Pandemie

Wieso junge Freiburger Weihnachten allein oder in der WG verbringen

Anika Maldacker

Covid-Erkrankung, Grenzschließung und Quarantäne: Viele Menschen, auch in Freiburg, müssen Weihnachten alleine verbringen. Es gibt aber auch junge Leute, die aus Rücksicht nicht nach Hause fahren.

An Weihnachten nach Hause zur Familie fahren, ist dieses Jahr nicht selbstverständlich – und für einige Menschen schlicht unmöglich. Auch junge Freiburger sind davon betroffen, wie Doktorand Matthew Young aus Wales, der wegen geschlossener Grenzen nicht zur Familie reisen kann. Oder der Sozialpädagoge Jannik Kranzer, der kurz vor Weihnachten mit Covid-19 infiziert wurde. Krankenpflegerin Jule Klemm muss verbringt die Tage mit der WG in Quarantäne.

Matthew Young, 24, Doktorand aus Wales

Reisen nach Großbritannien sind derzeit nahezu unmöglich. Dass es so gravierend werden würde, wie jetzt, ahnte Matthew Young im November zwar noch nicht. Aber, dass es ungewiss wäre, ob die Einreise und die Rückreise nach Deutschland wieder gelingt, ahnte der 24-jährige Doktorand aus Wales damals schon. "Ich habe mich schon im November dagegen entschieden, an Weihnachten zu meiner Familie nach Newport zu reisen", sagt er. Die Familienfeier mit Eltern, Großeltern, Cousinen, Onkel – insgesamt 16 Angehörigen – im Haus seiner Tante in Bristol? Das war ihm zu riskant. Der Flug, die Anreise, alles zu heikel. "Ich will die älteren Familienmitglieder nicht gefährden", sagt Matthew Young. Für Quarantäne-Maßnahmen im Vorfeld hätte er die Zeit nicht gehabt. Schade, findet der Brite, vor allem weil er die meisten Verwandten seit März nicht mehr gesehen hat. Aber er ist über seine Entscheidung doch erleichtert: "Ich hätte mich sonst gestresst, aus Angst, jemanden zu gefährden." Und die aktuellen Einreisebeschränkungen und Entwicklungen im Land haben ihn bei dieser Entscheidung bestärkt. Einen Lichtblick gibt es: Wenigstens ist seine Mutter seit vergangener Woche geimpft. Sein Vater wartet noch auf einen Termin.

Schon sein Umzug im Frühjahr für die Promotion war von der Pandemie bestimmt. Ursprünglich wollte er im April einreisen. Weil aber absehbar war, dass die Grenzen bald geschlossen werden könnten, kam er Mitte März nach Deutschland. Seither arbeitet er am Lehrstuhl für Organische Chemie der Uni Freiburg an seiner Dissertation. Heimatbesuche fielen in diesem Jahr aus. Bis auf den elterlichen Besuch im August in Freiburg hat er seine Familie nicht mehr gesehen.

Die Geschenke empfängt er in diesem Jahr eben postalisch – und hat schon einen Alternativ-Weihnachtsplan. Zusammen mit zwei Freunden aus den USA und Italien feiert er ein internationales Weihnachtsfest. Geschenke gibt’s wie in Deutschland an Heiligabend. Das Weihnachtsmahl einen Tag drauf. Auch das Menü ist ein europäischer Kompromiss: Es gibt Gans und Kaninchen, außerdem Christmas Crackers, also Knallbonbons, die man in Großbritannien traditionell zu Weihnachten öffnet.

Jannik Kranzer, 26, Sozialpädagoge aus Freiburg

Nicht ganz so gesellig wird der Freiburger Jannik Kranzer die Festtage verbringen. Der 26-Jährige bekam am Wochenende Halsschmerzen – der darauffolgende Corona-Test war positiv. Seither befindet er sich in seinem WG-Zimmer in Quarantäne. Der Mitbewohner hat inzwischen ebenso ein positives Testergebnis, die Mitbewohnerin wartet noch auf ihr Ergebnis. "Keiner von uns hat Lust zu feiern", sagt Jannik Kranzer, "ich werde Heiligabend wahrscheinlich so verbringen, wie die vergangenen Tage auch – mit Serien schauen, lesen und Gitarre spielen".

Wo er sich angesteckt hat, weiß er nicht. Bisher hat er Halsschmerzen und etwas Probleme beim Atmen. "Psychisch geht es mir ganz okay, weil ich mich an die Situation gewöhnt habe, aber mir fehlt die Bewegung und der Sport schon ganz schön", sagt er.

"Ich denke, ich werde mich an Heiligabend schon ziemlich einsam fühlen." Jannik Kranzer
Weihnachten wird in diesem Jahr anders für ihn. Sonst stehen auf seinem Programm: Ein Besuch bei seiner Freundin und deren Kindern, Abendessen mit den Eltern und den Großeltern und abends mit den Schulfreunden um die Häuser ziehen und das Wiedersehen feiern. Das ist dieses Jahr nicht drin. "Ich denke, ich werde mich an Heiligabend schon ziemlich einsam fühlen". Einen Lichtblick gibt es aber für ihn: Da seine Eltern in der March wohnen, bringen sie ihm wahrscheinlich etwas vom Weihnachtsessen vor die Tür. Und über ein Videotelefonat will die Familie sich zumindest an dem Abend digital vereinen.

Jule Klemm, 24, Krankenpflegerin aus Freiburg

Auch Jule Klemm muss Weihnachten in der Freiburger WG feiern – ohne Familie: Ihr Mitbewohner ist positiv auf das Coronavirus getestet worden, sie wartet noch auf ihr Ergebnis. Die 24-Jährige kennt das Risiko, sie arbeitet in der Kardiologie der Freiburger Uniklinik als Krankenpflegerin. "Wir halten in der WG alle Abstand, weil unsere Mitbewohnerin negativ ist", sagt sie. Für sie sind die Ausbrüche nichts Neues. "Bei uns auf der Station ist das Virus auch unter den Patienten und Kollegen ausgebrochen", sagt sie.

Weihnachten wollen die drei Mitbewohner aber zusammen verbringen – mit Abstand und Maske. "Wir wollen zusammen Stadt-Land-Fluss spielen, aber jeder in einer Zimmerecke", sagt Jule Klemm. Ob es ein gemeinsames Essen gibt, steht noch in den Sternen. "Psychisch geht es mir so lala, da ich mich schon länger auf Festtage im kleinen Familienkreis gefreut habe", sagt sie, vor allem, weil sich auch ihr Bruder aus Norddeutschland angekündigt hatte. Auch ein wenig Ruhe und Abwechslung mit der Familie zu den stressigen Diensten in der Klinik hätten ihr gut getan.

An den Weihnachtstagen wird sie aber nicht einsam sein, sondern mit ihren beiden Mitbewohnern und digital auch mit ihrer Familie.