Interview

Wie ein junger Fußballer der Kreisliga die Pandemie erlebt hat

Florian Schmieder

Der Amateurfußball war im Gegensatz zum Profi-Fußball lange nicht möglich – bis zum Sommer. Wir haben mit einem jungen Mittelfeldspieler vom SV Ebnet darüber gesprochen, was er am meisten vermisst hat – und was ein erneuter Stop bedeuten würde.

Während der Profifußball zu Beginn der Pandemie nur zwei Monate geruht hat und anschließend lange ohne Publikum fortgesetzt wurde, war dies für den Amateursport nicht möglich. Wie so viele Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeiten musste auch der Kreisligafußball zwischendurch immer wieder pausieren oder die Saisons abgebrochen werden. Seit diesem Sommer wird jedoch wieder auf Freiburgs Sportplätzen im Ligasystem gekickt. Grund genug, sich mit einem zu unterhalten, der diese Veränderungen hautnah miterlebt hat: Malte Steger, 21 Jahre, Mittelfeldspieler beim SV Ebnet II.

Malte, wie lief’s am Wochenende?

Ach, das war ganz verrückt: Unser Gegner hat am Spieltag seine Mannschaft komplett zurückgezogen, das Spiel ist also ausgefallen. Aktuell ist echt der Wurm drin, alles wird verlegt oder abgesagt.

Und dabei musstest du ja bereits lange auf das Fußballspielen verzichten.

Das war ja nicht alles am Stück, zuerst während des ersten Lockdowns, dann ging es im Sommer 2020 nochmal los und wurde im Oktober wieder unterbrochen. Dieses Jahr ging es bei uns Ende März weiter. Das waren dann insgesamt nochmal fünf Monate. Ich habe zwar bereits zur B-Jugend vorübergehend mit dem Fußball aufgehört, weil mir Leichtathletik damals mehr Spaß gemacht hat. 2019 habe ich dann aber bei den Senioren wieder angefangen, weil ich einfach mega Bock hatte zu kicken. Die Zwangspause jetzt war also deutlich schlimmer als damals.

Was hast du am meisten vermisst?

Auf jeden Fall hat mir das Vereinsleben gefehlt, unsere Mannschaft ist eine coole Truppe, wir haben auch abseits vom Platz gern was zusammen gemacht, das ist dann alles weggefallen. Das Kicken habe ich aber natürlich auch sehr vermisst. (lacht)

Wie hast du denn die freie Zeit stattdessen verbracht?

Ich hatte viel für die Uni zu tun. Außerdem habe ich verstärkt angefangen mit Joggen, Rad fahren und ein bisschen Krafttraining. Die Champions League lief abends dann auch öfter als sonst. Zu meinen Mitspielern und Trainern hatte ich leider nur sehr sporadisch Kontakt.

Und wie lief es dann auf dem Platz nach so langer Wartezeit?

Ich habe die lange Pause direkt gemerkt: Spielerisch, aber vor allem konditionell… Unser erstes Saisonspiel haben wir leider deutlich verloren. Da hat man schon gemerkt, dass die Mannschaft in dieser Konstellation noch nie zusammen gespielt hat.

Hattest du zwischendurch auch mal Gedanken, mit dem Fußball aufzuhören?

Bei uns musste die ganze Mannschaft auf Grund eines zum Glück nicht schlimmen Coronafalls zwei Wochen in Quarantäne. Da haben mehrere aufgehört und auch ich habe darüber nachgedacht. Im Fußball kommen halt zweimal elf Spieler zusammen, die alle unterschiedliche Freundes- und Sozialkreise haben. Das Risiko, dass sich einer ansteckt und dann alle erneut in Quarantäne müssen, war hoch. Mehrere haben aufgehört, weil sie zum Beispiel selbstständig waren und ihnen eine zweite Quarantäne finanziell zu riskant gewesen wäre.

Hast du Angst, dass der Spielbetrieb im Winter eventuell wieder eingeschränkt wird?

Ja, das kann natürlich passieren. Damit hätte ich aber kein Problem. Ich würde mir nur wünschen, dass die Saison danach komplett zu Ende gespielt wird, gerade nach zwei abgebrochenen Saisons hintereinander.

Was bleibt dir denn nun aus den letzten anderthalb Jahren in Bezug auf den Fußball am meisten in Erinnerung?

Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass mir ganz einfach ein Fußballtor klar fehlt. Ich habe ab und zu daheim ein bisschen mit dem Ball gespielt, aber auf ein richtiges Tor zu schießen, geht zuhause halt schlecht. Die ersten Sekunden, in denen ich wieder auf dem Platz stand, sind mir tatsächlich noch in sehr guter Erinnerung. Ich bin direkt mit einem Ball los gerannt. Dieses Gefühl, nach so langer Zeit mal wieder mit einem Ball am Fuß auf dem Fußballplatz zu sein und aufs Tor zuzulaufen, war der Hammer.