Review

Was ging bei … Götz Alsmann und der SWR Big Band im Konzerthaus?

Carolin Buchheim

Alljährlich im Januar ist Götz Alsmann mit der SWR Big Band unterwegs. Am Mittwochabend eröffneten sie ihre Tour im Konzerthaus. Wir waren dabei.

Die Stage
Es ist Januar. Draußen versucht das Wetter zu schneeregnen. Drinnen im Konzerthaus sind die Menschen zusammenkommen, um einer liebgewonnenen Tradition beizuwohnen: dem Neujahrskonzert von Götz Alsmann und der SWR Big Band. Zum elften Mal ist man gemeinsam unterwegs. Neun Mal war der "musikalische Wanderzirkus" im Konzerthaus – im vergangenen Jahr allerdings nicht: Da machte er in Denzlingen halt. "Für sie ist dieser Abend nur ein weiterer Termin im so geschäftigen kulturellen Kalender in Freiburg", scherzt Alsmann. "Für uns ist der Auftakt gleich das Highlight". Man hat Alsmann ja schon nach seinen Gigs im Freiburger Nachtleben gesehen – der Glückliche scheint von der Clubkrise noch nichts bemerkt zu haben. Lucky him!



Die Crowd

Ein mit Konzerthaus-Publikum gefülltes Konzerthaus, ziemlich grauköpfig. Einige wenige Frauen sind schick genug, dass sie neben dem hervorragend be-Smoking-ten Alsmann auf der Bühne gut genug aussehen könnten. Kein Mann könnte das.

Track-Check
"Swingende Lieder, verjazzter Schlager, verschlagerten Jazz" – so beschreibt Götzimausi selbst, was er, die Big Band und die Zucchini Sistaz auf die Bühne bringen. Das ist alles unterhaltsam, charmant und – wir reden hier ja von der SWR Big Band, die es seit 69 Jahren gibt – musikalisch perfekt. Alsmann startet mit "Wenn ich in Stimmung bin" – und in Stimmung ist er natürlich immer, das merkt man.

Routiniert und fröhlich feiern Sänger und Band sich zu Recht gegenseitig und liefern Altbekanntes (etwa Eddie Constantines "Schenk Deiner Frau doch hin und wieder rote Rosen") und Unbekannteres, dazwischen parliert Alsmann, wie er eben so parliert, es ist lustig und kurzweilig. Während die Band ihr Bestes gibt, schleichtanzt Alsmann elegant über die Bühne, gibt den Solisten Gelegenheiten, Applaus einzusammeln. Sehr höflich.

Die Zucchini Sistaz, ein grün gekleidetes Trio (Alsmann: "Das schönste Gemüse, das der liebe Gott in die Musikwelt geworfen hat"), das allerlei Witze über die Farbe Grün und über Gemüse macht, ist sehr cheerful und singt über Egon, der endlich einen Heiratsantrag machen sollte oder über den Schweinehund, mit dem man kämpft. Kann man alles so machen. Gemeinsam singen die Gemüsedamen und der Gastgeber "Bis ans Ende der Welt werd ich Dich lieben, und das ist wirklich wunderbar.

Fail
Ein langhaariger Roadie trägt zwischendurch immer wieder Mikrofonständer über die Bühne. Er trägt kurze Cargohosen. Zwischen lauter Smoking-Trägern. Man hat beim x-ten Mal fast ein wenig Mitleid.

Geil
Den "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow – in atemberaubenden Tempo auf der Posaune gespielt.

Sprit-Check
In der Pause ein Sektchen? Oder ein Fläschchen Jung-Saft? Konzerthaus-Style.

Emo-Moment
Und ganz am Ende, da spielt die Big Band sich sektionsweise von der Bühne, bis nur noch Klaus Wagenleiter am Piano übrig bleibt. Er spielt "Guten Abend, Gute Nacht" – und das Publikum singt plötzlich mit, ganz zart.

Pauschalurteil
Götzimausi und die Big Band? Jeden Januar ein Highlight.