fudder-Serie

Wie denken junge Menschen aus Vauban über die Landtagswahl?

Lisa Discher

Am kommenden Sonntag wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Was denken junge Freiburgerinnen und Freiburger über die baldigen Wahlen? fudder besucht eine Woche vor der Wahl verschiedene Stadtteile. Dieses Mal: Vauban.

Freiburgs grünster Stadtteil lockt mit viel Natur und autofreien Straßen. Die modernen Häuserreihen mit ihren bepflanzten Balkonen sind typisch für Vauban. In den Fenstern hängen selbstgeschriebene "Leave no one behind"-Plakate und dass jemand an der Ecke barfuß mit Keulen jongliert, passt auch perfekt ins Bild. Wie denken die jungen Menschen aus Vauban eigentlich über die anstehende Landtagswahl am 14. März?

Vauban Mitte

Mit Bast-Einkaufskorb unter dem einen und seinem Sohn auf dem anderen Arm, tritt Moses aus dem Quartiersladen in Vauban Mitte. Gleich will er noch weiter zum Spielplatz in der Harriet-Straub-Straße. Ganz klar sei für ihn, dass es mehr Kita-Plätze brauche. "Die derzeitige Situation, was Kitas und auch Kindergärten angeht, ist ungenügend", sagt er. Und auch Wohnraum sei seiner Meinung nach viel zu teuer. "Meine Frau und ich zahlen sechzig Prozent unseres Einkommens nur für Wohnen," sagt er und setzt seinen Sohn währenddessen auf das Laufrad. Er wird am 14. März ganz klar die Linken wählen, denn deren Wahlprogramm sei am überzeugendsten. Früher habe er immer die Grünen gewählt, aber da habe sich in den vergangenen Jahren einfach zu wenig getan, sagt er. Jemand tippt ihm auf die Schulter. Man begrüßt sich: Johanna ist Moses Nachbarin. Auch sie ist der Meinung, dass "Grün nicht mehr das Wahre ist." Aber die Linken würde sie nicht wählen, sagt sie. "Wahrscheinlich bekommt Frau Rolland meine Stimme. Die Linken träumen mir ein bisschen zu viel."
fudders Stadtteilbesuche zur Landtagswahl 2021
Am Sonntag, 14. März ist Landtagswahl in Baden-Württemberg. fudder hat verschiedene Freiburger Stadtteile besucht und mit verschiedenen jungen Menschen über ihre Gedanken dazu gesprochen. In dieser Woche veröffentlichen wir jeden Tag einen neuen Stadtteilbesuch zur Landtagswahl.
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Paula-Modersohn-Platz

Türkiser Nagellack und Nasenpiercing: Lässig steht Florian Elsishans mit seinem Kumpel auf dem Paula-Modersohn Platz. Er studiert Theologie an der Uni Freiburg und wohnt in einer WG direkt über dem Eiscafé "Limette". Er hat den Eindruck, dass die Landtagswahlen im Stadtteil recht präsent seien, aber auch, dass vor allem die jungen Leute anfingen zu überdenken. "Es werden schon auch Alternativen abgewogen", kurz zögert er und sagt dann: "Zwischen den Grünen und den Linken." Im Hintergrund skaten ein paar Teenager und Florians Kumpel wirft ein, dass viele nicht mehr das wählen würden, was sie sonst immer gewählt hätten – dann lacht er und sagt: "Wie die CDU zum Beispiel." Schwierig sei es links zu wählen, gerade weil man daran zweifle, dass sie es über die Fünf-Prozent-Hürde schafften, meint Florian. Generell, nehme er die Stimmung in Vauban dennoch als Grün wahr. "Trotz oder gerade wegen des konservativen Profils der Grünen in Baden-Württemberg", sagt der 25-jährige Theologie-Student.

"Studentendorf Vauban"

Viel ist nicht los, rund ums Studentendorf in Vauban. Jonas, der Erziehungswissenschaft studiert, sitzt im Schneidersitz auf dem Rasen und zieht an seiner Zigarette. Neben ihm spannt Henni, der eigentlich Henrik heißt, die Slackline am Baum fest. Auf die Frage was ihn zum Thema Landtagswahl am meisten beschäftigt, antwortet Jonas erst einmal mit einem langen "Uff". Er blinzelt in die Märzsonne und sagt "Ich glaube am Ende ist es Geld" und zuckt mit den Schultern. Und auch mehr finanzielle Unterstützung für Studierende sollte auf der Agenda stehen. "Vor allem während Corona", er klingt genervt. Er habe seinen Job schon direkt zu Beginn der Pandemie verloren und die Anträge auf finanzielle Unterstützung wurden abgelehnt. "Oder halt auch was Mieten angeht – ich bin jetzt 22. Wie soll ich mir in dem Alter und als Student 500 bis 600 Euro für ein Zimmer in Freiburg leisten können?", fragt er. Würde er nicht im Wohnheim wohnen, könnte er sich gar nichts mehr leisten. Was er wählen wird, weiß er noch nicht "Aber Tendenz schon links", sagt er und drückt die Zigarette neben sich aus. Was Henrik dazu sagt? "Ich glaub, ich bin da komplett anders gepolt", er schaut ernst und sagt, dass er die Grünen wähle bei der Landtagswahl. "Meine ganze Familie wählt die Grünen. Ich wähl' sie auch. Und so wie's um unsere Umwelt steht, wäre es hart verantwortungslos irgendwas anderes zu tun."

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