Betreuung

Wie Freiburgs Jugendhäuser mit der Coronakrise umgehen

Stefan Mertlik

Auch Freiburgs Jugendhäuser mussten wegen den Einschränkungen durch die Coronakrise schließen. Sie bieten nun telefonische Sprechstunden an und Instagram-Bingo. Das klappt sogar.

Die Coronakrise zwingt zur Einschränkung der sozialen Kontakte. Gerade Jugendliche leiden unter der fehlenden Zeit mit ihren Freunden. Vor wenigen Tagen besuchten sie noch das Jugendhaus in ihrem Stadtteil. Nun sind die Türen geschlossen. Wann sie wieder öffnen, kann niemand absehen. Freiburgs Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bleiben durch Computer und Smartphones mit ihren Jugendlichen in Kontakt. "Es ist unglaublich, wie schnell und kreativ die Jugendarbeit mit dieser Situation umgeht", sagt Norman Glaesner vom Jugendzentrum "LetzFetz" im Stühlinger. Nachdem das Haus schließen musste, haben sie die üblichen Öffnungszeiten über den Haufen geworfen. Stattdessen ist das Team unter der Woche von 9 bis 18 Uhr telefonisch oder per Mail erreichbar. "Weil momentan keine Schule ist, wollen wir gerade vormittags da sein", sagt Glaesner.


Ungefähr 150 Besucher betreut das Team regulär. 20 bis 30 Jugendliche begrüßen sie normalerweise jeden Abend im Jugendtreff. Schon vor der Schließung tauschten sich die Mitarbeiter und Jugendlichen über eine Snapchat-Gruppe aus. "Wir sind Ansprechpartner und das sollen die Kinder und Jugendlichen gerade jetzt über alle Kanäle nutzen."

Instagram-Bingo und Online-Bewerbungshilfe

Jeden Vormittag bietet das Jugendzentrum eine telefonische Sprechstunde für Bewerbungshilfen. Vor der Schließung gab es hierfür an den Freitagnachmittagen einen festen Termin. Die Nachfrage war allerdings so groß, dass das Team auf ein tägliches Angebot umgestellt hat. Seit einigen Tagen veranstaltet das "LetzFetz" zudem ein Bingo-Spiel über Instagram. Mit großem Erfolg wie Susanne Güntner erzählt: "Dadurch sind viele Kinder und Jugendliche auf uns gestoßen, die gar nicht wussten, dass wir bei Instagram sind." In den ersten Runden haben über 30 Personen teilgenommen.

Beinahe aufgeregt klingen Susane Güntner und Norman Glaesner, wenn sie über geplante Aktionen sprechen. "Eine Foto-Challenge wollen wir machen", verrät Güntner. Die Teilnehmer sollen hierfür Bilder einsenden, die sie mit dem "LetzFetz" verbinden. Die Idee kam von den Jugendlichen selbst. "Durch die jetzige Situation erkennen wir das Potenzial des Onlineseins", sagt Güntner. Die Arbeit in digitalen Welten ersetzt aber nicht den persönlichen Austausch: "Uns schreiben viele Jugendliche, dass sie uns vermissen, obwohl wir jeden Tag online in Kontakt stehen."

Auch in Brühl-Beurbarung geht der Jugendtreff online weiter

Luftlinie zwei Kilometer entfernt, hat sich auch der Jugendtreff Brühl-Beurbarung auf die schwierige Situation eingestellt. Normalerweise bietet der Jugendtreff an zwei Abenden in der Woche "offene Türen" für Teenager. Diese Zeiten hat das Team nun ins Internet verlegt. Der Jugendtreff nutzt die Software "Discord" für Chats, Sprach- und Videokonferenzen. "Das ist eine gute Möglichkeit, um mit den Jugendlichen live in Kontakt zu sein", sagt die Sozialarbeiterin Jennifer Sarro.

Über das Programm hat sie bereits ein Quiz mit den Jugendlichen veranstaltet. Sie stellte im Videofenster die Fragen und die Teilnehmer schrieben die Antworten in den Chat. Mit einem kostenlosen Zeichenprogramm haben sie auch Montagsmaler gespielt. Nicht immer klappe die technische Umsetzung reibungslos, doch das Team wolle trotzdem alles ausprobieren. "Die Jugendlichen freuen sich, dass überhaupt etwas passiert."

Auch über Instagram, Facebook und die eigene Website kommuniziert das Team mit den Jugendlichen. Wichtig ist bei allen Online-Aktivitäten eine Wechselwirkung: "Es muss eine Gruppendynamik und keine einseitige TV-Atmosphäre entstehen." Dank der digitalen Möglichkeiten geht die Jugendsozialarbeit weiter. Dennoch erreichen Sarro und ihr Team nicht mehr die komplette Zielgruppe. Gerade der Kontakt zu Grundschulkindern sei aufgrund fehlender Handys und Social-Media-Zugänge schwer. Etwas Gutes zieht Jennifer Sarro trotzdem aus der jetzigen Situation: "Diese kreative Stimmung sollten wir uns auch nach der Krise beibehalten."