Weihnachtskitsch

Vor einem Haus in Herbolzheim leuchten Santa Claus, Pinguine und ein riesiger Elch

Werner Schnabl

In Herbolzheim hat ein Bewohner sein Haus mit leuchtender Weihnachtsdeko verziert. Doch die Attraktion ist für die Gemeinde aufgrund der aktuellen Corona-Lage auch Anlass zur Sorge.

Ja ist denn schon Weihnachten?, hat sich mancher Passant gedacht, der in den vergangenen Wochen abends in der Straße "In der Kammerten" in Herbolzheim schlenderte und dem 55.000 LED-Lampen von dem Anwesen von Sven Kovacs entgegenstrahlten. Das Funkeln füllt alle Ecken und Giebel aus, das Haus in Herbolzheim war und ist Anlaufstelle für Neugierige aus der ganzen Region. Das große Leuchten ist von weitem sichtbar.


Video: Das Weihnachtshaus von Herbolzheim


Kovacs hat sein Lichterarrangement in diesem Jahr noch einmal zu toppen versucht. "Fast alles ist neu", sagt er. "Zumindest die Thematik." Der Unternehmer deutet auf einen sieben Meter hohen Weihnachtsmann. Fast eine Stunde braucht der aus den USA importierte Santa Claus, bis er aufgeblasen, in voller Pracht, dasteht. Daneben watscheln, Zuckerstangen leckend, zwei überdimensionale, angestrahlte Pinguine. Der Dachfirst ist von Lichtern überzogen, die die Ziegel regelrecht glühen lassen. Und sein Jammern, Wimmern und Brüllen hat der Fünf-Meter-Elch, der im vergangenen Jahr schon aufgebaut war, nicht verlernt.

Eigentlich sollte das Haus täglich bis 22.30 Uhr leuchten, allerdings musste Kovacs natürlich auf die corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen reagieren, nun wird Punkt 20 Uhr das Licht ausgeschaltet. Sven Kovacs achtet vor seinem Haus auf die Abstandsregelung, sagt er.

Dennoch monierten Leute, dass die Regeln nicht immer eingehalten wurden. So kam es vor, dass sich Menschen mit Picknickkorb und Glühwein vor dem Haus aufhalten wollten. Kovacs räumt ein, dass neulich sonntags das Aufkommen vor seinem Haus zu groß gewesen sei, der Zwei-Meter-Abstand konnte nicht gewährleistet werden, auch die Maskenpflicht wurde nicht immer eingehalten.

Inzwischen ist der Ansturm etwas abgeebbt. Die Polizei fährt trotzdem häufig dort Streife und kontrolliert das Geschehen. Bürgermeister Thomas Gedemer betrachtet den Trubel dennoch mit großer Sorge. "Ich hoffe inständig, dass die Menschen angesichts der aktuellen Corona-Lage so vernünftig sind und auf einen Besuch verzichten", sagt er der Badischen Zeitung.

Kovacs will Glamour

Vor zwei Jahren hat der Unternehmer Sven Kovacs klein und bescheiden mit dem Dekorieren seines Anwesens angefangen. Fünf oder sechs herkömmliche Lichterketten werden es gewesen sein, die sich an der Breitseite um das Gemäuer rankten und nicht sonderlich auffielen, rekapituliert er. Dann wollte er in Sachen Weihnachtsdeko in neue Dimensionen vorstoßen – alles sollte absichtlich übertrieben sein, Kovacs wollte Glamour. Die Leuchtkraft hat er nahezu verdoppelt.

Mit der Vorbereitung fing Kovacs schon mitten im ersten Lockdown an. Im Juli bestellte er dann die Utensilien bei Firmen in der USA, wo man sich mit derartiger Weihnachtsdeko bekanntlich auskennt. Für den Aufbau brauchte er hingegen nur vier Wochen – kilometerlange Kabel wurden verlegt, Kompressoren aufgebaut, dass das Haus umgrenzende Mauerwerk mit Lichtteppichen verziert.

Am ersten Advent war es dann soweit. 55 000 Leuchtkerzen erhellten das Anwesen. Als die Hauptstecker betätigt wurden, benötigten Rentier und Nikolaus eine gewisse Vorlaufzeit, um sich aufzuplustern. Bis zum 7. Januar ist das Licht-Szenario aufgebaut.

Um 20 Uhr wird das Licht ausgeknipst – wegen der Ausgangsbeschränkung

Die Mehrheit der Befragten Bürgerinnen und Bürger findet Kovacs’ Lichtinstallationen "richtig gut", einigen ist das Ganze "zu amerikanisch", sprich: kitschig.
Sven Kovacs betont, dass es sich ausschließlich um energiesparende LED-Technik handelt; die Stromkosten beziffert er auf etwa 800 Euro. Was die gesamte Anschaffung gekostet hat, will er nicht verraten. Pandemiebedingt musste der geplante Benefiz-Glühweinausschank ausfallen – die Erlöse sollten der Kinderkrebsklinik in Freiburg zugute gekommen. Dafür erwarb Sven Kovacs kurzerhand sämtliche 3000 Christbäume des Europa-Parks, die dieser wegen der Schließung in diesem Jahr nicht brauchen konnte. Kovacs verkauft sie als Weihnachtsbäume, der Erlös geht an das Lahrer Tierheim.