Uni Freiburg

Wintersemester: Studienanfänger sollen pro Woche zwei Veranstaltungen vor Ort besuchen

Gina Kutkat

Im Wintersemester geht’s an der Uni mit einer Mischung aus Präsenz- und E-Lehre weiter. Erstsemester sollen vermehrt Veranstaltungen besuchen können. Das wurde in einer Podiumsdiskussion besprochen.

Ist es ein Nicht-Semester? Ein Zoom-Semester? Ein Corona-Semester? Oder doch ein verlorenes Semester? In seiner Einführung in die Podiumsdiskussion macht Moderator Arndt Michael vom Colloquium politicum deutlich, dass das Sommersemester 2020 schwer zu greifen ist. Sicher ist: Es war coronabedingt anders als alle Semester jemals zu vor und gilt jetzt schon als "prägend und historisch".


"Es war ein Ausnahmesemester", sagt dann auch Unirektor Hans-Jochen Schiewer, der neben vier anderen Teilnehmenden die Podiumsdiskussion bestreitet, die live im Internet gestreamt wird. Anderthalb Stunden wird am Dienstagnachmittag vor rund 200 Zugeschalteten diskutiert, wie das digitale Semester funktioniert hat und wie wichtig die Präsenzlehre ist – auch im Hinblick auf das kommende Wintersemester, das offiziell am 2. November startet.

In einem Punkt sind sich alle Redner einig: Die Präsenzlehre ist durch nichts zu ersetzen. Denn sie ermöglicht die Begegnung, den Austausch, die Interaktion. Und das habe in den vergangenen Monaten gefehlt, sagt Sinologin und Professorin Nicola Spakowski. "Die Uni ist ein sozialer Raum", so Spakowski. "Die Präsenz bei Veranstaltungen ist sehr wertvoll." Deshalb habe sie auch den offenen Brief "Zur Verteidigung der Präsenzlehre" unterzeichnet. Und stellt sich für die Zukunft Hybrid-Veranstaltungen vor, bei denen einige Teilnehmende präsent sind und andere digital zugeschaltet werden. "Wir versuchen, gute Lehre unter den gegebenen Bedingungen und Einschränkungen zu ermöglichen."

"Wenn das Hybrid-Semester gelingt, sind wir gewappnet für die Zukunft," sagt Juliane Besters-Dilger, Prorektorin für Studium und Lehre. Die hybride Form soll eine Mischung aus Präsenz- und E-Lehre sein. Wie ausgewählt wird, wer daheim bleibt und wer vor Ort zuhören darf – da wird niemand auf dem Podium konkret. Was auch gleich per Email kritisiert wird – denn während der Diskussion können Fragen eingeschickt werden.
Besters-Dilger möchte vor allem Studienanfängern ermöglichen, den Campusalltag kennenzulernen: Mindestens zwei Lehrveranstaltungen pro Woche sollen sie vor Ort besuchen können. Das soll gelingen, in dem Studierende auf große Hörsäale verteilt werden – und weiterhin viele Zuhause bleiben. "Die Hoffnung liegt jetzt auf einem baldigen Impfstoff", sagt Besters-Dilger.

Dass niemand im digitalen Raum auf der Strecke bleibt, fordert Student Jann Köster. In den letzten Monaten seien einige Studierende außen vor gewesen – weil sie keine gute WLAN-Verbindung, veraltete Endgeräte, oder schlicht keine Zeit hatten. "Studierende haben ihre Jobs verloren, mussten Angehörige pflegen oder bei ihren Eltern aushelfen", so Köster. "Da standen erstmal andere Sachen im Vordergrund." Eine Herausforderung sei, wie in Zukunft Begegnungen ermöglicht werden sollen. "Wir müssen Präsenzveranstaltungen für alle ermöglichen, ohne den Schutz der einzelnen zu vergessen", so Köster.

"Die große Herausforderung kommt erst jetzt", stimmt ihm Doktorandin Eva Rüskamp vom Englischen Seminar zu. Besonders die Forschung habe im vergangenen Semester gelitten, da beispielsweise viele Archive nicht digitalisiert seien. Man müsse nun lösungsorientiert denken und die Krise nutzen. Wie genau die Lösung aussieht, kann an diesem Nachmittag niemand mit Gewissheit sagen. "Wir müssen lernen, mit Corona zu leben", sagt Unirektor Schiewer. Und die Uni Freiburg muss mit Corona lehren und lernen.

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