Freiburg

Warum musste ein Banner mit Dank an Corona-Helfer abgehängt werden?

Joshua Kocher

Freiburger Ultras mussten am Montag eines ihrer Danke-Banner für Corona-Helfer abhängen. Laut Polizei sei es nicht ausreichend gesichert gewesen. Die Fußballfans widersprechen.

"Ihr seid die Helden unserer Stadt, macht den Virus platt" und: "Danke allen Helfern!". Diese Sprüche haben Mitglieder der Gruppierung Synthesia Ultras 79 am Wochenende auf Banner gesprayt und in Freiburg aufgehängt – an der Blauen Brücke, vor der Uniklinik, am Josefs- und Diakoniekrankenhaus und an der Lorettoklinik.


Eines der Banner, an der Blauen Brücke am Hauptbahnhof, hängt seit Montagabend nicht mehr. Streifenpolizisten hätten zwei Ultras, die das Banner nochmal zurechtgerückt hätten, aufgefordert es abzuhängen. Das schreiben die Betreiber des Fanportals Nordtribüne.org in einem Facebookbeitrag. Er wurde mehrere Hunderte Mal geliked und geteilt und sorgte über die Fanszene des SC Freiburg hinaus für Aufregung. Das Banner hängt seitdem nicht mehr.

"Es flatterte und war nicht richtig befestigt."Polizeisprecherin Laura Riske
Die Beamten hätten befürchtet, dass der Verkehr unter der Blauen Brücke gefährdet werde, sollte das Banner herunterfallen, sagte Polizeisprecherin Laura Riske auf BZ-Nachfrage. "Es flatterte und war nicht richtig befestigt." Es seien zwar die Personalien der beiden Ultras aufgenommen, aber keine rechtlichen Schritte eingeleitet worden.

Die Ultras sagen auf BZ-Nachfrage, das Spruchband sei täglich auf Festigkeit kontrolliert und am Montagabend erneut fixiert worden. Auch wunderten sie sich darüber, dass ihre Namen protokolliert wurden. Riske sagt, das diene der internen Dokumentation.
Freiburger Ultras und die Polizei: Versuch einer Begegnung auf dem Podium

Im Post von Nordtribüne.org heißt es: Die Polizei kämpfe "selbst in dieser schwierigen Situation (...) mit allen Mitteln gegen Fußballfans aus Freiburg." Polizeisprecherin Riske entgegnet, es sei nicht darum gegangen, irgendjemanden zu schikanieren. Die Polizei habe sich sogar über die Banner gefreut, schließlich hätten sie sich auch angesprochen gefühlt.

In einer am Mittwochvormittag veröffentlichten Pressemitteilung der Polizei im Anschluss an die BZ-Anfrage heißt es ferner: "Andere vergleichbare Spruchbänder im Bereich des Diakoniekrankenhauses sowie des Universitätsklinikums wurden, obwohl grundsätzlich eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich wäre, nicht beanstandet, weil keine Gefahr für den Straßenverkehr vorlag."

Wurden Überwachungsvideos an der Uniklinik gesichtet?

Auch hier blasen die Fans in ein anderes Horn. In ihrem Facebookpost heißt es weiter, die Betreiber hätten am Samstag eine Nachricht aus Kreisen der Uniklinik bekommen, in der es heißt, dass die Polizei Videomaterial sichte, um die "Drahtzieher der Solidaritäts- und Unterstützungsspruchbänder ermitteln zu können." Die Sprachnachricht liegt der BZ vor. Polizeisprecherin Riske sagt, der Vorwurf sei unwahr.

In Dresden gab es am Montag einen ähnlichen Vorfall. Dort haben Beamte ein Ultra-Banner am Elbufer eigenhändig abgehängt. Das Banner soll laut der Sächsischen Zeitung nun aber nach Vermittlung zwischen Verein und Stadt an einem anderen prominenten Ort aufgehängt werden.