Was ging bei bei... Mockemalör im SWR-Studio?

Jens Grosskreuz

Schwarzwald-Indie mit Weltstadt-Flair: Die Band Mockemalör um die aus Hinterzarten stammende Sängerin Magdalena Ganter hat am Freitag ein Studiokonzert beim SWR gegeben. Wovon fudder-Autor Jens Grosskreuz begeistert war:



"Es isch halt mal was anderes, weil 's mal was anderes ist", sagte eine aufmerksame Zuhörerin in der Pause zu ihrer Sitznachbarin. So ist‘s, wenn Alemannisch auf Elektro-Indie trifft.

Die Künstler

Mockemalör, was so viel bedeuten mag wie "ein kleines Ungeschick", setzt den Fokus auf die stark präsente, schillernde Magdalena Ganter. Die Exilschwarzwälderin verließ Freiburg mit klassischer Gesangausbildung im Gepäck, um Tanz, Gesang und Schauspiel in Berlin zu studieren. Mit Produzent Vicente Celi (Seeed und Culcha Candela), ihrem Piano-Klangtüflter Simon Steger und Drummer Martin Bach präsentieren Mockemalör ihr reifes Debütalbum "Schwarzer Wald".

Die Stage

Man kommt sich ein wenig vor wie bei Tante Elsa zu Besuch: Die Fransen der tieflila leuchtenden, stoffumspannten Stehlampen wackeln zum Beat. Der Sound ist kristallklar und satt, – wir befinden uns wohlbemerkt im SWR-Funkhaus – die Drums scheppern leider ein bissl' aufdringlich.

Die Crowd

Ein paar Hörwillige stehen durch, weil es nicht genügend Sitzplätze gibt. Sprich, der Schlossbergsaal ist voll, voll mit gespannten Gesichtern, meist älterer Semester.

Track-Check

Das Trio macht Alemannisch mit urban Pop, Indie und Elektro salonfähig, so ganz ohne den Beigeschmack von Provinz. Teilweise fusionieren Industrial-Sounds mit Jahrmarkt und Varieté, dann wird man urplötzlich an Kraftwerk und andere Synthie-Bands erinnert. Mezzosopranistin Ganter wirkt mal verspielt katzenhaft wie MIA und mal melancholisch damenhaft wie Marlene Dietrich. Ohrwürmer mit modifiziertem Alemannisch vermischen sich mit Klavier-Sphären-Phaser-Klang.

Fail

20 Minuten Pause sind vielleicht im Theater ganz in Ordnung. Und wenn dann das vom Moderator angepriesene tolle "Funk-Bistro" mit lediglich einer Person am Tresen 70 Leute abspeisen muss, bleibt die Kehle eben trocken, oder man steht ganze zwanzig Minuten.

Pauschalurteil

"S' Lebe isch traurig und schö!", singt die Ganter mit einer wunderbar tiefgründigen Stimme. Der Weltstadtgroove von Mockemalör ist edel und der Dialekt liegt ihr so schön im Mund. Sie versteht ihre Musik als eine Art Meditation, daher ist der Funke, der überspringen soll, nicht ganz leicht zu spüren. Jedenfalls löst die Naturschönheit aus Hinterzarten einen Reiz aus: Sie ist die prächtige Enkelin, die Tochter, auf die man Stolz sein kann und die fesche Freundin in einer Person. Was in Erinnerung bleiben wird, ist ihre Präsenz, ihre Stimme und das Zugabe-Lullaby mitten im Publikum – "Es isch halt mal was anderes".

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