fudder-Tipps

"Wäre ich noch einmal Ersti, würde ich … "

Am 3. November starten Tausende Erstis ins außergewöhnliche Corona-Semester an der Uni Freiburg. Um ihnen den Start zu erleichtern, hat die fudder-Redaktion die wertvollsten Tipps gesammelt. Hier kommt Teil I.

Andreas Woitzik, 26, Doktorand am Lehrstuhl für Quantenoptik und -statistik

"Wäre ich noch einmal Ersti, würde ich viel früher mit den Leuten sprechen, die schon länger dabei sind. Am Anfang war ich sehr glücklich in meiner Ersti-Blase. Die ist auch sicherlich gut, um Freunde für den Studienstart zu finden. Gleichzeitig liegt viel der Weisheit des Studierens bei den höheren Semestern. Mit diesem pathetischen Ausdruck meine ich eher praktische Dinge wie: Welche Bibliothek hat die besten Arbeitsplätze? Welche Professoren sollte ich selbst bei spannenden Seminarthemen meiden und wie komme ich eigentlich am besten an ein günstiges WG-Zimmer in Uni-Nähe?

Andreas

Sicher lernt man am nachhaltigsten aus Erfahrungen, aber davon gibt es im Studium genug. Manche unschönen Erfahrungen könnt Ihr Euch sparen, indem Ihr mit den Älteren ins Gespräch kommt. Also geht ruhig einmal auf einen Kaffee bei Eurer Fachschaft vorbei und quatscht mit den Leuten dort oder quetscht einen Kommilitonen höheren Semesters aus, den Ihr beim Uni-Sport kennengelernt habt."

Carolin Johannsen, 21, 4. Semester Skandinavistik (Hauptfach), Nebenfach Psychologie

"Neue Freunde finden gehört zum Studium mit dazu. Mach dir aber keinesfalls Stress, sofort möglichst viele Kontakte zu knüpfen, bloß um nicht alleine zu sein! Natürlich ist es wichtig, Freunde zu finden, aber zwing dich nicht dazu. Gerade am Anfang ist es auch normal, mal einen Abend alleine zu verbringen und vor lauter neuen Eindrücken keine Lust auf irgendwas zu haben.

Italian Carolin

Versuch am besten, direkt am Anfang herauszufinden, wo welche Gebäude sind. Zwar wirst du vermutlich nicht allzu viel Präsenzunterricht haben, trotzdem ist es gut, sich zurechtfinden zu können und sich nicht in KG I zu verlaufen, wenn man eigentlich im KG III ein Seminar hat.

Tutorate lohnen sich! Die älteren Studierenden haben meistens Ahnung von dem, welche Anforderungen in den Kursen herrschen und können Insidertipps gehen. Mensa ist nice, aber nicht jeden Tag. Klar ist es cool, jeden Tag etwas Warmes zu essen zu haben, ohne selbst dafür kochen zu müssen. Aber wenn es jeden Freitag Milchreis gibt, wird das auf die Dauer auch langweilig – finde ich jedenfalls.

Wenn du Zeit und Lust hast, probier doch einfach die verschiedenen Mensen durch, insbesondere die Rempartstraße und das Institutsviertel liegen nah genug beieinander dafür.

Versuch, die Ruhe zu bewahren. Insbesondere in den ersten Wochen kommt viel auf dich zu. Einfach mal durchatmen, ein wenig spazieren gehen, das Semesterticket nutzen und in den Schwarzwald fahren oder einen Kaffee trinken. All das ist okay, du musst nicht gleich am Anfang alles perfekt können und verstehen!"

Joshua Kocher, 25, arbeitet heute als Redakteur und hat bis 2017 Geschichte und Germanistik studiert

"Studiert nicht Germanistik! Zumindest nicht im Nebenfach. Das ist es nicht wert, ehrlich nicht. Ihr werdet viel zu viele Nachmittage dafür verschwenden, Wörter wie âventiure, vrouwe und minne zu verstehen, es am Ende doch nicht schaffen und sie nach einem Semester eh wieder vergessen haben. Lernt in der Zeit, die ihr für Proseminare und Vorlesungen zu mittelhochdeutscher Sprache aufwendet, lieber portugiesisch, chinesisch oder schwedisch. Mit Walther von der Vogelweide werdet ihr euch nicht mehr unterhalten können. Mit Erasmusstudierenden schon eher."

joshua

Gina Kutkat, 35, Digital-Redakteurin, studierte französische Kultur- und Medienwissenschaften

"Du liebst Frankreich: die Sprache, die Kultur und auch die Menschen? Das ist schön, heißt aber nicht, dass Du gleich Französisch studieren musst. Woher ich das weiß? Ich habe diesen Fehler bereits für dich gemacht, gern geschehen!

Es ist natürlich nie falsch, einen Studiengang zu wählen, der einem Spaß macht. Man darf aber ruhig auch seine Komfortzone verlassen und mal schauen, welches Fach besser zum Berufswunsch oder dem Karriereziel passt. Yes, Karrieziel. Think big, trau’ dich was und vor allem: Trau dir mehr zu! Ich hätte mich mit heutigem Wissen wohl eher für Politik oder Soziologie entschieden – damals aber nicht den Mumm dazu gehabt.

Gina

Und wer gar nicht weiß, was, wieso und weshalb: Such dir Rat! Sprich mit älteren Menschen (alle ab 30!), lass’ dir Tipps geben, schau dich um – irgendwann wirst auch Du wissen, was richtig für dich ist."

Jennifer Fuchs, 36 , freie Mediengestalterin und Autorin, Mediendesign/Medienkunst-Studium

"Schau am Anfang wirklich JEDEN Tag in dein Uni-Email-Postfach, sonst kann es sein, dass Du wichtige und interessante Veranstaltungen verpasst. Falls das Bafög nicht reicht und Du dir einen Nebenjob suchen musst, dann such dir einen, der dir auch wirklich Spaß macht. Es ist schließlich auch deine Lebenszeit und du brauchst neben der Uni nicht noch einen Job, zu dem du dich hinquälst.

Mach dir zudem nicht zu viel Stress mit den Prüfungen und schieb lieber eine ins nächste Semester, bevor es in einen absoluten Lernstress ausartet, denn im Endeffekt leidet im schlimmsten Fall deine Note (und Du!) darunter. Aber bloß nicht zu viele Prüfungen ins nächste Semester schieben, denn dann wird’s in ein paar Monaten umso stressiger.

jenni

Mit deinem Studentenausweis gibt es oft Rabatte bei öffentlichen Einrichtungen wie Kino, Schwimmbad, Museum und sogar in Second-Hand-Läden wie der Spinnwebe. Es lohnt sich also, den Studentenausweis immer im Geldbeutel dabei zu haben. In stressigen Prüfungszeiten habe ich mir immer nach einem anstrengenden Lerntag was Schönes als Belohnung gegönnt, wie zum Beispiel mit der besten Freundin abends was leckeres Essen zugehen oder einen schönen Film anzuschauen.

Zudem lohnt es sich, die Lernzeiten gut einzuteilen. So habe ich zum Beispiel unter der Woche viel für die Uni gemacht, aber die Wochenenden hatte ich dann frei zum Feiern – und das ganz ohne schlechtes Gewissen."
Studierende, die in Zeiten der Corona-Pandemie verunsichert sind oder Fragen zu ihrem Studium, möglichen Quarantäne- oder Einreisebestimmungen haben, können sich ab sofort über die Corona-Hotline an das Studierendenwerk wenden. Dort erhalten sie Antworten auf Fragen wie zum Beispiel "Wo finde ich die aktuellen Corona-Regeln?", "Wo finde ich eine Ärztin oder einen Arzt?" oder "Wo finde ich Informationen über Quarantänebestimmungen?". Die Hotline ist unter Tel. 0761/2101 300 von Montag bis Freitag zwischen 11 und 12 Uhr erreichbar.

David Pister, 23, Sport- und Deutschstudent

"’Nach hundert Metern befindet sich ihr Ziel auf der linken Seite’. Linke Hand in der Hosentasche, rechte Hand umklammert das Smartphone, Kopf starr auf den Bildschirm gerichtet – Ach, ich bin ja schon da.

Um eine Stadt neu kennenzulernen oder sich zurechtzufinden, sollte man alle Navigations-Apps von seinem Handy verbannen. Sonst folgt man blind den Anweisungen der unfreundlichen Computerstimme und verpasst die schönsten Ecken.

david

"Schick mal den Standort" oder Orte teilen, – gängige Praxis der Whatsappkommunikation. Wenn man den Namen des Restaurants oder der Bar kennt, einfach mal draufloslaufen und zur Not Fußgänger fragen. So lernt man Straßennamen und neue Leute kennen. Der größte Nebeneffekt ist allerdings, dass man schöne Plätze, versteckte Gassen oder neue Cafés entdecken kann. So macht man sich ein Gesamtbild der Stadt, in die man gezogen ist.

Tipps für Fortgeschrittene: Ohne Ziel umherirren. Ohne Stress oder Termine kann man direkt in die neuentdeckte Bar einkehren und bei einem Bier die Leute beobachten."

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