Denkmal

Was ist mit dem Erpel im Freiburger Stadtgarten passiert?

Fabian Thomas

Sie ist Denkmal und Zeichen der Hoffnung zugleich: Die Statue eines Erpels im Freiburger Stadtgarten. Seit ein paar Wochen ist sie verschwunden. fudder hat sich auf die Suche nach dem Erpel und seiner Geschichte gemacht.

Das Schnattern eines Erpels warnte vor 75 Jahren einige Freiburger vor einem verheerenden Bombenangriff, so die Legende. Dem Erpel wurde eine Statue im Stadtgarten errichtet, als Zeichen der Hoffnung. Doch seit ein paar Wochen fehlt der Erpel. Ein schlechtes Omen für Freiburgs Corona-Krise? fudder hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht.


Ein Erpel schnatterte minutenlang

Am 27. November 1944, vor bald 76 Jahren, erlebte Freiburg einen schrecklichen Bombenangriff durch die britische Royal Air Force. Es war dunkel, kurz vor acht Uhr abends, der Fliegeralarm heulte auf, doch die Sirene kam zu spät für viele Freiburger: 2797 Menschen starben, tausende wurden verletzt.

Ein Gerücht besagt, dass einige Anwohner des Freiburger Stadtgarten kurz vor dem Angriff einen Erpel hörten. Der Erpel schnatterte wie von Sinnen, minutenlang. Die Anwohner hörten den Erpel, und dachten sich, dass etwas nicht stimmen kann. Der Erpel musste etwas spüren, das sie noch nicht kommen sahen: Die britischen Bomber. Sie flohen in den Luftschutzkeller des Schlossbergs, und überlebten den Luftangriff.

Ein Denkmal für den Vogel

Der Erpel mit dem sechsten Sinn, der Leben rettet – er mag nur eine Legende sein, und doch entschied sich 1953 Freiburgs OB Wolfgang Hoffmann, dem Vogel ein Denkmal zu setzen: Der OB beauftragte den Künstler Richard Bampi, eine Entenfigur aus Stein herzustellen. Die Erpel-Statue streckt den Schnabel in die Höhe und scheint laut zu schnattern – genau wie damals in der Bombenacht.

Noch heute steht die Statue im Teich am Nordende des Stadtgartens. Das heißt, sie stand. Denn wer in diesen Tagen einen Quarantäne-Spaziergang in den Stadtgarten macht, wird feststellen: Der Erpel fehlt! Der Teich ist noch da, die lebenden Enten und Erpel auch, doch der Sockel der Erpel-Statue ist leer. Was ist passiert?

Wurde der Erpel geklaut?

Das Freiburger Zeichen der Hoffnung: verschwunden, gerade jetzt, wo Freiburg Hoffnung so sehr braucht. Waren es etwa Einbrecher, die – wo jetzt alle im Homeoffice sitzen – es auf neues Diebesgut abgesehen haben? Aber doch bitte nicht den Erpel klauen! Eine kurze Recherche auf Ebay-Kleinanzeigen bringt keine Ergebnisse für "Erpel-Statue".

War es dann vielleicht ein verängstigter Freiburger, der aus Angst vor dem Virus seinen eigenen Glücksbringer braucht? Ein nettes Accessoire für den Vorgarten und die Dachterrasse ist der Erpel ja schon. Doch was werden die Nachbarn dazu sagen, wenn sie beim abendlichen Klatschen den stadtbekannten Erpel sehen?

Ein Anruf vom Freiburger Gartenamt bringt endlich Klarheit. Dem Erpel gehe es gut, so der städtische Mitarbeiter. Nur sein Schnabel ist etwas mitgenommen, und muss zurzeit restauriert werden. In ein paar Wochen ist der Erpel wieder da.

Dann, so kann man erwarten, wird der Erpel das Coronavirus einfach wegschnattern. Vielleicht wird man sich das aber auch nur erzählen, in ein paar Jahren.

Mehr zum Thema: