Politik

Wie war’s beim... Live-Podcast "Lage der Nation" in Freiburg?

Gina Kutkat

Jede Woche sprechen Journalist Philip Banse und Jurist Ulf Buermeyer in ihrem Podcast "Lage der Nation" über aktuelle politische Themen. Auf ihrer kleinen Live-Tour machten sie auch in Freiburg Halt – und sorgten für einen ausverkauften Paulussaal.

Der erste Eindruck

Ähm, Rockkonzert oder Podcast-Show? Um viertel vor acht bildet sich eine lange Schlange vor dem Freiburger Paulussaal, der an diesem Abend ausverkauft ist: Die beiden Podcaster Philip Banse und Ulf Buermeyer haben sich angekündigt. Sie werden eine Live-Folge ihres Politik-Podcasts "Lage der Nation" aufnehmen. Und sie haben viele Fans in Freiburg, die vor der Show noch zusammen ein Bierchen trinken und sich auf den aktuellen Newsstand bringen. Pünktlich um acht Uhr sind alle 880 Plätze im Paulussaal besetzt – auch die Empore ist voll.

Die Bühne und das Bühnengebaren

Zwei Stehtische, zwei Laptops, zwei Kopfhörer: Das Set-Up für die Live-Podcast-Session ist unauffällig. Und auch, als Journalist Philip Banse und Jurist Ulf Buermeyer um kurz nach 20 Uhr den Saal betreten, muss man zwei Mal hinschauen. Denn wie es das Medium Podcast so will, kennt man bislang vor allem die Stimmen der beiden.

Es ist spannend und ungewohnt zugleich, sie nun live dabei zu beobachten, wie sie sich in eloquenter und kluger Manier über die wichtigsten politischen Themen der vergangenen Woche austauschen. Sich unterbrechen, zustimmen, widersprechen, verhaspeln und gestikulieren. Denn eines kann das Medium Podcast nicht: Zeigen, welche Mimik Philip Banse macht, wenn er über die Kommunikationsfehler der Leipziger Polizei spricht. Man sieht auch nicht das freudige Grinsen auf Ulf Buermeyers Gesicht, wenn er SUVs "Klimaschweinchen" nennt.

Das Publikum

Selten war es bei einer Veranstaltung so normal, wichtig und unverpönt, ein Smartphone in der Hand zu halten. So werden kurz vor der Show noch die neuesten Nachrichten gecheckt und eine App installiert, die es den Zuhörerinnen und Zuhörern ermöglicht, Fragen zu stellen. Den Link dazu gab es einen Tag vorher von Ulf Buermeyer per Mail – willkommen im digitalen Zeitalter! Studierende sitzen neben ihren Eltern, WG-Grüppchen verteilen sich auf der Empore, Politik- und Jurastudierende unterhalten sich über Anwesenheitspflicht in der Uni.

Als die Podcast-Show beginnt, gibt es für die beiden Hosts langanhaltenden Applaus. Und das sogar gleich zwei Mal: Weil die Show aus Freiburg auch die nächste Podcastfolge sein wird, gibt es für die Aufnahme nochmal eine extra Begrüßung. Die beiden Podcaster freuen sich sichtlich über das große Interesse an ihrem Format und die vielen Fragen, die über die App eintrudeln. Sie müssen aber auch daran erinnert werden, ab und zu in den Saal zu schauen.

Der Podcast

Seit 2016 betreiben Journalist Philip Banse und Jurist Ulf Buermeyer den Podcast "Lage der Nation". In diesem fassen die beiden das politische Geschehen einer gesamten Woche zusammen, wöchentlich veröffentlichen sie eine Folge. Banse und Buermeyer gelingt es, nicht von oben herab zu sprechen. Man hat eher das Gefühl, zwei Freunden bei einem Gespräch über Politik zu lauschen – mal stimmt man dem einem zu, mal dem anderen. Beide lernten sich über Banses ersten Podcast "Küchenradio" kennen. Im Schnitt hören 200.000 Menschen eine Folge, erzählt Philip Banse im fudder-Interview.
Die Themen

Den ersten großen Block widmen die Podcaster dem Iran und der USA, danach geht es um das Thema CO2-Ausstoß und Windenergie. Als die Finanztransaktionssteuer thematisiert wird, ist im Publikum Konzentration gefragt. Wie auch in der letzten Folge gehen Banse und Buermeyer auf die Silversternacht in Leipzig ein und nennen dieses Kapitel im Hinblick auf die Polizei "Kommunikation für Anfänger". Im letzten Drittel geht es um Landesdatenschützer Stefan Brink, der seinen Twitter-Account gelöscht hat. Anschließend beantworten die beiden Gastgeber dann die Fragen aus dem Publikum und erzählen, wie ihre tägliche Newsroutine aussieht und wie sie sich auf den Podcast vorbereiten.

Bester Dauerwitz

Ulf Buermeyer und die SUVs, beziehungsweise die "Klimaschweinchen". Bei diesem Thema fährt der sonst eher ruhige und freundliche Jurist aus der Haut: "Bevor wir wieder Mails bekommen, in denen steht, dass es auch klimafreundliche SUVs gibt: SUVs sind niemals klimafreundlich, niemals." Als sich später bei der Fragerunde jemand im Publikum als SUV-Fahrer outet, gratuliert Buermeyer ihm zu seinem Mut, sich zu melden. "Bitte kein Shaming jetzt!"

Live-Show versus Podcast-Hören

Wie es der Name der Veranstaltung schon sagt, ist die Live-Version des Podcasts mehr "Show" als eine normale Folge. Die Hosts sind etwas lockerer und witziger und interagieren mehr mit dem Publikum – wobei Philip Banse und Ulf Buermeyer auch sonst auf die Kommunikation mit ihren Hörerinnen und Hörern viel Wert legen. Diese erfolgt sonst aber digital. Trotzdem ist der Kern von "Lage der Nation" das Gespräch zwischen Banse und Buermeyer. Und das ist unterhaltsamer, wenn man den beiden noch dabei zuschauen kann. Allerdings leidet natürlich die Aufmerksamkeit, wenn man sich plötzlich auch auf das Visuelle konzentriert. Aber ein Bierchen trinken kann man mit den beiden nach einer gewöhnlichen Folge natürlich nicht.

Was in Erinnerung bleibt

Philip Banses mitreißendes Plädoyer für die Meinungsfreiheit: "Es ist so besonders, dass wir zwei mit dem Zug durch Deutschland reisen, um pro Abend rund 1000 Leute dazu zu bringen, uns zuzuhören, wie wir über Politik reden", sagt er. "Und wir können sagen, was wir wollen." Dafür gibt es frenetischen Applaus. Mehr zum Thema: