Was ging bei... Deichkind im Zäpfle-Club?

Moritz Kraus & Florian Forsbach

Hämmernder Bass, Synthesizer-Beats und vor allem eine abgefahrene Live-Show - dafür stehen Deichkind. Am Sontag machten sie auf ihrer "Niveau Weshalb Warum?!-Tour" Halt in der Freiburger Rothaus-Arena. Ob die Band die Erwartungen des Freiburger Publikums erfüllt hat:



Die Crowd:

Neonfarbene Sonnenbrillen, bunte Knicklichter, überdimensionale Luftballonfiguren. Die Deichkindfans passen sich an diesem Abend modisch an ihre Lieblingsband an. Der eine hält eine pinke Flamingofigur in die Luft, der andere trägt einen mit LED-Leuchten bestückten, dreieckigen Hut.

In der Schlange vor dem Zäpfle-Club ist neben schrillen und farbenfrohen Outfits aber auch der Sonntagabend-Schlabberlook mit T-Shirt und kurzer Hose zu finden. Die Besucher sind zu großen Teil jung, doch auch ein paar Ü30er sind gekommen. Nur einen Typ von Konzertbesuchern vermisst man: den Hip-Hop-Head.

In der prall gefüllten Halle ist die Stimmung schon vor Beginn extrem gut: Groupies sitzen erwartungsfroh auf den Schultern ihrer Freunde und trinken Bier, auf einer riesigen Leinwand, die die Bühne verdeckt, laufen Musikvideos von "Die Antwoord" oder "Rage Against the Machine". Die Crowd geht bereits jetzt mehr ab als bei manch anderem Konzert während des Hauptacts.

Die Show:

Die Show, die Deichkind an diesem Abend abliefern, gleicht eher einem Kindergeburtstag mit Electro-DJ, als einem normalen Konzert. Zeitweise hat man den Eindruck, man wäre auf der "Loveparade", "Tomorrowland" und dem "Spring Break" gleichzeitig.

Nach einem mehrminütigen Intro, in dem Steppen, Galaxien und Gewitter und Handyvideos der Band auf der Leinwand gezeigt werden, fällt diese plötzlich herunter und dahinter tauchen die drei Rapper von Deichkind in schwarze Kutten gehüllt auf. Sie tragen pulsierende Dreieckshüte und stehen auf umherfahrenden, leuchtenden Blöcken. Doch schon beim nächsten Song verändern sich Bühnenbild und Outfit.

Plötzlich fährt die Band auf elektrischen Rollstühlen und Bürosesseln auf der Bühne umher und spielt den Song "Bück dich hoch", der die Ellenbogengesellschaft parodiert. Während "Like mich am Arsch" wird eine lebensgroße Pac-Man-Figur von bunten Monstern verfolgt. Beim Song "Remmi Demmi" gibt es dann kein Halten mehr.

Ganz nach dem Motto des Liedes: "Yippie Yippie Yeah, Yippie Yeah, Krawall und Remmi Demmi" werden alle Requisiten auf die Bühne geholt und zwischen einer Hüpfburg, einem pechschwarzen Tipi-Zelt und Konfettiregen sind die Bandmitglieder kaum mehr zu erkennen. Die Zuschauer bugsieren währenddessen den Rapper Ferris MC auf einem donutförmigen Swimmingpool mit ihren Händen über sich hinweg – Deichkind hebt "Crowdsurfing" auf einen neuen Level.

Kassensturz:

Satte 40 Euro werden für das Ticket fällig. Mit den zwei, drei obligatorischen Bier für je 4.50 Euro plus zwei Euro Pfand muss man für ein Deichkind-Konzert tief in die Tasche greifen. Dafür wird einem das Tannenzäpfle im Becher mit Deichkind-Motiv serviert. Mehr als 50 Euro sind zwar viel für ein Konzert einer deutschen Band, doch die spektakuläre zweistündige Bühnenshow tröstet allemal darüber hinweg.

Track-Check:

Die Playlist an diesem Abend ist gut ausgewogen zwischen den Hits des neuen Albums "Niveau Weshalb Warum" und den Klassikern der Nuller-Jahre. Deichkind eröffnen ihr Konzert mit "So ‚ne Musik", gefolgt von "Denken Sie Groß". Dabei sind außerdem "Bück dich Hoch", "Leider Geil" und ein Remix von "Bon Voyage". Als Zugabe spielen die Hamburger noch "Hört ihr die Signale" und "Remmi Demmi".

Geil:

Die Interaktion mit den Fans ist bei Deichkind einzigartig. Entweder rollen sie in einem drei Meter hohen Bierfass durch die Menge, machen Stagediving mit einem Schlauchboot oder spritzen mit leuchtenden Super-Soakern die erste Reihe nass.

Fail:

Zwischen den vielen Partywütigen, Mitgrölenden und Tanzenden finden sich doch tatsächlich ein, zwei Leute, die stillstehend auf ihrem Smartphone herumtippen und gelangweilt an ihrem Bier nippen – ob die vorher wohl wussten, worauf sie sich einlassen?

Schwitzfaktor:

Wer bei einem Deichkind-Konzert nicht hüpft, ist selbst schuld. Die Band lässt den Fans keine Verschnaufpause und schafft es, dass selbst in der letzten Reihe noch getanzt wird. Vor der Bühne wird gepogt, aus der Mitte werden Becher in die Luft geschleudert. Wer mehr Platz hat, schlägt mit den Händen in die Luft, spielt Luftgitarre oder zappelt einfach nur rum.

Pauschalurteil:

Nach mehr als zwei Stunden Konzert und einem Rausch aus kunterbunten Neon-LEDs, Electro-Raver-Party und gefühlten einhundert verschiedenen Bühnenbildern endet der ekstatische Trip. Die perfekt durchchoreographierte Show hat alle Versprechen gehalten und Deichkind lassen ihre Fans verschwitzt und reizüberflutet zurück.

[Text: Moritz Kraus]

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Fotos: Florian Forsbach

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