Bundestagswahl

Wahl-o-mat gestartet – aus Freiburg kommt mit dem Wahl-Swiper eine Alternative

Thomas Steiner

Der Wahl-o-mat für die Bundestagswahl ist frei geschaltet. Aus Freiburg gibt es ein ähnliches Informationsangebot, den Wahl-Swiper. Er funktioniert wie eine Dating-App und soll junge Leute anziehen.

Wen soll ich am 26. September wählen? Wer kein Stammwähler einer bestimmten Partei ist, tut sich vielleicht schwer mit der Entscheidung. Die Programme sämtlicher Parteien zur Bundestagswahl zu studieren, bräuchte viel Zeit. Deshalb stellen etwa Zeitungen – wie auch die BZ – Vergleiche an, in denen die Aussagen der Parteien zu wichtigen Fragen zusammengefasst und verglichen werden. Noch konzentrierter sind zwei Angebote im Netz: der am Mittwoch gestartete Wahl-o-mat und der schon einige Zeit bereitstehende Wahl-Swiper.



Auf beiden Seiten, die es online wie auch als Apps gibt, werden rund drei Dutzend Fragen gestellt wie "Soll der Mindestlohn auf mindestens zwölf Euro angehoben werden?" oder "Soll eine Vermögenssteuer erhoben werden?". Die Nutzerin entscheidet sich jeweils für ein "Ja", "Nein" oder "Neutral" (beim Wahl-o-mat, beim Wahl-Swiper kann man die Frage überspringen). Am Ende werden die Antworten mit den Aussagen der Parteien verglichen. Und man bekommt mitgeteilt, mit welcher Partei man die meisten Übereinstimmungen in den Antworten hatte.

"Wen Sie dann wählen, ist Ihre eigene Entscheidung" Uwe Wagschal
Eine richtige Wahlempfehlung soll das nicht sein, eher eine Hilfe. "Wen Sie dann wählen, ist Ihre eigene Entscheidung", sagt Uwe Wagschal, Politikwissenschaftler der Universität Freiburg. Er ist der Kopf des Teams, das den Wahl-Swiper aufgesetzt hat. Verantwortet wird die App von einem eigenen Verein. Der Wahl-o-mat wird seit fast 20 Jahren von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) betrieben und bei Bundestags- wie Landtagswahlen millionenfach genutzt.

Warum dann ein alternatives Angebot aus Freiburg? Professor Wagschal findet Wettbewerb erstmal gut, wie er sagt – und er hält den Wahl-Swiper für besser. "Wir haben die frischere Technik", meint er. In der App mutet der Wahl-Swiper an wie eine Dating-App: Für die positive oder die negative Antwort wird einfach das entsprechende Bild nach rechts oder links gewischt. Wichtiger aber ist das, was hinter den Frage-Bildern steckt.

Wahl-Swiper gibt es in sechs Sprachen

Das Wahl-Swiper Team hat mit großem, meist ehrenamtlichem Aufwand Informationen zu den 36 Wahl-Fragen eingestellt. Es sind Erläuterungen, als Text und als Video, zum Beispiel was überhaupt der Mindestlohn ist, wie hoch er derzeit ist und warum die einen für eine Erhöhung, die anderen gegen eine solche sind. Der Wahl-Swiper sei deshalb auch ein "Informationsangebot", sagt Wagschal. Und noch etwas unterscheidet den Wahl-Swiper vom Wahl-o-mat: Es gibt ihn, inklusive der Videos, nicht nur auf Deutsch, sondern auch in fünf weiteren Sprachen.
Die beiden Angebote: