Wegen des Einreisestopps für Saisonkräfte fehlen ihnen Erntehelfer. Wie Sie jetzt helfen und dabei Geld verdienen können – auch neben der Kurzarbeit.

Der April naht und damit nicht nur in Südbaden die Saison für Spargel, Erdbeeren und viele andere Obst- und Gemüsesorten auf den Feldern – aber wer soll sie alle dieses Jahr ernten? Bereits am vergangenen Mittwoch hat das Bundesinnenministerium beschlossen, die Einreise ausländischer Saisonkräfte wegen des Coronavirus vorerst zu unterbinden – die Regelung trat noch am selben Tag um 17 Uhr in Kraft.


Landwirte in Südbaden suchen seither dringend Ersatzkräfte aus der Region, die Spargel stechen und bei der Ernte helfen. Für Menschen, die zur Zeit ohnehin wegen Kurzarbeit oder anderen Coronavirus-bedingten Schwierigkeiten mehr Zeit, aber weniger Geld zur Verfügung haben, kann ein vorübergehender Zusatzjob in der Landwirtschaft attraktiv sein – und ein Zeichen von Solidarität. Denn: "Ohne Saisonkräfte haben wir kein frisches Obst und Gemüse", warnt Simon Schumacher, der Sprecher des Verbandes der süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE).

Viele Landwirte bangen derzeit um ihre Existenz, auch Viehbauern leiden unter den Folgen der Corona-Krise. Wegen der allgemeinen Schließungen nehmen Restaurants keine Ware mehr ab – für die Spargelbauern, die den Umsatz zur Saison des beliebten Gemüses normalerweise fest einkalkulieren, besonders kritisch.

Allerdings: "Spargelstechen lernt man nicht von heute auf morgen", sagt Padraig Elsner, der Sprecher des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Wer sich als Einsteiger einen Eindruck von dem Job machen will: Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer verlinkt auf seiner Homepage unter anderem auf ein Video zum Thema "Spargelstechen – wie geht’s?" und viele weitere Erklär-Inhalte für Erntehelfer.So finden auch Landwirte Informationen zur Beschäftigung von Arbeitnehmern in Kurzarbeit: Diese können in der Landwirtschaft sozialversicherungsfrei beschäftigt werden.

Erklär-Video des BLHV: Wie erntet man Spargel?





Wer in der Landwirtschaft aushelfen will, sollte zuverlässig sein und bei guter Fitness. Die Landwirte selbst sind verpflichtet, auch bei der Feldarbeit auf die Gesundheit ihrer Helfer zu achten: mit ausreichend Sicherheitsabstand und Hygienevorkehrungen.

Angebote für Helfer gibt es genügend:
  • Auf der bundesweiten Vernetzungsplattform daslandhilft.de für Landwirte und Erntehelfer können sich potenzielle Helfer eintragen – und so von unterstützungsbedürftigen Landwirten und Betrieben gefunden werden. Dazu benötigt die Plattform neben einem Namen lediglich Postleitzahl und Ort. Ein Beschäftigungsverhältnis geht jeder Helfer mit demjenigen ein, der ihn oder sie vor Ort beschäftigt. Mit diesem Betrieb oder Landwirt klären Helfer alle Rahmenbedingungen. In vielen Fällen bietet sich eine Anmeldung als kurzfristige Beschäftigung an: Saisonarbeitskräfte, dürfen bis zum 31. Oktober 2020 eine kurzfristige Beschäftigung derzeit für bis zu 115 Tage sozialversicherungsfrei ausüben. Viele weitere Fragen und Antworten – zum Beispiel zur Vereinbarkeit von Kurzarbeit und Erntejob – gibt es auf der Plattform, einfach erklärt und gut verständlich.
  • Auf der Facebook-Seite Ernteretter können Helfer ihr Angebot posten oder sich per Direktnachricht mit den Zuständigen des Verbandes der Süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauern austauschen, der die Seite ins Leben gerufen hat.
  • Ein kostenloses Hilfsprojekt, das unter anderem aus dem "WirVsVirus"-Hackathon der Bundesregierung resultiert und von Entwicklern ehrenamtlich umgesetzt wurde, ist die Webseite erntehelfer-gesucht.de. Auch hier können sich sowohl die Landwirte selbst als auch Erntehelfer kostenlos registrieren – und so Unterstützung oder einen saisonalen Nebenjob finden.
"Jetzt zählt einfach Solidarität und sich helfen. Dazu kann ich Geld verdienen", schreibt ein 25-jähriger Student aus Oberbayern auf der Hilfsplattform daslandhilft.de des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Ein junger Landwirt aus der Hallertau fasst die Hilfsbereitschaft vieler Menschen dankbar zusammen: "Ohne die Hilfe der Menschen würde das hier nicht funktionieren."
Die BZ hilft in der Corona-Krise!

Zum Beispiel der regionalen Gastronomie: Welche Restaurants in Südbaden bieten einen Lieferservice oder Abholdienst an? Helfen Sie uns, alle Angebote zu finden und zu bündeln. Außerdem unterstützt die BZ lokale Händler, die einen eigenen Internetshop betreiben. Und sie bringt Menschen zusammen, die Unterstützung geben und suchen: Bei Kinderbetreuung, Einkauf und Alltag. Sie haben eine konkrete Frage zu Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten in Ihrer Gemeinde oder Region? Ist sie von öffentlichem Interesse, versuchen wir, die Antwort zu recherchieren. Alle BZ-hilft-Aktionen finden Sie hier im Überblick, weitere wichtigen Informationen dazu hier.

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