Ausnahmezustand

Wie die Freiburger Band Seven Purple Tigers die Corona-Pause nutzt

Gina Kutkat

Sie wollten durchstarten, dann kam Corona. Doch die Seven Purple Tigers aus Freiburg nutzen die Pause, um in der Isolation an ihrem Album zu arbeiten. Und an ihrem Traum: Dem des Musikerdaseins.

Als sie von der Ausgangssperre erfuhren, wussten sie, dass sie umdenken müssen. "Die Option, nicht weiterzumachen, gab es für uns nicht", sagt Phil Dyszy, Gitarrist der Band Seven Purple Tigers. "Als Künstler muss man immer liefern. Jede nicht genutzte Sekunde ist eine verlorene Sekunde."


Es ist die vierte Woche der Ausgangssperre und Phil und sein Bandkollege Austin Horn, beide 25, verbringen die Tage, wie sie bisher jeden Tag in der gemeinsamen Isolation genutzt haben: Sie schreiben Songs für ihre Band Seven Purple Tigers – Tag und Nacht. Sie wollen auf der kreativen Welle surfen, so lange es geht, wollen nichts verpassen und die Zeit nutzen, erzählen Phil und Sänger Austin im Skype-Gespräch. "Es fühlt sich an, als hätte jemand auf einen großen Stopp-Knopf gedrückt", so Austin.

"Kaffee und Rotwein helfen gerade viel." Austin Horn
Sie hätten Glück gehabt, denn im Gegensatz zu anderen Bands mussten sie keine Tour absagen oder anderes canceln. "Wir hätten die Zeit jetzt so oder so für unser neues Album genutzt." Abgeschottet vom Rest der Welt können sich Phil und Austin ganz auf das Musikmachen konzentrieren. Eine Situation, die sich jeder Kreative wünscht – und eine klischeehafte noch dazu: "Wir stehen gegen 14 Uhr auf, machen uns direkt an die Arbeit, setzen uns an die Instrumente, arbeiten an Songs weiter, meistens, bis die Sonne am nächsten Morgen aufgeht", sagt Phil. "Kaffee und Rotwein helfen gerade viel", ergänzt Austin.



Vergangene Woche, mitten in der Corona-Pandemie, erschien das Video zu ihrem Song "Limelight Baroness", das sie zusammen mit dem Freiburger René Thoma gedreht haben. Seit anderthalb Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen Band und Fotograf – beiden Seiten ist das Künstlerische und das Optische wichtig. "Das Video sollte so professionell wie möglich werden – in Anbetracht der Umstände", sagt René Thoma. Eigentlich sei geplant gewesen, in einem urbanen Stil zu filmen, mit Aufnahmen aus größeren Städten wie Basel oder Mannheim. "Wir haben dann die einmalige Atmosphäre der Ausgangsbeschränkung genutzt und auf leeren Straßen gefilmt", so Thoma.

Viele Szenen sind verschwommen, was die momentane Leere und das stillstehende Leben widerspiegeln soll. "Es vermittelt eine gewisse Sehnsucht danach, einfach rauszugehen, frei zu sein", so Thoma. Im Song geht es ums Ausgehen und ums Nachtleben, zwei Dinge, an die aktuell kaum zu denken ist. Mit Blende- und Prismaeffekten, den Shots eines nächtlichen Freiburgs und dem Songtext, der auf dem Bildschirm eingeblendet wird, entsteht so die Anlehnung an ein pulsierendes Nachtleben. "Momentan bleibt uns nur die Erinnerung und wir müssen uns gedulden, bis alles wieder normal ist."

Hart arbeiten für den Erfolg

Schon vor der Corona-Krise haben sich die Seven Purple Tigers hohe Ziele gesetzt. Sänger Austin ist extra aus seiner Heimat USA nach Freiburg gezogen, damit sie ihren gemeinsamen Traum verfolgen können: "Von der Musik leben zu können und andere mit unseren Songs berühren", sagt Austin. Er und Phil lernten sich während eines Austauschjahres im polnischen Krakau kennen und machen seit mehreren Jahren gemeinsam Musik. Später kamen Felix Schwer und Sebastian Heieck dazu. Alle verbindet die kreative Ader und die Einsicht, dass man für seinen Erfolg hart arbeiten muss: Musik steht für sie an erster Stelle, manchmal vergessen sie sogar, zwischen den Proben zu essen.



Ihre Musik verorten sie in der Indie-Rock-Ecke, die sie mit zeitlosen Songs füllen möchten. Bands, die sie mögen sind Queens of the Stone Age, Tame Impala oder die Red Hot Chili Peppers. An den Rolling Stones bewundern sie nicht nur die Musik, sondern auch deren Arbeit mit Andy Warhol. "Das Zusammenspiel von Kunst und Musik fasziniert auch uns", sagt Phil. Und beschreibt das Musikmachen als Gesamtpaket, an dem alles stimmen muss: Die Unterhaltung, das Outfit, das Bandfoto, die Performance auf der Bühne.

Durchstarten mit Handbremse

Das Jahr 2019 war vielversprechend: Gigs das ganze Jahr über, Auftritte beim ZMF und die Teilnahme an Bandwettbewerben wie der Rampe im Jazzhaus, die die Seven Purple Tigers auch gewannen. So hätte es nun für die vier Musiker weitergehen können. Jetzt ist eher an ein Durchstarten mit angezogener Handbremse zu denken. Die großen Festivals des Sommers wie das ZMF oder Southside sind bereits abgesagt, bis Ende August wird es keine größeren Veranstaltungen und Konzerte geben. Das trifft auch eine Newcomerband hart, die die meisten Einnahmen aus Konzerten bezieht. Aktuell leben Phil und Austin von ihrem ersparten Geld. "Wir hoffen jetzt auf den Spätsommer", sagt Austin. Wie seine Bandkollegen ist auch der Sänger ganz heiß drauf, die Songs wieder vor Publikum zu spielen. Denn die lauten Gitarren, die abgestimmten Outfits und die Performance – das braucht die Energie der Menschen. "Und die wird umso schöner und kräftiger, wenn das hier alles mal vorbei ist."

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