Tag X+1 bei den Hausbesetzern: Die Soli-Demonstration

Anne-Kathrin Weber

"Wer versucht uns am Leben zu hindern, spürt unseren Widerstand" verkündete das Spruchband, das die ehemaligen Besetzer des Antoniushauses und ihre Sympathisanten der linken Szene gestern durch die Freiburger Innenstadt trugen. Die Polizei war mit 200 Beamten im Einsatz und sorgte für einen weitgehend friedlichen Ablauf.

Gegen 19 Uhr trafen sich die rund 150 Demonstranten im Grün. Manche brachten Bier und Wein mit, andere malten Spruchbänder und probten die gängigen Parolen.  Die Stimmung sei gut, erzählte ein Student, der auch bei der Hausbesetzung dabei war. Viele seien müde, aber weiter kämpferisch und euphorisch. "Wir sind froh, dass bei der Räumung keiner verletzt wurde und wir gegen Mittag alle wieder auf freiem Fuß waren." Auf den verteilten Flyern steht als ein Zielort der Demo auch das "Haus Günter", wo die Linksalternativen den Hausbesitzer vermuten.

Mit etwas Verspätung ging die Protestaktion dann los. Jongleure, Clowns mit Wasserbomben, Frauen mit Kinderwägen, Studenten mit Fahrrädern - alle liefen von Musik und Sprechchören begleitet die Faulerstraße entlang in Richtung Kronenbrücke. Mit dabei war auch Coinneach McCabe, Stadtrat der Grünen Alternative Freiburg.

An der Kronenbrücke endete der Zug dann, eine Polizeikette hinderte die Demonstranten am Weitergehen. Ein Beamter mit Megafon bat die Protestierenden eine Route mit der Polizei abzusprechen, wurde aber von Musik und den "Haut ab!"- Sprechchören übertönt. Schließlich zogen sich die Demonstranten wieder zurück und wurden im Grün von der Polizei umstellt. Als Steine und Feuerwerkskörper flogen, griffen die mit Tränengas und Schlagstöcken bewaffneten Beamten ein und nahmen drei Personen fest.

Die Gruppe wurde mit der Zeit kleiner und beschwerte sich über die "Unverhältnismäßigkeit im Bullenstaat". Fast unbemerkt stand eine Gruppe Jugendlicher von der "Initiative Sicheres Freiburg" (ISF) am Rande und verteilte Flyer an die Schaulustigen. Ihre "Hausbesetzer sind kriminelle Schmarotzer" - Parolen gingen jedoch im allgemeinen Lärmpegel unter. 
Die Polizei ließ die Demonstranten schließlich weiterziehen, an der Werthmannstraße trafen sie auf eine Gruppe Rechtsextremisten. Es kam zu Rangeleien und Wortgefechten, schließlich schritt die Polizei ein und trennte die feindlichen Gruppen.

Die übrigen Demonstranten zogen schließlich im Geleitschutz der Polizei in die Bertoldstraße, wo sie zu einer weiteren Kundgebung am Donnerstag um 17.00 Uhr vor dem Café Aspekt einluden. Schlussendlich gelangte die Gruppe zum Antoniushaus in der Wiehre, wo sich die Besetzer bei der Nachbarschaft für die solidarische Unterstützung bedankten. Anschließend lotste die Polizei die Demonstration zurück zum Ausgangspunkt, die Hausbesetzer fügten sich weitgehend friedlich.

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