Öffentliche Fahndung

Transfrau sieht sich durch Formulierung der Polizei Freiburg diskriminiert – die will dazulernen

Gina Kutkat

Dass Polizei und Medien vergangene Woche per Meldung nach einem "Mann in Frauenkleidern" suchten, sorgt für Aufregung bei der betroffenen Transfrau. Sie wirbt für Sensibilisierung, die Polizei sieht den sprachlichen Fehler ein.

Eine Polizeimeldung sorgt für Aufregung – inhaltlich und sprachlich. Gesucht wurde vergangene Woche nach einem "Mann in Frauenkleidern, der spielende Kinder fotografiert". Die gesuchte Person ist eine zu unrecht verdächtigte Transfrau, die nun für mehr Sensibilität wirbt. Unterstützung erhält sie von der Freiburger Organisation "Fluss".


Die Polizei suchte am 30. Juli per Meldung, die auch in der BZ und auf fudder.de erschien, einen "Mann in Frauenkleidern", der in Weingarten und Betzenhausen angeblich dabei beobachtet wurde, spielende Kinder zu filmen.

Einen Tag später folgte die Entwarnung: Es handelte sich um eine Transfrau, die Aufnahmen für ein Filmprojekt machte – ohne kriminelle Absicht. An dieser Stelle könnte der Fall erledigt sein. Doch die Formulierung "Mann in Frauenkleidern" hat bei der betroffenen Transfrau Michaela Klähn und Freiburger Organisationen wie den Vereinen "Fluss" und "TransAll", die sich für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt engagieren, für Verletzung und Aufregung gesorgt.



"Die Beschreibung klingt für mich, als sei sie Teil des Tatbestandes", sagt Michaela Klähn. "Als sei meine Kleidung verdächtig. Das ist stimmungsmachend." Ihre Meinung zu dem Thema hat sie auch auf Youtube veröffentlicht. In knapp vier Minuten erklärt sie, wie die Polizei vor ihrer Tür stand, sie auf den Vorfall ansprach und alles schnell geklärt wurde.

Wunsch nach sensiblerer Sprache

Doch da kursierte bereits ein Foto von ihr auf Facebook. Jemand hatte sie beim Filmen fotografiert und als "Mann in Frauenkleidern" online zum Täter gemacht. Die Folgen zeigten sich ein paar Tage später, als Klähn in Weingarten von einigen Jugendlichen verfolgt und gefragt wurde, warum sie Kinder filmen würde. "Ich bin verunsichert", sagt Klähn.

Dass die Polizei anfangs eine konkrete Gefährdung ausschließen musste und auffällige Merkmale bei der Personensuche helfen, kann Klähn gut nachvollziehen. "Lieber einmal zuviel nachfragen", sagt Klähn, die selbst Kinder hat. "Ich möchte niemanden anklagen." Sie wünsche sich sensiblere Sprache und schlägt vor, beim nächsten Mal "Person mit beigem Rock und bauchfreiem Top" zu schreiben.

Polizei nimmt Kritik ernst

Nicht so versöhnlich schreibt es "Fluss" in einem offenen Brief. Die Formulierung sei "höchstproblematisch", so die Organisation. Man verurteile solche Bilder scharf, da sie "Transfeindlichkeiten" verfestigten. Auch habe die Polizei online "menschenfeindliche Kommentare" unter einem Beitrag nicht gelöscht.

Die Kritik ist bei der Polizei Freiburg angekommen – allerdings nur durch den Brief, nicht durch direkten Kontakt mit "Fluss". "Wir würden solch eine Formulierung künftig nicht mehr wählen", sagt Martin Lamprecht, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Man achte beim Berichterstatten stets auf sensible Sprache und darauf, niemanden zu diskreditieren.

Die Zielsetzung des Aufrufs sei aber eine andere gewesen: "Ein schneller Fahndungserfolg – der ist uns auch geglückt." Man sei bereit, mehr über das Thema zu lernen. Um Fragen und Irritationen zu klären, schlägt die Polizei einen runden Tisch mit allen Beteiligten vor.

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