fudder-Interview

Wieso wir Lebensmittelabfälle vermeiden sollten

Lisa Discher

Mehr Gemüse, weniger Milch, kein Fleisch – und weniger Lebensmittelabfälle. Hanna Helander untersucht an der Uni Freiburg, wie sich eine Ernährungsumstellung auf den ökologischen Fußabdruck auswirkt. fudder hat mir ihr gesprochen.

Hanna Helander ist Forscherin für gesellschaftliche Transformations- und Kreislaufwissenschaft an der Universität Freiburg. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit dem Thema Lebensmittel und Konsum. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen an der Universität Freiburg hat sie die Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit veganer Ernährung erforscht und herausgefunden, dass der vegane Ernährungsstil der umweltfreundlichste ist.

Frau Helander, was kommt bei Ihnen in den morgendlichen Kaffee? Kuh-, Hafer-, Soja- oder Mandelmilch?

Hafermilch! Ganz klar.

Sie haben mit einem Team an der Uni Freiburg untersucht, wie sich eine Ernährungsumstellung auf den ökologischen Fußabdruck der Deutschen auswirken würde. Was genau ist denn der ökologische Fußabdruck und aus was setzt er sich zusammen?

Ich schaue mir drei unterschiedliche Arten von Fußabdrücken an. Einmal den materiellen Fußabdruck, der umfasst die Frage danach, wie viel überhaupt produziert wird. Dann haben wir den ökologischen Fußabdruck, der zeigt wie viel Fläche wir brauchen um Produkte anzubauen und der dritte Fußabdruck, den ich mir anschaue, ist der Wasserfußabdruck. Da geht es dann um den Trinkwasserverbrauch im Allgemeinen.

"Wir sollten also wirklich alles essen, was essbar ist und nicht die Hälfte wegwerfen." Hanna Helander

Woran liegt es, dass eine pflanzliche, also vegane Ernährung am zielführendsten ist, um diesen Fußabdruck zu verringern?

Das sieht man vor allem auf der Wasser- und biomateriellen Ebene. Denn um animalische Produkte zu produzieren, müssen wir ja erst einmal Futter für die Tiere produzieren. Und um dieses Tierfutter anzubauen, verbrauchen wir wahnsinnig viel Fläche und Biomasse. Da sieht man einen deutlichen Unterschied bei den Auswirkungen der veganen und vegetarischen Ernährung im Gegensatz zum Konsum von animalischen Produkten.

Sie haben in Ihrem Artikel geschrieben, dass eine vegane und vegetarische Ernährung allein nicht ausreiche, wenn es um das Stichwort Abfallvermeidung geht. Wieso ist das so?

Genau, das ist tatsächlich auch sehr interessant. Um die Ackerland-Fußabdrücke zu verringern, brauchen wir natürlich vegetarische und vegane Produkte. Wollen wir allerdings den Wasser-Fußabdruck verringern, sehen wir, dass es viel wichtiger ist Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Wenn man nämlich nicht übermäßig einkauft, muss nicht übermäßig weggeworfen werden. Das Spannende, das sich hier zeigt ist, dass die Produkte im direkten Konsum, wie Obst und Gemüse, generell mit viel mehr Abfall verbunden sind als beispielsweise ein Stück Fleisch. Darum müssen wir besonders für diese Lebensmittel darauf achten, dass diese nicht zu Lebensmittelabfällen werden. Wir sollten also wirklich alles essen, was essbar ist und nicht die Hälfte wegwerfen, um den Wasserfußabdruck eben kleiner zu machen.

"Es reicht nicht, sich auf die Reduzierung des Fußabdrucks zu fokussieren." Hanna Helander

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung und Abfallproduktion in Konsum und Vertrieb zu halbieren. Schaffen wir das, wenn wir so weitermachen?

Nein. Da müssen wir tatsächlich viel mehr machen, als wir bisher gemacht haben. Ich glaube, dass viele nicht sehen, was für ein großer Aufwand damit verbunden ist Lebensmittelabfälle und die damit einhergehende Verschwendung zu halbieren. Eine Halbierung von Lebensmittelabfall heißt, dass wir eine totale Reduzierung dessen brauchen, was wir gerade verbrauchen um dieses Ziel bis 2030 überhaupt noch erreichen zu können.

Was heißt das?

Das heißt, wir müssen ganz genau planen, was wir essen und was wir im Kühlschrank haben. Und dass wir einfach nichts wegschmeißen, außer dem, was wirklich nicht oder nicht mehr essbar ist. Da müssen wir einfach viel mehr drauf achten. Und da ist mehr gefordert als einmal am Tag ein Stückchen Fleisch zum Beispiel mit Bohnen zu ersetzen, obwohl das natürlich ein guter Start in die richtige Richtung ist.

"Generell hat Verpackungsmaterial jedoch sogar eine kleinere Auswirkung auf die Umwelt, als das Produkt, das dann im Endeffekt in diesem Plastik gekauft wird." Hanna Helander

Was wünschen Sie sich von der Politik? Muss da mehr passieren?

Ich wünsche mir, dass die Politik vieles anders formulieren würde. Es reicht nicht, sich auf die Reduzierung des Fußabdrucks zu fokussieren. Erstmal muss weniger produziert werden – das ist die Grundlage auf die dann aufgebaut werden kann. Deshalb meinen wir, dass die Politik sich ambitioniertere Ziele setzen sollte und andere Indikatoren in das Blickfeld mitaufnehmen muss. Wichtig wäre auch, dass die Effekte einer Ernährungsumstellung so einen wichtigen Faktor darstellen. Viele wissen das einfach auch nicht, weil es ihnen niemand sagt.

Ich kaufe relativ oft Fleischersatzprodukte, wie vegane Wurst oder auch mal ein vegetarisches Schnitzel. Ich merke dann aber immer zu Hause, dass ich da wahnsinnig viel Plastik mitgekauft habe. Ist das Thema Plastik dann nicht wieder ein Problem?

Naja, wenn man betrachtet wie viel Fläche und Biomasse wir verbrauchen um Fleisch zu produzieren, dann ist die vegane Option fast immer die bessere Option. Und dabei muss bedacht werden, dass das meiste Fleisch natürlich auch in einer Plastikverpackung kommt. Die Verpackung ist aber auch wieder eine ganz andere Forschungsfrage. Generell hat Verpackungsmaterial jedoch sogar eine kleinere Auswirkung auf die Umwelt, als das Produkt, das dann im Endeffekt in diesem Plastik gekauft wird.