fudder-Interview

Wie das Nachhaltigkeitsbüro die Lehre an der Uni Freiburg verändern will

Christina Strobel

Die studentische Initiative "Nachhaltigkeitsbüro" hat den Alumni-Preis 2019 der Universität erhalten. Im Interview erzählen Susanne Ober und Björn Spegel, welche Projekte das Nachhaltigkeitsbüro vorantreibt.

Was genau ist das Nachhaltigkeitsbüro?

Susanne: Wir sind eine studentische Initiative, eben das Nachhaltigkeitsbüro der Uni Freiburg. Gegründet haben wir uns im Mai 2018 und kommen aus unterschiedlichen Umweltinitiativen, die es in Freiburg gibt, zum Beispiel "Weitblick" und das "Umweltreferat". Wir haben den Alumni-Preis 2019 für soziales Engagement bekommen. Das ist ein Preis, der für soziales Engagement an der Universität vergeben wird. Unser Ziel ist es, ein sogenanntes Nachhaltigkeitsbüro an der Uni zu etablieren, das soll eine Schnittstelle sein von studentischem Engagement und dem, was zum Beispiel vonseiten der Professoren los ist. Es gibt zwar schon viel an der Uni, aber das sind alles Einzelkämpfer im Bereich Nachhaltigkeit und es gibt relativ wenig Vernetzung. Gerade zwischen den Studierenden und der Uni selbst. Das wollen wir ändern.

Wie genau wollt ihr das ändern, was sind eure Projekte?

Susanne: Ein physischer Raum wäre das Optimum, auch mit bezahlten Stellen. Ein weiteres Ziel ist es, aktiv als Nachhaltigkeitsbüro die Lehre zu verändern. Das passiert schon in den Bereichen Bildung, in dem wir das Studium Oecologicum etablieren wollen. Das ist ein Zusatzzertifikat für Studierende, damit man in jedem Studiengang einen Einblick in die Nachhaltigkeit bekommen kann. Man kann über den BOK-Bereich dieses Semester die Ringvorlesung zum Thema "(Un)-Gerechtigkeit" besuchen und eine Reflektion beziehungsweise ein Portfolio darüberschreiben, um dann am Ende ein Zertifikat zu erhalten. Das ist jetzt das zweite Semester unserer Ringvorlesung, letztes Semester gab es schon eine.

Die "Fliegende Fakultäten" sind ein weiteres Projekt zusammen mit der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen. Dort wollen wir die Emissionen von Dienstreisen erst einmal aufschreiben und die Dienstreisekosten auswerten, um dann sagen zu können, wie viele Emissionen dabei entstanden sind. Wir machen das nicht alleine, das ist eine AG aus dem Fakultätsrat, der Stabsstelle Umwelt und dem Nachhaltigkeitsbüro. Hiwis führen letztendlich die Auswertungen durch. Aus einem ehrenamtlichen Engagement wurde dieses Projekt angestoßen und hat sich jetzt super weiterentwickelt. Das Vorbild für das Projekt ist die ETH Zürich, die hat die ganzen Emissionen, welche bei Dienstreisen entstanden sind, ausgewertet und hat dann geschaut wie diese reduziert werden können. Wir nehmen eben erstmal die eine Fakultät und erheben die Daten.

Dann gibt es noch 4netzen, immer einmal im Monat treffen wir uns im Haus der Engagements. Das ist eher ein lockeres Zusammensein, bei dem wir schauen, was wir als nächstes planen und wobei wir noch Unterstützung brauchen. In dem Planungsprozess sehen wir dann schon, wo es zu Überlappungen kommen kann. Hier treten wir auf Initiativen-Ebene mit allen Initiativen, die es zum Thema Nachhaltigkeit gibt, in Verbindung. Momentan ist an der Uni Freiburg unheimlich viel zum Thema Nachhaltigkeit los, es gibt teilweise Überlappungen von Aktivitäten. 4netzen ist breit aufgestellt und geht auch über die Uni hinaus. Es können alle auch so hinkommen, die Lust dazu haben!

Was wäre euer optimales Ziel?

Björn: Wünschen würden wir uns natürlich, dass es das Nachhaltigkeitsbüro als feste Anlaufstelle gibt, um Aufmerksamkeit für das Themengebiet zu erregen.
Susanne: Die Uni sollte mit der Stadt in Sachen Nachhaltigkeit mitziehen, im Vergleich zu anderen Universitäten ist unsere doch noch etwas träge. Die Stadt Freiburg macht zum Beispiel im Vergleich zur Uni sichtbarer, was in Sachen Nachhaltigkeit getan wird.
Björn: Die Uni gibt sich so langsam mühe, aber wir sind noch nicht da, wo man sein könnte.
Susanne: Die Eberhard-Karls-Universität Tübingen hat verpflichtend für alle das einwöchige Modul "Hochschule trägt Verantwortung" eingerichtet, in dem der Bereich Nachhaltigkeit abgedeckt wird. Egal aus welchem Studiengang, jeder muss sich da erstmal reinsetzen. Durch das Studium Oecologicum könnten wir das erreichen, unser Wunsch ist es, dass der Fokus noch mehr daraufgelegt wird. Da sind wir aber schon in Absprache mit der Uni.

Muss man denn privat so richtig nachhaltig sein, um bei euch mitzuwirken?

Susanne: Wir müssen ganz klar sagen, dass es bei uns für jeden einen Platz gibt, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Komm einfach vorbei! Wir haben auch ein Mentoring-Programm für alle, die neu dazu kommen. Da trifft man sich dann einfach auf einen Kaffee mit einer Person aus der Gruppe, mit der man gut harmoniert, die einem mehr erzählen kann. Dann muss man nicht vor der ganzen Gruppe nachfragen, was wir denn eigentlich genau tun, vor allem, wenn man noch nicht wirklich einen Überblick hat. Also für alle, die Lust haben sich da reinzuknien und was auf die Beine zu stellen, ist das auf jeden Fall etwas.
Björn: Man muss also nicht unbedingt auf privater Ebene super nachhaltig sein, klar ist das schön, aber bei uns geht es ja in erster Linie um die Uni. Es ist wichtig, dass wir Leute, die nicht so nachhaltig leben, nicht verurteilen. Wir sind offen für alle, die sich für das Thema interessieren. Wir haben eine lässige Atmosphäre. Man darf ja nicht vergessen, dass wir das alle freiwillig machen und der Spaß soll da nicht verloren gehen.
Nächste Ringvorlesungen:
  • 9. Januar : Diskussion: Neoliberalismus – Hörsaal 1098
  • 23. Januar: Generationenzeitlichkeit – Hörsaal 3118
  • 6. Februar: Diskussion: Konsumgerechtigkeit – Hörsaal 1098