Tattoo, Titten und Trollies: So war die Tattoo-Convention in Freiburg

Nightlife-Guru

Der Türsteher sieht aus wie Wiz Khalifa, die Gäste haben Luftballon-Penisse um sich gebunden: Auf der Tattoo-Convention waren nicht nur die Tattoos bunt. Der Nightlife-Guru hat auch ein Dackel-Motiv auf dem Oberschenkel bestaunt - in Schwarz-Weiß:



Die Türsteher

Der Türsteher ist im Gesicht so bunt wie ein Kindermandala. Dazu trägt er mehr Ringe an der Nase als Liz Taylor Verlobungsringe am Finger hatte – und die Filmschauspielerin war acht Mal verheiratet. Er sieht aus wie Rapper Wiz Khalifa.

Er nimmt meine Hand und stempelt mir mein erstes Tattoo auf die Hand: ein Blümchen für 15 Euro Eintritt. Mit einer Handbewegung, die eigentlich nur Fans bei Hip-Hop-Konzerten machen, winkt mich Herr Khalifa durch. Danke, Sir. „Welcome to the Tattoo-Convention.“

Das Ambiente

Hard-Rock-Musik und das schrille Piepsen von stechenden Elektronadeln. Bin ich in einem Saw-Film gelandet? Wo ist der Clown, der meist auf seinem Kinder-Dreirad angefahren kommt? Nun ja, zumindest sein kleiner Bruder, der Joker, ist anwesend. Er vertickt  Lollies und Trollie-Gummibärchen. Nervennahrung, schätze ich.

Jedenfalls scheint das die Dame auf der Liege zu gebrauchen. Ihr Gesicht wirkt angespannt. Die Tätowiererin hingegen sieht ziemlich gelassen aus. Schließlich wird sie angegrinst – von einem Hundegesicht. Es ist das Motiv, das jetzt den Oberschenkel der Dame schmückt. Wer mag das nicht: Dem Partner oder der Partnerin den Rock ausziehen und auf dem Bein in die Augen eines Dackels blicken. Manche mögen‘s heiß!

Überall liegen oder sitzen Menschen und lassen sich verziert. Über 100 Stände, jeder will deine Haut, jeder will dich stechen. Gerade als Tattoo-Nackedei ist die Convention beeindruckend. Die Menschen, die Kunst, die Musik.

Ich fühle mich ein bisschen wie Alice, die in eine neue Welt fällt. Nur warten hier nicht Humpty-Dumpty oder der Hutmacher auf mich, sondern Männer mit Bizeps und eine Stripperin.



Inneneinrichtung und Deko

Deko ist hier alles und jeder. Eine Frau läuft an mir vorbei. Ihr Lidstrich ist länger als der von Amy Winehouse. Ihre  Haare sind zu Dreads gedreht und pink. Ihr Schuhabsatz ist fast länger als ihr Rock. Immerhin kann sie drauf laufen.

Und die Männer an den Ständen sind ehrlich gesagt ziemlich heiß. Die meisten sehen aus wie Dwayne The Rock Johnson, nur mit Kunst auf ihren Oberärmen. Wer nicht drauf steht, der wirft einen Blick in die Mappen der Tätowierer. Starke Motive, sehr exakt und realistisch gezeichnet. Vielleicht landet heute doch nicht nur ein Blümchen-Stempel auf meiner Haut.

Dwayne The Rock quatscht auf mich ein. „Hast du dir schon was überlegt?“ – Noch nicht, aber bitte rede weiter. Bei dem überleg ich mir das noch mit dem Hündchen-Tattoo.

Hier gibt es aber nicht nur Kunst-to-go. Angeboten werden Piercings, T-Shirts, Intimschmuck und Hände – für 40 Euro. Die sind tätowiert und in Einmachgläsern verpackt. Glitschig, bäh. Was mich aber mehr verwirrt, als eine Hand in der Hand zu halten, ist das Helene-Fischer-Ultras-Hemd.

Ernsthaft? Hier läuft Rock, hier wird gestript. Hier ist kein Platz für Helene! Dann doch lieber die Bonnie-und-Clyde-Jacke. Für untenrum gibt es einen rosa Tanga für 3 Euro. Wem das noch zu freizügig ist, der kauft sich gleich drei – Sonderpreis 6 Euro.

Klangwaren-Tüv

Sex, Tattoos, Rock’n‘Roll: Auf der Bühne am Ende der Halle trommeln zwei Typen kräftig auf das Schlagzeug ein - so mögen wir das.

Wer war da?

Von Typen, die aussehen wie Rick Genest - der Zombie-Boy - bis zum braven Fräulein Unschuldig. Frauen mit Nikes und Nieten-Pumps, Männer mit Sandalen und Sneaker. Was mich etwas verwundert, sind die zwei bis drei jüngeren Kids. Bis zum Alter von zwölf Jahren gibt es vergünstigten Eintritt. Aber was wollen die hier?

Besonders witzig fanden sich drei Männer mit einem aufgeblasenen Penis. Mit dem riesengroßen Luftballon um die Hüften wollen sie die Convention unsicher machen. Auf dem T-Shirt des einen steht „I love my fucking Penis“. Da ist er wohl der einzige. Der Stecher Nummer eins ist er heute sicher nicht. Das sind die Tätowierer aus den USA, Frankreich, der Schweiz, Deutschland und Co.

Meine fünf Minuten Stripteas

Die Band trommelt weiter auf dem Schlagzeug und wird immer lauter. Angekündigt wird eine Dame, die aussieht wie Cartoon-Kurvenwunder Jessica Rabbit: Rote, dicke lange Haare, ein sehr knappes Outfit und dazu schwarze Mega-Plateau-Pumps mit circa 20 Zentimetern.

Sie bückt sich mit ausgestreckten Beinen nach unten und präsentiert den Herren der Schöpfung ihren Po. Immerhin kommt sie mit den Händen bis zum Boden, aber dass sie dehnbar ist, verheimlicht sie nicht lange. Das eine Bein hier, das andere da und während ich überlege, wie sie das macht, trägt sie ein Kleidungsstück weniger. Dann fängt sie im Spagat an, auf dem Boden zu twerken. Miley Cyrus kann abdampfen. Jetzt ist sogar noch der Busen blank!

Fazit

15 Euro Eintritt sind für das, was man zu sehen bekommt, fair. Und das ist nicht alltäglich. Und wenn man sich schon für knapp 800 Euro ein Tattoo stechen lässt, dann tut der Eintrittspreis keinem mehr weh.

Am nächsten Morgen bin ich verschlafen und schlapp. Wo war ich? Tattoo-Convention! Ich stehe schnell auf und renne ins Bad. Doch keine Sorge - im Gegensatz zu Stu aus Hangover habe ich kein Tattoo im Gesicht. Nur ein Blümchen-Stempel auf der Hand - Dwayne The Rock Johnson konnte mich doch nicht mehr überreden.

[Video: Falko Wehr]

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Fotos: fudder

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