CSD 2021

Wie war’s beim diesjährigen CSD in Freiburg?

Anna Castro Kösel

5.000 Menschen waren am Samstag beim diesjährigen Freiburger CSD auf dem Stühlinger Kirchplatz. Das Fest war für viele ein Fest des Wiedersehens – der Corona-Abstand war jedoch nicht einzuhalten.

An diesem Samstag ist die Veranstaltung zum Christopher-Street-Day (CSD) vor allem eines: eine Gelegenheit des Wiedersehens nach mehreren Lockdowns. Die Teilnehmenden liegen sich in den Armen, es wird bis zum späten Abend ausgelassen getanzt. Die Freude über ein gemeinsames Feiern der eigenen Identität ist den ganzen Tag spürbar.

Der Platz und die Pandemie
Anfangs sitzen Grüppchen wie bei einem Festival im Gras, dann wird es eng. Wie im Vorjahr war eine Parade nicht geplant, weil es "extrem schwierig" sei, dabei die Hygieneregeln einzuhalten, wie CSD-Versammlungsleiter Ronny Pfreundschuh sagt. Dies sei einfacher auf einem Platz mit zentraler Bühne – allerdings nicht, wenn so viele Menschen kommen. Für Veranstaltungen im Freien erlaubt die Corona-Verordnung maximal 1500 Personen. Für Demonstrationen gilt diese Einschränkung allerdings nicht. Doch muss die Versammlungsleitung dann auf die Einhaltung der Abstandsregel hinwirken: 1,5 Meter. Ist das nicht zu gewährleisten, gilt Maskenpflicht. Den Durchsagen kamen allerdings nur wenige nach.

Dass die Abstände nicht eingehalten werden, bemängelt Einsatzleiter Ulrich Hildenbrand vom Polizeirevier Nord. Der Platz erlaube es nicht, die hohe Zahl der Teilnehmenden zu verteilen. Er kritisiert, dass trotz mehrfacher Aufforderung keine Masken getragen würden. Drei Zwischenfälle habe es mit alkoholisierten Personen gegeben, zwei wegen sexueller Belästigung. Ein Mädchen zog sich Schnittwunden durch eine Glasflasche zu. Hildenbrand betont jedoch: Es seien Einzelfälle, meist unter Alkoholeinfluss.

Die Stimmung
"Der Platz ist fast voll und das schon am Anfang", begrüßt Versammlungsleiter Ronny Pfreundschuh die bunte Menge. 5000 Menschen, schätzt das Orga-Team, was die Polizei bestätigt. Mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Wie erwartet ist der CSD ein farbenfrohes Fest: Regenbogenfahnen, Glitzer, Schminke. Die Stimmung sei "überraschend gut" und "voll schön", freuen sich Demonstrierende. "Ich bin das erste Mal hier und überwältigt", sagt eine Teilnehmerin. Während sich manche eine Parade gewünscht hätten, loben andere die "gute Mischung aus Party und Politik". Auch Drag Queen Betty BBQ und Vivienne van Jay Jay sowie zahlreiche, an Infoständen vertretene Vereine wie Fluss, der Verband der Schwulen und Lesben Baden-Württemberg oder Trans All Freiburg zeigen sich erleichtert: Die wiedererlangte Sichtbarkeit tue gut.

Das Bühnenprogramm
Auf der Bühne treten diverse Drag Queens mit schillernden Namen wie Miss Jacuzzi, Asia Crystal und Chloe de la Choco auf. Live-Musik spielen "Krawallbarbie 106", "Pasha" sowie die "Skinny Bitches". Außerdem kommen die verschiedenen queeren Freiburger Gruppen zu Wort. Und sie sind sich alle einig: mehr Sichtbarkeit für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, queere, intersexuelle und asexuelle Menschen (abgekürzt: LGBTQ) sowie gegen Diskriminierungen. Es sei auch in queeren Kreisen wichtig, sich gegen rechte Gesinnungen abzugrenzen, so eine Rednerin des CSD Freiburg.

Das Motto
Über das passende Motto habe sich der CSD Freiburg lange den Kopf zerbrochen, verrät Ronny Pfreundschuh vom Orga-Team. Es wurde "Break Free" gewählt. "Das kann so etwas bedeuten wie: Lasst eure Ketten fallen. Befreit euch von euren inneren und äußeren Konflikten." Ein weiterer wichtiger Aspekt: internationale Solidarität. "Es gibt viele Menschen auf diesem Planeten, die immer noch dafür eingesperrt werden, dass sie den Schritt ihrer inneren Konflikte überwunden haben und zu sich selbst stehen." Besonders besorgniserregend sei es in der Türkei. Schon 2014, bei der ersten CSD-Parade, habe es ein Frontbanner gegeben, um auf die dortige Situation hinzuweisen. "Dass wir das heute nach so vielen Jahren immer noch aufhängen müssen, ist krass", sagt Pfreundschuh. Oberbürgermeister Martin Horn freut sich, dass "es wieder losgeht mit den Veranstaltungen". Toll sei es, dass so ein breites Bündnis für Vielfalt eintrete. Und als wichtig habe er es empfunden, dass auf das Verbot des Europäischen Fußballverbands UEFA, die Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben aufleuchten zu lassen, so eine große Gegenreaktion erfolgt sei.