Bandporträt

Was die Freiburger Postcore-Band Notschrei antreibt, ist die Freundschaft

Stefan Mertlik

Freiburg ist um eine harte Gitarren-Band reicher. Anfang Juli hat die Postcore-Gruppe Notschrei ihre Debüt-EP "Aus dem Nichts" veröffentlicht. Die fünf Mitglieder sind in der regionalen Szene keine Newcomer mehr.

"Mit nur einer Band wäre ich nicht ausgelastet", gibt Schlagzeuger Tilman Collmer zu. Tatsächlich spielen er, die Gitarristen Gilang Agitama und Daniel Witzke, Sänger Markus Fürderer und Bassist Klaus Kirschbaum auch in anderen Gruppen.


Notschrei unterscheidet sich allerdings von Projekten wie Dekadenz, Proke und Code Red. "Ich wollte keine weitere Metal-Band gründen", sagt Tilman. Stattdessen spielt das Quintett rifflastigen Postcore, der zwischen Härte und Melodien pendelt. Am 10. Juli erschien ihre Debüt-EP "Aus dem Nichts".
"Jeder sollte die Stimme erheben, wenn er das Gefühl hat, sie sollte erhoben werden." Markus Fürderer

Anders als bei anderen Bands aus dem Core-Bereich sind die Texte deutlich zu verstehen. Markus Fürderers Vortrag erinnert in Stücken wie "Lass los" sogar an Sprechgesang. "Privat höre ich sehr unterschiedliche Musik – auch Rap", sagt Markus. Aufgewachsen ist der 33-Jährige mit dem Nu Metal, der um die Jahrtausendwende die Hitparaden beherrschte. Dass einzelne Strophen gerappt klingen, sei aber ungewollt.



"Glaub nicht dem, der am lautesten spricht / sondern hinterfrage Wort und Schrift", heißt es in "Was bleibt". Markus, der sich in der March als Kommunalpolitiker engagiert, interessiert sich für gesellschaftliche Themen. Die Musik gibt ihm die Möglichkeit, klare Botschaften zu vermitteln: "Jeder sollte die Stimme erheben, wenn er das Gefühl hat, sie sollte erhoben werden." Als politische Band versteht er Notschrei trotzdem nicht.

Freiburg als Wüste für harte Gitarrenmusik

Die EP hat keinen Monat auf dem Buckel, neue Musik befindet sich aber schon in der Pipeline. "Wir treffen uns derzeit, um Songs zu schreiben", sagt Tilman. Da sie die aktuelle Platte nicht auf Konzerten vertreiben können, fehlt ihnen eine wichtige Einnahmequelle. Das Geld aus dem Merchandise-Verkauf wollten sie eigentlich in die nächsten Aufnahmen stecken. Wie es konkret weitergeht, wissen auch sie nicht.

Schon vor Corona entwickelte sich Freiburg spätestens mit der Schließung des Walfischs zu einer Wüste für harte Gitarrenmusik. Über die Stadtgrenzen hinaus sieht es nicht besser aus. Notschrei bleiben trotzdem entspannt. Die Mitglieder sind hauptberuflich Lehrer, Berufsmusiker, Fahrradkuriere und Servicetechniker und damit nicht auf den Durchbruch angewiesen. Das bestätigt auch Tilman: "Es geht darum, etwas mit Leuten zu machen, mit denen man gerne seine Freizeit verbringt."
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