Draußen

Welche Faszination steckt hinter dem Sport Spikeball?

David Pister

Spikeball hat sich zu einer Sportart entwickelt, die nicht mehr aus dem Freiburger Stadtbild wegzudenken ist. Vom Hype zum ständigen Begleiter. Was macht das Spiel mit dem kleinen, gelben Gummiball so besonders?

Das gemeinhin als Spikeball bekannte Spiel heißt tatsächlich Roundnet. Das Spielprinzip wurde 1989 von Jeff Knurek erfunden, geriet aber im Laufe der Jahre in Vergessenheit. 2008 wurde die Firma Spikeball Inc. gegründet, die dem Sport nicht nur einen neuen Namen gab, sondern auch zu enormer Aufmerksamkeit verhalf. Wie "Tempo", "Tesa" und "Walkman" steht der Markenname Spikeball nun stellvertretend für die Sportart.


Wie funktioniert das Spiel?

Ein Reiz des Spiels ist das einfache Spielprinzip: Zwei Teams à zwei Personen spielen gegeneinander. Ziel des Spiels ist es, den Ball so auf das Netz zu schlagen, dass das gegnerische Team keine Chance hat, den Ball erneut auf das Netz zu spielen. Pro Team sind drei Berührungen erlaubt – egal mit welchem Körperteil. Nur nach dem Aufschlag muss das nicht aufschlagende Team mindestens zwei Kontakte haben, bevor der Ball zurückgeschlagen wird. Gespielt wird offiziell bis 21, kann aber in Varianten auch bis elf oder fünfzehn gespielt werden.

In Freiburg wurden die ersten Spieler und Spielerinnen 2017 in den Parks und Beachanlagen der Stadt gesichtet. Im darauffolgenden Jahr haben sich einige Mitglieder der Spikeballcommunity dazu entschlossen den Verein Blackforest Monkeys zu gründen. Seitdem hat sich Freiburg zu einer Spikeballhochburg entwickelt. Schon 2019 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften von den Blackforest Monkeys ausgerichtet. Teams aus ganz Deutschland reisten nach Freiburg, um den Pokal mit nach Hause zu nehmen. Vor ein paar Tagen jährte sich das Turnier im Spikeball.

Was muss man beachten beim Spikeball-Spielen?

Spikeball hat ein bekanntes Spielprinzip in einem völlig neuen Kontext. Die Regel, den Ball dreimal berühren zu dürfen, ist aus dem Volleyball bekannt. Den Ball aufprallen zu lassen, bevor der Gegner am Zug ist, kennt man aus dem Tischtennis und Tennis. Dass die Fläche keine harte Oberfläche wie Beton, roter Sand oder Kunststoff ist, sondern ein trampolinartiges Netz ist, macht das Spiel interessant. Es ist neu und lädt zum experimentieren ein: Variierende Winkel, Spins oder Täuschmanöver machen es den Gegnern schwer den Ball nach dem Aufprall zu erreichen.

Besonders gemein: die "Pocket". Hierbei wird der Ball – willentlich oder nicht – so nah an den Rand des gespannten Netzes gespielt, dass er meist vollkommen unberechenbar zurückspringt. Deswegen ist eine "Pocket" beim Aufschlag verboten und kann angezeigt werden. Der Aufschlag muss wiederholt werden.

Außer einem Spikeballset, das einen mit Luft gefüllten gelben Ball, eine Pumpe und das Netz enthält, braucht man nur noch drei motivierte Mitspielerinnen und Mitspieler und eine freie Fläche. Ein weicher Untergrund ist von Vorteil, da die Spielweise sehr intensiv werden könnte. Bodenkontakt mit dem ganzen Körper sollte eingeplant werden.
In Freiburg bieten sich viele Parks und freie Flächen zum Spielen von Spikeball an.

Was macht die Faszination an dem wiederentdeckten Spiel aus?

Zum Beispiel die Sternwaldwiese, wo Jörg, Lehramtsstudent im sechsten Semester, im Sommer zwei- bis dreimal in der Woche das Spiel zockt. "Das runde Spielfeld verbunden mit so einer Art Ballspiel macht den Reiz aus! Das ist neu! Sonst spielt man meist von einer auf die andere Seite" sagt Jörg, der in seiner Freizeit neben Spikeball auch Volleyball, Handball oder Basketball spielt. Um das Netz herum gibt es nur für den Aufschlag fest zugewiesene Plätze. Anschließend können sich alle Spielerinnen und Spieler frei bewegen, wodurch die besondere Dynamik des Spiels entsteht.

Außerdem reize ihn die informelle Organisation des Spiels. "Freizeitmäßig kann man es sogar nebenher beim Bier spielen", sagt Jörg. Auf der Dreieckswiese, nahe der Sportuniversität an der Dreisam, kann man oft Geburtstagsfeiern oder andere kleine Events beobachten. Festes Accessoire neben orientalisch gemusterten Decken, Teelichtern und Bluetooth-Lautsprechern ist seit Längerem auch das Spikeballset.

Jakob, der Spikeball vor eineinhalb Jahren auf einem Geburtstag kennengelernt hat, sagt, dass er an diesem Ort am liebsten spiele. "Es ist cool, weil man nur ’ne Wiese und vier Leute braucht. Die kriegt man schnell zusammen", sagt der 23-jährige PH-Student. Den Hype erklärt er sich durch die Wahlmöglichkeit zwischen entspanntem Spielen und spannendem Wettkampf. Außer Longboarden betreibt er keinen Sport und beschreibt einen enorm schnellen Lernfortschritt.

Falls ihr auch Lust auf Spikeball bekommen habt, dann probiert es aus. Fragt eure Freunde, wenn sie ein Set besitzen, oder trommelt eure Leute zusammen und kauft euch gemeinsam eines. Durch die relative Neuheit des Spiels haben sich noch keine Erfolg-garantierenden Taktiken oder Techniken durchgesetzt. Nicht diejenigen mit dem härtesten Schmetterschlag stehen am Ende als Sieger da, sondern vor allem mit Witz und Einfallsreichtum kann man das Spiel zu seinen Gunsten beeinflussen. Das Wichtigste ist: Spaß haben!