Krise

Wie es Freiburger Clubs und Bars in der Corona-Zeit geht

Anika Maldacker

Seit rund vier Wochen sind Freiburger Clubs und Restaurants geschlossen. Kurzarbeit und Corona-Soforthilfe beruhigen die Situation. fudder hat bei Freiburger Kneipen, Bars und Clubs nachgefragt, wie es ihnen in diesen unruhigen Zeiten geht.

Info:

Wir haben stichprobenartig bei Freiburger Bar-, Kneipen- und Clubbetreibern nachgefragt. Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Jazzhaus

"Es ist eine ungute Situation", sagt Michael Musiol, Geschäftsführer des Jazzhaus. Am 13. März musste die beliebte Konzert- und Partylocation wie alle anderen Clubs und Bars schließen. "Da hatten wir gerade das Frühjahrsprogramm fertig und waren glücklich mit unseren Konzerten", so Musiol.

Die meisten seiner Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, teilweise zu 100 Prozent. Es gibt keine Einnahmen, weswegen das Jazzhaus eine Spendenaktion ins Leben gerufen hat. 11.290 Euro sind bislang zusammengekommen (Stand Dienstag, 14. April). "Ich hoffe, dass da noch mehr kommt. Denn wir müssen jetzt schauen, wie wir die nächsten sechs Monate überstehen", so Musiol. Das Schwierige: Niemand weiß konkret, ab wann es wieder möglich sein wird, Konzerte zu veranstalten. "Ich plane optimistisch mit September. "

Viele Konzerte aus dem Frühjahr wurden bereits um ein Jahr in den Frühling 2021 verschoben. "Es herrscht gerade ein großes Verschieben und Diskutieren", so Musiol.

Café Atlantik

Das Café Atlantik am Schwabentorring ist zwar für seine Spaghetti und Burgertage bekannt, aber doch eher eine urige Kneipe für ein paar Bier in entspannter Atmosphäre. Doch jetzt, wo das Restaurant geschlossen ist, konzentriert sich die Eckkneipe auf ihre Speisen. Die kann man telefonisch bestellen und am Fenster abholen. Was gut ankommt: Die Aktion "Iss eins, zahl zwei", die seit ein paar Tage läuft. Idee: Wer möchte, kann ein weiteres Essen bezahlen.

Bedürftige können sich niedrigschwellig dann ein Essen umsonst beim Atlantik abholen. "Die Spendenbereitschaft der Menschen ist enorm", sagt Stefan Kremer vom Atlantik. Inzwischen kämen auch einige Menschen, die die Umsonst-Mahlzeit in Anspruch nehmen.

Die Konzertplanung im Atlantik liegt erstmal auf Eis. "Die ersten feste Termine sind erst im Oktober angesetzt", sagt Stefan Kremer. Die Festangestellten arbeiten im Atlantik inzwischen in Kurzarbeit. "Wir versuchen die Schichten so zu verteilen, dass die, die arbeiten möchten und müssen, auch zum Zug kommen", sagt Stefan Kremer. Aber schwierig sei das schon, weil es einfach wenig zu tun gebe. Daher habe man auch die Corona-Soforthilfe vom Staat beantragt.

One Trick Pony

Das Team von der Bar One Trick Pony am Schwabentor nutzt die Auszeit für eine Renovierung. "Das hatten wir schon lange vor", sagt Andreas Schöler vom Team. Nach drei Jahren sei es auch Zeit dafür gewesen, aber bisher habe immer die Zeit gefehlt. Das ganze, etwa ein Dutzend Mitarbeiter große Team aus Festangestellten arbeitet mittlerweile in Kurzarbeit. Auch die Corona-Soforthilfe des Landes ist im One Trick Pony schon angekommen.

"Wir haben noch Rücklagen, aber je nachdem wie lange die Schließung dauert, kommen wir natürlich auch in Bedrängnis", sagt Andreas Schöler. Mit den Vermietern sei vereinbart worden, dass die Miete die nächsten drei Monate gestundet werde.

"Aber wenn wir die Miete für ein halbes Jahr nachzahlen müssten, würden wir Probleme kriegen", sagt Andreas. Mit einer Öffnung vor Mai rechnet das Team nicht. "Es kann auch sein, dass wir das ganze Jahr nicht mehr normal öffnen könnten", sagt Andreas Schöler.

Slow Club

Auch im Slow Club herrscht Stillstand. Aber der Verein habe sich in letzter Zeit viel Gedanken um ein neues, kleines Programm gemacht, sagt Sévérine Kpoti vom Vorstand. Am Wochenende finde schon der dritte Livestream aus dem Slow Club statt. Am Gründonnerstag wurde das Konzert der Band "Das Blanke Extrem" aus der Haslacher Straße gestreamt. "Wir haben für die kommende Zeit noch weitere Livestreams geplant", sagt Sévérine.

Wer will, könne für die Streams auf ein Paypal-Konto spenden. "Das Geld geht dann an die Künstlerinnen und Künstler." Beim letzten Konzert haben rund 80 Zuschauer eingeschaltet und 80 Euro kamen auf dem Konto zusammen. "Die nächsten zwei Monate wären so noch gut überbrückbar", sagt Sévérine. Doch der Verein hat einen Vorteil, den andere Betreiber nicht haben. Die 660 Vereinsmitglieder zahlen einen Beitrag, der die wichtigsten Fixkosten abdeckt.

Greet Bar

Die Greet-Bar am Leopoldring hat im März gar nicht mehr eröffnet. "Das hat sich für uns gar nicht gelohnt, das Greet zu eröffnen, wenn nicht mehr als 50 Personen rein dürfen", sagt Betreiber Filipos Klein, der auch das Meat daneben, sowie das Café Fili und das Tom’s in Unterlinden betreibt. "Wir hoffen, dass wir im Mai wieder teilweise eröffnen dürfen", sagt er. Seine 35 Mitarbeiter sind inzwischen in Kurzarbeit.

Mit den Vermietern der vier Locations habe er vereinbart, dass die Miete vorerst gestundet werde. "Wie lange, müssen wir schauen", sagt Filipos Klein, "das einzige was mich beruhigt, ist, dass wir alle im selben Boot sitzen". Auf Dauer könne er das alles nur mit Krediten aushalten. "Man muss schauen, wie sich die Menschen verhalten, wenn wieder alles eröffnen darf", sagt er und hofft, dass die Gastronomie wenigstens zum Teil bald wieder eröffnen darf.

Neko, Karma, Coucou

"Das ist eine richtig blöde Situation derzeit", sagt Pino Raia, der die Freiburger Clubs Neko und Karma, sowie das Coucou im Bahnhofsgebäude betreibt. Im März lief es im Neko und Karma noch richtig gut, nun herrscht kompletter Stillstand, auch im 17. und 18. Stock des Freiburger Bahnhofsturm, wo das Neko ist. Man habe die Auszeit genutzt, um die Lichtanlage zu erneuern und Großputz zu machen. Die Festangestellten im Coucou sind auf Kurzarbeit, die Aushilfen im Neko und Karma derzeit ohne Schicht.

Auch die Corona-Soforthilfe kam bei Raia für die drei Locations schon an, aber "das hilft uns auch nicht wirklich weiter", sagt Raia. Die Deutsche Bahn habe die Pacht für das Coucou zwar schon gestundet, aber bei Neko und Karma zahlt Raia noch weiterhin Pacht. "Wir haben die Eigentümer nicht erreicht", sagt Pino Raia, "wir müssen einfach abwarten". Er fordert, dass das öffentliche Leben bald wieder hochgefahren wird. Im Neko bereitet derzeit der Künstler Mark "Coek197" Hartmann eine Ausstellung vor. Die könnten hoffentlich bald Menschen unter der Woche anschauen, sagt Raia.

Juri’s Cocktailbar

Auch für Juri Habieda, der die Juri’s Cocktailbar am Schwabentor führt, ist es derzeit nicht einfach. Sein Glück: "Ich habe keine festangestellten Mitarbeiter", sagt er. Er liefert seine Cocktails mittlerweile in und um Freiburg aus. "Die Karte habe ich etwas begrenzt", erklärt er, aber die Cocktails werden frisch zubereitet, das Eis sollen die Kunden selbst hinzufügen, damit der Cocktail nicht verwässert. Bisher seien schon einige Bestellungen aufgegeben worden. "Reich wird man damit aber nicht", erklärt Juri, "aber davon kann ich wenigstens meine Miete bezahlen".

Der Vermieter habe ihm zwar zugesagt, dass die Miete auch erst im Herbst beglichen werden könne, aber so lange will Juri die Begleichung nicht aufschieben. Auch Juri hat die Soforthilfe für Selbstständig beantragt, die der Bundestag kürzlich bewilligt hat, aber noch keine Antwort.

Jos-Fritz-Café

Trotz geschlossenem Café genießt Caroline Günther vom Jos-Fritz-Café die Auszeit und das Wetter. Sie und ihre Co-Leiterin Ines Henne werkeln derzeit im Café herum, erledigen Dinge, die sie schon länger vorhatten. Die Außenstühle sind schon abgeschliffen und neubemalt, eine neue Beleuchtung soll an die Wände. Anfang der Woche kam der Bescheid, dass das Jos Corona-Soforthilfe bekommt.

"Damit können wir bis Juni wenigstens unsere Fixkosten bezahlen", sagt Caroline. Die Mitarbeiter sind schon seit Mitte März auf Kurzarbeit. "Für die Minijobber ist es blöd, weil sie nicht abgesichert sind, genauso wie Ines und ich", sagt Caroline. Sie rechnet damit, dass Clubs zuletzt wieder öffnen dürfen und hofft, dass wenigstens eine Außenbewirtung in den nächsten drei Monaten wieder möglich ist.

Mehr zum Thema: