Selbstversuch

Wie war´s beim… Mega Marsch in Freiburg?

Charlotte Göhring

Eine anspruchsvolle Strecke auf abwechslungsreichen Wegen: 50 Kilometer von Freiburg durch den Kaiserstuhl über den Totenkopf und zurück in zwölf Stunden. fudder-Autorin Charlotte Göhring ist beim Mega Marsch in Freiburg mitgelaufen.

Start
Früh am Samstagmorgen ab 5.30 Uhr öffnete der Startbereich mit Infopoint, Check-In-Station und Wanderpassausgabe. Nach und nach trudelten die 1449 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Zwischen den bunt beleuchteten Pavillons bestimmte aufgeregte Stimmung die Wartezeit auf den offiziellen Startschuss für den ersten MegaMarsch in Freiburg. Dieser fiel um 7.30 Uhr. Nach Informationen zur Strecke und dem Appell, auf sich, andere und die Natur zu achten, machten sich die ersten Wanderer auf den Weg durch das Dietenbachparkgelände. Auch das Wetter spielte mit, sodass alle Wanderer trocken starten konnten.


Strecke

Vom Startpunkt im Dietenbachpark führte die Strecke raus aus der Stadt in Richtung Opfingen. Die ersten 5 Kilometer wanderten die Teilnehmer der jeweiligen Startgruppe noch als großes Kollektiv, ab den Feldwegen zwischen Opfingen und Waltershofen zog sich die Gruppe etwas auseinander. Nach etwas über 10 Kilometern erreichten die Wanderer die erste Verpflegungsstation. Hier gab es kaltes und warmes Frischwasser, Obst, Müsliriegel, Milchbrötchen und Marmeladenbrote, Sitzmöglichkeiten, frische Motivation und ebenso wichtig: Toiletten.

Der Andrang war groß, die Wartezeit für die erste Verpflegung nach über 10 Kilometern lang. Viele Teilnehmer verweilten deshalb nur kurz auf den bereitgestellten Bänken und machten sich dann erneut auf den Weg. Die nächsten 10 Kilometer führten durch die herbstlich schönen Weinreben an Merdingen vorbei in Richtung des wärmsten Ortes Deutschlands: Ihringen am Kaiserstuhl. Kurz vor Ihringen erwartete die zweite Verpflegungsstation die mittlerweile warm gelaufenen Teilnehmer nach knappen 20 Kilometern. Hier zeigten sich bereits die ersten Ermüdungserscheinungen. Alle Ankommenden waren froh über die Sitzmöglichkeiten auf Bierbänken und die Gewürzgurke feierte ein wahres Comeback als Picknicksnack Nummer 1. Mit ihren Nährwerten und eingelegt im salzigen Wasser war diese für den angestrengten Wander-Körper eine willkommene Stärkung.

Bier zur Erfrischung

Auch hier rafften sich die meisten Teilnehmer nach kurzer Pause auf und bestritten die nächste 10 Kilometer Etappe vorbei an Achkarren-Kreuzmatten bis hin nach Oberrotweil. Bereits in Achkarren zur Halbzeit wartete eine wohlige Erfrischung auf die eifrigen Wandersleute: Es gab Bier! Eine kleine Station nach 25 Kilometern bot alkoholfreies Weizen, Radler oder Pils zur Auswahl. Jeder, der es bis hier her geschafft hatte, tankte dadurch sichtbar ein wenig neue, mentale Energie.

Nach etwa 30 Kilometern erreichten nun immer mehr sichtlich angestrengte Wanderer die dritte Verpflegungsstation in Oberrotweil. Hier hielt man sich deutlich länger zur Rast auf, wunde Füße wurden versorgt, der Magnesium- und Blasenpflasterhandel boomte und Entsetzensrufe machten die Runde, als man erfuhr, dass die so nötigen Toiletten auf einer kleinen Anhöhung standen. Bergauflaufen in der Pause war ein echter Abtörner. Trotzdem erlebte man auch hier neue Motivationsschübe, vor allem auch unter den Teilnehmern.


In vielen Gesichter war ein großer Kampf zwischen "weitergehen" oder "aussteigen" erkennbar. Wer bis hier her gekommen war, hatte sich bereits eine bewundernswerte Leistung erwandert. Mit Ächzen und Stöhnen erhob sich ein beachtlich großer Teil der ursprünglichen Teilnehmer und machte sich auf den Weg durch das kleine Örtchen Oberrotweil, um sich dann ein paar Kilometer weiter vor dem Anstieg des Totenkopfes wiederzufinden.

Die Stimmungslagen sind unterschiedlich

Hier wurde schnell klar, wie anspruchsvoll es ist, mit mehr als 30 Kilometern in den Beinen auf einen Berg zu steigen. Die Stimmung änderte sich rasch von fröhlichem Geplänkel zu Galgenhumor bis hin zu offensichtlichen Leiden. Die geplagten Wanderer zwangen ihre schmerzenden Gliedmaßen enge und steile Wanderpfade hinauf, der Neid auf die Teilnehmer, die an Wanderstöcke gedacht hatten, war groß. Viele Teilnehmer wurden von Kreislaufschwierigkeiten in die Knie gezwungen. Auch hier merkte man einen großen Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft untereinander.

Die Stimmung bei Kilometer 35 und bereits einigen hundert Metern bergab wurde von gepeinigten Ausrufen und hörbarem Stöhnen begleitet. Jeder sprach jedem etwas Mut zu, jeder versuchte sich seinen Weg durch die vom Laub rutschigen und schmalen Pfade zu bahnen.

Durch die angrenzenden Weinreben gelangten die Wanderer schlussendlich wieder in die Zivilisation Richtung Bötzingen und nach knapp 40 Kilometern zur vierten Verpflegungsstation. Hier wurden alle, die durchgehalten hatten, mit Musik und auf Wunsch auch Glühwein begrüßt. Die gepeinigte Stimmung unter den Teilnehmern ließ ein unbeschwertes Zusammensein aber kaum mehr zu. Jeder war froh, es bis hier hin überhaupt geschafft und den Auf- und Abstieg bewältigt zu haben.

Dunkelheit und Kälte setzen ein

Mittlerweile lag der Sonnenuntergang weit zurück und nun begann die Dunkelheit und Kälte den Teilnehmern auf den letzten Kilometer zu zusetzen. An Gottenheim und Umkirch vorbei schleppten sich die Wanderer nun in dicker Kleidung und mit Stirnlampen ausgestattet auf schier endlos erscheinenden Schleichwegen neben den Straßen entlang. Aufgeben war so kurz vor dem Ziel keine Option mehr.

Ab Kilometer 45 versuchten im Abstand von einem Kilometer angebrachte Schilder mit erreichter Kilometeranzahl und Motivationssprüchen den Wanderern den nötigen Elan zum Durchhalten zu geben.

Das letzte Stück der Route führte die Teilnehmer flussaufwärts an Freiburgs Dreisam entlang und verlangte seinen Beschreitern vor allem mental sämtliche, verbliebene Kräfte ab. Hier begegnete man nur noch langsamen, mit sich selbst ringenden und still kämpfenden Mitwanderern.

Ziel

Das Lachen und überwältigenden Stolz fand so mancher Wanderer erst im Ziel wieder. Dafür dann dort aber umso mehr. Noch nie war der Dietenbachpark ein so erstrebenswertes Ziel wie für die ankommenden Wanderer.

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