#bettengate

Studierende wehren sich mit Petition gegen neue Möbel für das Händelwohnheim

Anika Maldacker

Im Händelwohnheim in Freiburg-Herdern hat das Studierendenwerk in den vergangenen Wochen zum Teil neue Möbel einbauen lassen. Nicht jeder Studierende hat sich darüber gefreut.

Hinter Haus 20 an der Händelstraße stehen noch die Container. Dort sind die neuen Möbel drin, oder kommen die alten rein. Denn in den Altbauzimmern des Studierendenheims an der Händelstraße hat das Studierendenwerk die vergangenen Wochen die Möbel austauschen lassen. Die alten Betten, 90 Zentimeter breit, aus einem Eisengestell, hatten mittlerweile schon rund 40 Jahre Studierenden gedient. Betroffen sind rund 280 Altbauzimmer in Haus 20 und 18. Ausgetauscht wurden die alten Betten durch ein 1,20 Meter breites neues Bett, mit Stauraum. 300.000 Euro bezahlt das Studierendenwerk dafür. Damit der Preis so bleibt, muss die Montage allerdings eng getaktet über wenige Wochen erfolgen. Vonseiten des Studierendenwerks (SWFR) hat Jochen Gerlach das Projekt betreut. Neben dem Bett haben die Handwerker außerdem ein Regal und einen neuen Bürostuhl geliefert und eingebaut.


Gute Nachrichten für die Bewohnerinnen und Bewohner des Händelwohnheims, dem einzigen Wohnheim des Studierendenwerks, das die Bewohner zum Teil selbst verwalten? Ja und nein. Während sich einige freuten, starteten andere eine Petition gegen die Art und Weise, wie die Anlieferung neuer Möbel kommuniziert wurde.

Möbelaustausch wurde sehr kurzfristig bekannt gegeben

Einer der Gründe, wieso die Petition lanciert und von mehr als 90 Studierenden unterschrieben wurde, liegt daran, dass das Studierendenwerk den Beginn der Baumaßnahmen sehr knapp vorher ankündigte. "Am 27. April hat das SWFR in einer Mail angekündigt, dass die Möbel in zwei Wochen eingebaut werden", erklärt Yuri Simula von der Studentischen Selbstverwaltung des Wohnheims. Davor, im Januar, hieß es schon, dass die neuen Möbel für die alten Bauten kämen. Ein konkreter Zeitpunkt wurde damals aber nicht genannt. "Für mich persönlich war das nicht schlimm, aber für andere Studierende stellte das schon ein Problem dar", fasst Yuri Simula zusammen. Jochen Gerlach vom Studierendenwerk gibt zu: "Das lief nicht gut." Rechtlich sei das zwar okay gewesen, sagt Gerlach, aber nach der unglücklichen Ankündigung tritt das SWFR stärker mit der Studierendenvertretung und den Bewohnerinnen und Bewohnern in Kontakt.

Bei ihnen gibt es nicht nur wegen der zeitlichen Abfolge Unruhe. "Einige Bewohner haben die alten Betten gegen ihre eigenen ausgetauscht oder überstellt, beispielsweise, weil die alten Betten so klein waren", erzählt Yuri Simula. In der ersten Ankündigung des Studierendenwerks hieß es noch bestimmt, dass eventuelle eigene Möbel bis zum Einbau entfernt sein müssten. Einige Studierende wussten nicht, wie sie ihr eigenes Bett mitten in der Corona-Zeit entsorgen sollten – oder wollen es nicht entsorgen und wünschten sich einen Stellplatz. Ein weiterer Punkt: Wegen der Corona-Pandemie, den digitalen Veranstaltungen und der beschränkt geöffneten UB sind viele Studierende auf ihr Zimmer angewiesen. Manche erhoben gesundheitliche Bedenken, dass Handwerker die Zimmer in einer Pandemie betreten müssten. "Insgesamt war die Stimmung schon gut wegen der neuen Möbel, aber es gab eben auch Empörung wegen verschiedener Punkte", fasst der 26-jährige Student Yuri zusammen.

Betten sind inzwischen eingebaut

Um die Wogen zu glätten, ging das Studierendenwerk auf die Bewohnerinnen zu und bot Lösungen an. Insgesamt rund zehn eigens angeschaffte Betten von Bewohnern wurden nun eingelagert. Der große Veranstaltungsraum würde derzeit ohnehin nicht benötigt, so Gerlach. Nur zwei Studierende hätten sich der Maßnahme letztendlich verweigert. Auch der ausführende Handwerker kann von keinem negativen Vorfall berichten. "Die Leute waren freundlich und haben sich über die neuen Betten gefreut", sagt er. Inzwischen sind die Möbel eingebaut. Rund zwei Stunden habe das Prozedere pro Zimmer gedauert. "Das Händelwohnheim ist manchmal etwas rebellischer, als andere Studierendenwohnheime", erklärt sich Jochen Gerlach die ganze Geschichte. Mehr zum Thema: