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Willkommen bei den Kochs

Über das konfliktbeladene Leben mit einem Flüchtling

Es kann klappen, einen Flüchtling in die eigene Familie aufzunehmen. Es kann aber auch eine große Herausforderung sein. Hannes Koch, Journalist der Badischen Zeitung, nahm einen Flüchtling bei sich auf - und scheiterte.

Bitta tötet mich nicht hier."/ "Ich möchte mit Ihnen nur eine Woche bleiben."/ /"Ich schwöre ich sterbe."/"You killed me."

Diese WhatsApp-Nachrichten schickt mir Karim auf mein Smartphone. Er ist 21 Jahre alt, Flüchtling aus der Stadt al Bab in Nordsyrien. Seit fast einem Jahr lebt er bei uns zu Hause.

Es ist Anfang April 2017. Er und ich sind ineinander verhakt. Es geht nicht vor und nicht zurück. Das Leben zusammen ist nicht angenehm. Ich sehne das Ende seines Aufenthalts herbei. Gerade habe ich ihn zu der neuen Wohnung gefahren, in der wir ihm ab heute ein WG-Zimmer mieten. Jetzt sitze ich vor der Tür im Auto. Wir kämpfen per Kurznachricht. Gehe ich wieder hoch, nehme ich ihn wieder mit? Ich fürchte, dass Karim sich etwas antut. Oder macht er nur Druck? Diese Geschichte muss ein Ende haben.

Zu helfen scheint naheliegend und nötig. Ich möchte daran teilhaben.
Mai 2016. Meine 19-jährige Tochter ruft mich im Büro an. Sie habe heute Nacht im Club einen Flüchtling kennengelernt, der ein Bett brauche. Ja, sage ich, geht. Für ein paar Tage. Ob ich das dazugesagt oder mir eingebildet habe, weiß ich nicht. Als ich heimkomme, hat meine Tochter in einer Ecke ihres Zimmers bereits eine Matratze hingelegt und bezogen. Kiste daneben, Leselampe drauf. Ihren Bruder hat sie nicht gefragt. Mein 16-jähriger Sohn ist eben aus der Schule gekommen und unterhält sich mit Karim. Er ist schüchtern. Wir sind schüchtern. Er setzt sich sich im Wohnzimmer auf die Kante des Sofas, klickt in seinem Smartphone rum.

Ich bitte ihn in die Küche. Wir sitzen am Tisch.

Er erzählt von al Bab, damals IS-Gebiet. Zum Fastenbrechen 2015 verließ er sein Elternhaus, um Lebensmittel einzukaufen. Als er zurückkam, fand er nur noch Trümmer. Eine Rakete hatte eingeschlagen. Mutter, Vater und sein kleiner Bruder – tot. Nach der Beerdigung haute er ab – durch die Türkei, Schlauchboot nach Lesbos, Balkanroute, Deutschland, eine Kleinstadt bei Berlin. Er zeigt Fotos seiner Verstorbenen. Was gibt es da zu sagen? Wir gehen in einen Biergarten etwas essen. Unterwegs hebt er ein Papier vom Bürgersteig auf und wirft es in einen Mülleimer. Patenter Typ.

Ich finde richtig, was ich tue. Ich fühle mich gut. Seit einem halben Jahr ist der große Run im Gange. Eine Million Flüchtlinge. Zu helfen erscheint naheliegend und nötig. Ich möchte daran teilhaben.

"Wie lange kann ich bei Euch bleiben?", fragt Karim nach ein paar Tagen. "Bis wir eine Wohnung für dich gefunden haben", antworte ich. Abends bin ich bei Freunden eingeladen. Viele haben jetzt "einen Syrer". "Unser Flüchtling hat gestern..." – so beginnen die ...

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