Interview

Studierendenwerk Freiburg sieht starke Belastung durch Corona bei Studierenden

Claudia Füßler

In der Pandemie sind die psychischen Belastungen bei Studierenden gestiegen: Matic Rozman von der psychosozialen Beratungsstelle des Studierendenwerks Freiburg gibt Einblicke.

Das Deutsche Studentenwerk mit Sitz in Berlin schlägt Alarm: Die psychosozialen Beratungsstellen der Studenten- und Studierendenwerke würden als Folge der Corona-Pandemie förmlich überrannt. Auch bei der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studierendenwerks Freiburg verzeichnet man eine gestiegene Nachfrage.

BZ: Herr Rozman, wie erleben Sie die psychische Belastung der Studierenden zurzeit?

Matic Rozman: Wir haben noch keine genauen Daten zu den zurückliegenden Monaten. Aber ich kann sagen, dass wir noch nie so viel zu tun hatten wie jetzt. Ich arbeite seit zehn Jahren für die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks, ich habe noch nie erlebt, dass wir so wie derzeit vier, fünf Wochen Wartezeit auf Termine hatten. Unser Anspruch ist eigentlich, dass wir den Studierenden, die sich bei uns melden, innerhalb einer Woche einen Termin anbieten können. Wir wollen kurzfristig helfen, in Krisensituationen da sein. Das ist uns ein großes Anliegen: Zu zeigen, dass es im Studium auch Krisen gibt, in denen man Hilfe braucht, ohne dass das gleich was Pathologisches ist. Die Nachfrage nach unserem Angebot steigt schon lange, ganz unabhängig von Corona. Pro Jahr verzeichnen wir fünf bis zehn Prozent mehr Anfragen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Zum einen wird unsere Beratungsstelle bekannter, zum anderen hat der Druck im Studium wohl auch zugenommen. Und es gibt eine größere Offenheit, sich mit psychischen Problemen auseinanderzusetzen. Zu dem Ganzen kam eben noch Corona hinzu.

BZ: Wie wirkt sich die Pandemie auf die Psyche der Studierenden aus? Mit welchen Themen kommen sie zu Ihnen?
Matic Rozman,

41, ist Psychologischer Psychotherapeut mit eigener Praxis in der Wiehre. Seit 2011 arbeitet er zudem für die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks Freiburg.

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Rozman: Meine Kollegen und ich teilen das grob in zwei Gruppen. Da haben wir diejenigen, die schon vor der Pandemie Schwierigkeiten hatten. Die litten und leiden darunter, dass Möglichkeiten zur Kompensation weggefallen sind, wie Sport, Ausgehen, sich mit Menschen umgeben. Das hat viele bestehende Beschwerden wie Zwänge, Ängste oder Depressionen verschlimmert. In die zweite Kategorie fallen die Studierenden, die ohne Corona nicht bei uns anklopfen würden. Da haben wir Studienanfänger, die soziale große Schwierigkeiten haben, sich nicht vernetzen und nicht richtig Fuß fassen können im Studium. Sie können sich nicht konzentrieren, finden keinen Zugang zu den Lehrinhalten, haben keine Lust. Studierende am Ende ihres Studiums wiederum leiden unter Zukunftsangst, sie treffen auf eine unsichere Situation am Arbeitsmarkt. Alles ist schwierig, von der Betreuung ihrer Abschlussarbeit bis zum Organisieren eines Umzuges.

BZ: Wie können Sie diesen Studierenden etwas Zuversicht vermitteln?

Rozman: Das hängt immer sehr davon ab, was für Fähigkeiten und Ressourcen jemand mitbringt. Einerseits ist es für die Ratsuchenden wichtig, mit ihren Nöten gehört und ernstgenommen zu werden, und sich von da aus auf die Suche nach Lösungen zu begeben. Andererseits gebe ich natürlich die klassischen Tipps: auf Bewegung und Gesundheit achten, den Kontakt zu anderen Menschen aufrecht zu erhalten. Ich rate dazu, Nachrichten nur in geringer Dosis zu konsumieren und sich nicht verrückt machen zu lassen. Vielen helfen Gesundheitskurse, die von den Krankenkassen online angeboten werden – Themen wie Zeitmanagement oder Entspannungstechniken. Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte hat zudem eine Liste mit hilfreichen Apps erstellt, die beispielsweise bei Depressionen und Ängsten nutzen und die man sich verschreiben lassen kann.