Review

Wie war’s bei … Till Reiners im Vorderhaus?

Felix Klingel

Der Comedian Till Reiners ist am Samstagabend im Vorderhaus in Freiburg aufgetreten. Was es mit seinem Programm "Flamingos am Kotti" auf sich hat, wer da war und welcher Witz den größten Lacher erntete: Das alles liest Du in der Review.

Die Stage

Verhaltenes Licht, der obligatorische Barstuhl mit Wasserglas, sonst gib’t auf der Bühne nichts zu sehen. Stand-Up-Comedy – hier zählt nur eines: Der Mensch auf der Bühne und seine Witze.

Die Crowd

Volles Haus im Vorderhaus – die Location ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und da Maskenpflicht auch im Saal gilt, stehen die Stuhlreihen eng, dass sind dann doch mehr Menschen, als man in vergangener Zeit in einem Raum gesehen hat. Gekommen sind vor allem Leute zwischen 20 und 40. Einige graue Haare sind zwar auch zu sehen, aber hier sitzt kein klassisches Kabarett-Publikum, keine Oberstudienräte und keine Alt-Philologen. Viel mehr junge Leute, die Lust auf einen entspannten Abend haben.

Das Programm

"Flamingos am Kotti" heißt das Programm, und genau darum geht es auch – nicht. Till Reiners bleibt der alten Comedy-Tradition treu, seinem Programm irgendeinen Namen zu geben, um dann über etwas ganz anderes zu sprechen. Zum Beispiel über eigene Unzulänglichkeiten, ehrliches Lügen, geklaute Personalausweise, das Älterwerden – und natürlich ein bisschen um Corona.

Der größte Lacher

Gibt es wohl für einen Seitenhieb auf seinen Kollegen Marc-Uwe-Kling, mit dem Till Reiners einst verwechselt wurde, und den er nur als "Der-Typ-mit-dem-Känguru" bezeichnet.

Kabarett oder Comedy?

Till Reiners, der gerne mal als junge Hoffnung für das Kabarett tituliert wurde, bleibt in seinem aktuellen Programm überraschend unpolitisch. Klar, ein-zwei Seitenhiebe in Richtung Querdenker und Klimawandel sind drin. Aber anders als etwa in seinem Programm "Auktion Mensch" fehlt dann doch etwas die gesellschaftskritische Tiefe. Das Pendel schwingt also eher Richtung Comedy und einem Abend zum lachen, dass einem nicht im Halse stecken bleibt. Und einfach mal lachen – das ist ja wohl mehr als okay.

15 Sekunden Ruhm

Gibt es für einige Zuschauer des Abends. Denn Till Reiners ist ein Meister des Crowdworking, also des spontanen Einbeziehens des Publikums ins Programm. Immer wieder bittet er um Saallicht und stellt Fragen in die Runde. Selbst aus der etwas abgeschmackten Frage, wer denn den längsten Anfahrtsweg hatte, improvisiert Reiners so ein lustiges Bit. Zielsicher angesprochen wird außerdem jeder, der zu spät kommt oder mal kurz auf Toilette geht – wer keine 15 Sekunden Ruhm will, sollte das also lieber bleiben lassen.

Die Botschaft

Es gibt eine gute Nachricht für alle Verplanten und ADHS-Geplagten von Till Reiners: Dinge verlieren, kann man lernen. Oder zumindest akzeptieren. Reiners, selbst ewiger Geldbeutel-Liegen-Lasser, gibt den Rat: einfach loslassen.

Pauschalurteil

Ein sehr unterhaltsamer Abend ohne Schenkelklopfer-Witze. Dafür mit viel Charme und einem Till Reiners, der vor allem über seine unnachahmliche Art und Gestik funktioniert.

Mehr zum Thema