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Tänzerin aus Freiburg: "Mein Körper ist wie ein Klavier"

Lisa Petrich

Wie Geschlechterrollen und Stereotype im Tanz hinterfragt werden können, zeigt Rebecca Mary Narum am Freitag in Ihrer Online-Premiere "The Doll in her Pocket". Im Interview erzählt die 29-jährige Tänzerin, wie sie mit ihrem Körper die Geschichte der Frauen erzählen kann.

In Ihrer Tanzperformance dreht sich alles um die Stärke der Frau. Was macht denn Sie als Frau stark?

Wenn eine Frau als stark bezeichnet wird, werden oft Charakteristiken von Männern verwendet. Deshalb wollte ich wissen, was eigentlich weibliche Stärke ausmacht. Dazu muss ich mir selbst die Fragen stellen: Wie kann ich als Person wachsen? Was heißt für mich Starksein? Ich persönlich finde, es ist ganz wichtig, sich nicht zu verstellen und immer in seinen eigenen Körper hineinzuhorchen. Daraus schöpfe ich meine Kraft.
"Mit dem Körper kann ich oft besser denken, als mit dem Kopf."

Was hat Sie zu der Idee bewegt, die Geschichte der Frau tänzerisch zu erzählen?

Für Frauen ist es sehr wichtig, die Geschlechterrollen zu reflektieren und sich zu fragen, was eigentlich dahintersteckt. Es beschäftigt uns das ganze Leben, deshalb habe ich zu dem Thema sehr viel Literatur gelesen. Die Geschichten verschiedener Frauen haben mich zutiefst beeindruckt und ich wollte das dann auch durch den eigenen Körper in einem Tanzstück darstellen und die verschiedenen Rollen tänzerisch einnehmen. Damit kann man gut mit Stereotypen spielen – was ist typisch weiblich oder männlich? – und kann das dann auch hinterfragen.
Am Freitag, den 16. April, findet um 20 Uhr die Online-Premiere des zeitgenössischen Tanzstücks "The Doll in her Pocket" von Rebecca Mary Narum statt. Darin stellt sich die international ausgebildete Tänzerin und Choreografin den verschiedenen Facetten der weiblichen Identität. Der Livestream wird von www.infreiburgzuhause.de gesendet, ein Beitrag kann über dieselbe Website freiwillig beigesteuert werden.

Sie stellen in Ihrem Projekt auch die Frage, wie das Patriarchat noch heute in unseren Gesellschaften wirkt. Wie sehen Sie das und was muss sich noch ändern?

Es hat sich schon sehr viel verbessert und wir sind weit gekommen, aber noch lange nicht im Ziel. Es gibt immer noch ein Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau. Ich glaube, es muss sich noch ganz viel in unserem eigenen Verständnis von Geschlechterrollen ändern, auch bei Kleinigkeiten. Jeder und jede muss sich selbst fragen: Wie bin ich noch Teil dieses Systems? Und wir sollten offen dafür sein, Fragen zu stellen und Neues dazuzulernen.

Wie macht Ihnen die Pandemie zu schaffen?

Durch die aktuelle Situation müssen wir viel für Auftritte mehr planen. Es ist generell mehr Arbeit, so etwas auf die Beine zu stellen, weil sich ständig Vorgaben ändern. Aber ich freue mich sehr auf die Online-Premiere! Ich denke, es ist eine gute Mischung aus Genießen und Platz zum Nachdenken, was jede und jeden ansprechen kann.
Das Projekt ist eine Kooperation mit dem E-Werk Freiburg und wird vom Kulturamt sowie Regierungspräsidium Freiburg und der LBBW gefördert. Mehr zu Rebecca Mary Narum gibt es auf ihrer Website: multidimensionalmovement.com

Was kann durch Tanz dargestellt werden, was Worte nicht ausdrücken können?

Durch Tanz fällt es mir viel einfacher, Geschichten zu erzählen. Es heißt ja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und im Tanz ist das für mich noch intensiver, da der Körper in sich selbst so viele Dimensionen und Ausdrucksmöglichkeiten hat. Gerade in Verbindung mit Musik, Licht und so weiter entsteht mehr Raum, um auch zwischen den Zeilen lesen zu können. Jede Bewegung kann eine andere Emotion darstellen, es steckt einfach so viel Energie im Tanz. Manchmal fühle ich mich, als wäre mein Körper wie ein Klavier, mit dem ich meine Gedanken zum Ausdruck bringen kann. Mit dem Körper kann ich oft besser denken, als mit dem Kopf.
Was: Tanzperformance "The Doll in her pocket"
Wann: Freitag, 16. April, 20 Uhr
Wo: Live aus dem Südufer unter infreiburgzuhause.de

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