Interview

Warum Freiburger PH-Studierende vor dem Kultusministerium protestiert haben

Felicia Herr

Eine E-Mail vom Kulturministerium an PH-Studierende hat für viel Empörung gesorgt: Nach ihrem Studium sollen diese in Zukunft eines ihrer drei Fächer abwählen. Die Freiburger Studentin Franziska Schreiber protestiert mit einer Foto-Aktion.

Die Nachricht von der Verordnungsänderung ging am 8. September an alle Examensabsolventinnen und -absolventen von Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg mit Prüfungsordnung 2011, die ab 2021 ins Referendariat starten wollen. Dass künftig nur noch zwei von drei studierten Fächer im Referendariat ausgebildet werden sollen, empört die PH-Studentin Franziska Schreiber so sehr, dass sie zusammen mit Jannik Held von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Südbaden (GEW) und Andreas Bauer von der Landesstudierendenvertretung eine Protestaktion gegen das Kultusministerium initiiert hat.

Franziska selbst studiert die Fächer Deutsch, Technik und Alltagskultur und Gesundheit an der PH in Freiburg. Sie startet zwar erst 2022 ins Referendariat, die neue Verordnung wird aber auch sie betreffen. Im Interview erklärt sie die konkreten Kritikpunkte und wie sie mit einer Foto-Petition vor dem Landtag in Stuttgart dagegen vorgeht.

Franziska, was beschäftigt und ärgert dich und viele Lehramtsstudierende an dieser Verordnungsänderung so sehr, dass ihr euch mit einer Petition direkt an die Kultusministerin Frau Eisenmann wendet?

Vier Dinge beschäftigen uns besonders: In den Schulen in Baden-Württemberg herrscht aktuell ein akuter Mangel an Lehrkräften. Werden wir nun in unserem Referendariat nur noch in zwei anstatt in drei Fächern ausgebildet, stehen wir für die Schulen in einem Fach weniger zu Verfügung. Daher ist diese Verordnung bildungspolitisch anzuzweifeln.

Wir kritisieren zudem sehr, wie der Informationsfluss seitens des Kultusministeriums abgelaufen ist. Erst nachdem sich die Studierenden mit Angaben ihrer drei Fächer am 1. September für das Referendariat beworben haben, kam die Information über die Verordnung der Fachabwahl. Für diese Abwahl haben die Studierenden lediglich eine Frist von 21 Tagen bekommen, bis zum 30. September. Zuvor wurden wir über die Planung des Kultusministeriums, die laut Dörte Conradi, Ministerialdirigentin des Kultusministeriums, übrigens schon seit 2015 beschlossen ist, nicht informiert. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Auch sehen wir die Lehrbefähigung für unser drittes Fach, die durch 70 Ausbildungsstunden im Nachhinein erworben werden könne, als sehr problematisch an. Denn diese ist nicht vergleichbar mit einem abgeschlossenen zweiten Staatsexamen in dem jeweiligen Fach. Diese Befähigung während eines vollen Deputats zu erwerben ist außerdem ziemlich zeitaufwändig.

Natürlich betrifft uns die neue Verordnung auch ganz persönlich. Studieren kostet Zeit, Mühe und Geld. Wenn wir von Beginn an nur zwei anstatt drei Fächer studiert hätten, wären wir früher fertig geworden. Wer ersetzt uns diese Mühe, die Zeit und das Geld? Wir befürchten zudem, dass uns durch die Abwahl eines Faches nun gegenüber den Studierenden oder Junglehrerinnen und -lehrern, die sich bis 2020 noch mit drei Fächern bewerben konnten, Nachteile entstehen.

Warum soll die bisherige Verordnung so geändert werden, dass Lehramtsstudierende mit drei Studienfächern künftig nur zwei dieser Fächer im Referendariat verfolgen können?

Grund dafür ist die Umstellung des Studienganges Lehramt auf Bachelor/Master, wobei generell nur noch in zwei Fächern ausgebildet wird. Allerdings konnte uns Frau Conradi keine Angaben machen, wie viele Studierende tatsächlich von der Überschneidung der beiden Studiengänge betroffen sind. Deshalb klingt dieses Argument für uns sehr fragwürdig.

Was, denkt ihr, kann eure Foto-Petition bewirken, was bisherige Briefe nicht geschafft haben?

Gesichter mit einem kurzen Wort sagen meist mehr als ein langer Text. Ich denke daher, dass unsere Foto-Petition Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bewirken kann. Das kann sie nicht nur, das hat sie schon. Und diese Aufmerksamkeit ist für uns ein wichtiges Mittel, um etwas zu bewirken. Da wir die 300 Fotos persönlich vor dem Landtag in Stuttgart an Frau Conradi übergeben haben, haben wir eine direkte Reaktion von ihr bekommen. Tolle und professionelle Unterstützung für diese Foto-Petition haben wir von Jannik Held von der GEW Südbaden bekommen, ohne den es die Aktion nicht geben würde.

Welche Reaktionen auf eure Petition habt ihr vor dem Landtag in Stuttgart erlebt?

Das war schon ganz schön verrückt. Frau Conradi hat uns empfangen. Nach kurzer Zeit erschienen noch mehr Landtagsabgeordnete. Alle haben ein Statement zu der Situation gegeben. Wir haben also eine kleine Diskussion unter den Abgeordneten ausgelöst. Das war schon ziemlich klasse. Auch mit Frau Conradi haben wir viel länger diskutiert als gedacht. Das Ganze hat dann eine Stunde gedauert und wir sind mit der Übergabe der Bilder sehr zufrieden. Dr. Stefan Fulst-Blei von der SPD unterstützt unsere Aktion nun auch öffentlich auf seiner Facebook-Seite.

Was wünscht ihr euch vom Kultusministerium?

Eigentlich sind das keine Wünsche, sondern Forderungen: Wir fordern, dass wir keines unserer Fächer abwählen müssen. Dass wir nicht ein Fach umsonst studiert haben. Ebenso fordern wir bei zukünftigen, uns Studierende betreffenden Entscheidungen eine transparente wie auch frühzeitige Kommunikation.

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