Was ist dein Stil, Sascha?

Marius Buhl

Sascha liebt Anzüge, sein heutiger ist eine Maßkonfektion. Der Verkäufer des Modegschäfts Kaiser S1 erklärt im Interview, was kommenden Sommer Trend wird, warum er seine Anzugshosen kurz trägt und warum Freiburg trotz Funktionsjacken modisch interessant ist:



Sascha, warum der Anzug?

Ich liebe Anzüge, habe einen Hang zu klassischer Kleidung. Ich mag es aber, den strengen Anzug etwas aufzubrechen durch Details. Zum Beispiel trage ich die Hose sehr kurz, damit man die Socken sieht. Und statt einem weißen Hemd ein Jeanshemd, sonst wirkt das zu sehr wie  Businesskleidung. Ich trage aber nicht jeden Tag Anzüge. Klassische Streetwear mag ich auch, oft kombiniere ich auch Klassisches mit Streetwear. Zum Beispiel zerrissene Jeans und Sneakers zur Anzugsjacke.

Wie läuft das morgens bei dir ab?

Ich lege mir abends nichts zurecht, sondern entscheide morgens nach Lust. Heute war ich gut drauf, draußen kam die Sonne durch die Wolken, ich habe den Vormittag frei. Da habe ich mich für den Anzug entschieden

Er sitzt sehr gut. Ist er maßgeschneidert?

Der Anzug ist eine Maßkonfektion. Dafür zieht man ein Musterteil an, das vom Schneider angepasst wird. Für maßgeschneiderte Anzüge wird der Körper vermessen.

Die Hose ist sehr kurz. Eckt man damit an?

Klassische Anzugsträger rümpfen schon mal die Nase und fragen: Trägt man die Hose jetzt so kurz? Ich finde, wenn man sich wohlfühlt, strahlt man das auch aus. Fühlt man sich nicht wohl, wirken die coolsten Klamotten deplatziert.

Was inspiriert dich?

Ich arbeite beim Kaiser S1 hier in Freiburg im Verkauf, assistiere im Einkauf. Bei Einkaufstouren sehe ich sehr viel, vor kurzem waren wir bei Boss in Metzingen. Aber es ist absurd: Dort kaufen wir für nächstes Jahr ein, man sieht die Trends des kommenden Sommers. Verlässt man den Showroom, ist aber wieder Winter.

Was wird nächsten Sommer Trend?

Florale Prints werden nochmal da sein. Und Männer können sich freuen: Die Hosen werden wieder ein bisschen weiter und entspannter. Da freue ich mich auch drauf. Momentan gilt ja: enger, enger, enger. Auch die Blousonjacken bleiben ein Thema.

Machst du jeden Trend mit?

Berufsbedingt lasse ich mich gerne auf neue Trends ein. Man kann aber ohnehin nicht alles mitmachen, dafür gibt es zu viele. Ich experimentiere aber gerne.

Über Freiburg wird viel gelästert. Funktionsjackenträger, modische Langeweiler. Wie ist dein Bild?

Das richtige Wort für den Stil der Freiburger ist: ehrlich. Viele sind bedarfsbedacht, setzen sich aufs Rad und brauchen da nun mal eine Windjacke. Da wäre ein Anzug falsch. Ich finde die Mode der Freiburger nicht schlecht, sie macht den gewissen Vibe der Stadt aus: legére und sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Trotzdem gibt es natürlich eine Lücke zu den größeren Metropolen. Dafür ist es hier dann einfacher, aus der Masse herauszuragen.

Wieviel Geld gibst Du im Monat aus?

Mode ist mein Hobby, wie andere ins Fitnessstudio gehen oder Musik machen. In manchen Monaten gebe ich kaum was aus, in anderen sind es auch mal 400 Euro. Wenn mir Teile nicht mehr gefallen, bringe ich sie zum Secondhand-Laden oder vermache sie meinen Freunden.

Der Vorwurf an modebewusste Menschen lautet oft Oberflächlichkeit. Wie wehrst Du Dich?

Der Vorwurf hat seine Berechtigung, ganz klar. Innere Werte zählen mehr als Fassade. Aber das steht für mich gar nicht in Kontrast, im Gegenteil. Ein Outfit ist Ausdruck meiner Persönlichkeit. Für mich hat das auch mit Selbstachtung zu tun. Ein lieber Kerl kann man trotzdem sein. Man hat nicht die Möglichkeit, mit jedem den man auf der Straße sieht, ein tiefgründigeres Gespräch zu führen. Und über den ersten Eindruck macht man es seinem Gegenüber leichter, zu wissen, woran man ist.

Gibt es etwas, was Du Dich nicht traust, zu tragen?

An Hüte wage ich mich nur langsam. Aber wenn der richtige Typ Hut trägt, wirkt das sehr selbstbewusst und schick. Damit ist man im Moment aber vielleicht noch ein Jahr zu früh.

Lustigerweise ist es ja oft so, dass man sich in der eigenen Stadt weniger traut. Ich habe eine Schiebermütze, die ich mich hier selten traue zu tragen, in anderen Städten aber immer trage. Die Anonymität gibt ein Schutzgefühl, das hilft, sich neu zu erfinden.

 

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Fotos: Marius Buhl

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