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Wie war... der Abend mit EHC-Goalie Ben Meisner?

Stefan Mertlik

Am Dienstagabend sprach Ben Meisner vom EHC Freiburg mit Online-Redakteurin Carolin Buchheim über seine Depressionen. Rund 70 Mitglieder von fudders Club der Freunde waren zu Gast in der Echte-Helden-Arena und lauschten gespannt.

Ein schwarzer Porkpie-Hut und ein weißes Hemd – Fans des EHC Freiburg bekommen Ben Meisner so nur selten zu sehen. Bei Spielen ihres Teams trägt der 29-Jährige eine Maske und dicke Panzerung. Im VIP-Raum der Echte-Helden-Arena verzichtet er auf jeglichen Schutz. Offen spricht er mit Online-Redakteurin Carolin Buchheim über seine Depressionen und seinen Suizidversuch vor ein paar Jahren.


Der Anlass

Im August 2018 veröffentlichte Meisner auf der Internetplattform "The Player's Tribune" den Text "I’m not Connor McDavid". Darin schrieb der Deutschkanadier erstmals über seine Krankheit. EHC-Vorsitzender Werner Karlin bezeichnet den Artikel in seiner Begrüßungsrede als eine Pflichtlektüre für jeden Eishockey-Fan.

Karlins Worte zeigen, welch vertrauensvolles Verhältnis Spieler und Verein pflegen. Meisner erzählt, wie es bei anderen Mannschaften zugeht: "Manche Teams würden lieber einen Typen verpflichten, der eine schwere Schulterverletzung hatte, als jemanden, der unter Depressionen litt." Doch der EHC sehe in ihm mehr als nur einen Spieler. Für den Verein nehme er eine Vorbildfunktion ein.

Der Weg in ein gesünderes Leben

Meisner spricht freiheraus über verschiedene Episoden in seinem Leben. Mobbing in der Kindheit und Jugend, Existenzängste als Sportler in der nordamerikanischen Minor League, das traumatische Beiwohnen eines Mordes und schlussendlich ein Suizidversuch. Was er als Tiefpunkt beschreibt, ist gleichzeitig auch ein Drehpunkt: Danach geht es wieder aufwärts und Ben Meisner findet den Weg in ein gesünderes Leben. Er holt sich professionelle Hilfe und spürt schon nach wenigen Monaten eine Verbesserung seines Zustands.



"Glücklicherweise leide ich heute nicht mehr unter Panikattacken", erzählt Meisner. Ohne die tägliche Einnahme von Medikamenten sei das aber nicht möglich gewesen. Der 29-Jährige vergleicht es mit dem Insulin von Diabetikern. Online-Redakteurin Carolin Buchheim möchte wissen, ob er auch andere Hilfsmittel zur Bekämpfung von Symptomen nutze. Spürt Meisner, es geht ihm nicht gut, konzentriert er sich auf seine Atmung, meditiert oder versucht Sachverhalte so nüchtern wie möglich zu betrachten.

Das Trash-Talking

"Wenn ich auf dem Eis bin, blende ich alles um mich herum aus", verrät Meisner. Dennoch kann der Ton während eines Eishockey-Spiels rau werden. Buchheim fragt, ob gegnerische Spieler oder Fans seine Diagnose schon einmal gegen ihn verwendeten. Meisner bejaht das – auch bei Spielen in dieser Saison. Im ersten Moment würden solche Sprüche schmerzen, doch im zweiten entlockt es ihm nur ein müdes Lächeln: "Das ist wirklich das Beste, was dir einfällt?"

Der Seelenstriptease

Meisner scheint der Seelenstriptease vor Publikum keine Probleme zu bereiten. Jede noch so persönliche Frage beantwortet er schmerzhaft ehrlich: "Früher dachte ich, ich bin als Mensch nichts wert, wenn meine sportliche Leistung nicht stimmt." Dass Eishockey ein Geschäft ist, das durch Siege und Niederlagen bestimmt wird, sei ihm bewusst. Mit dem Druck könne er mittlerweile umgehen. Wichtig sei es, so viele Auszeiten vom Sport wie möglich wahrzunehmen.

Die Botschaft

"Menschen, die unter Depressionen leiden, müssen begreifen, dass sie nicht alleine sind", spricht er Betroffenen Mut zu. Er selbst biete allen, die sich an ihn wenden, ein offenes Ohr. Über 2000 E-Mails haben ihn seit seinem Outing erreicht. Er beantwortet so viele wie er kann. Außerhalb der Saison reist er um die Welt und spricht in Jugend-Camps, Schulen und Universitäten mit dem Nachwuchs. Auch Veranstaltungen wie die heutige würden dazu beitragen, die Stigmatisierung der Krankheit zu bekämpfen. Kein Wunder, dass Ben Meisner auch nach dem Talk mit den anwesenden Gästen Autogramme gibt, lange redet und Mut zuspricht.
Zur Person

Ben Meisner steht seit Mai 2019 im Tor des EHC Freiburg in der DEL2. Der Deutschkanadier ist einer der besten Eishockey-Torhüter der Liga. Seine Fangquote liegt bei 92,44 Prozent. Im Schnitt kassiert er nur 2.53 Gegentore pro Match. Vor seiner Zeit in Freiburg spielte er unter anderem für die Utah Grizzlies, die Fort Wayne Komets und die Augsburger Panther.