fudder-Serie

Studierende machen Theater: Die Maniacts spielen Theater auf Englisch

Anika Maldacker

Die Bühne ruft: In Freiburg gibt es mehrere studentische Theatergruppen. Dort kann jeder Studierende vorsprechen und aktiv werden. fudder stellt Fragen, die Gruppe antwortet. Folge 2: die Maniacts, die englischsprachiges Theater machen und dieses Jahr 30. Geburtstag feiern.

Wann und wie wurde eure Theatergruppe gegründet?

Die "maniACTs" gibt es schon so lange, dass unsere Anfänge etwas verschwommen sind. Eine englischsprachige Theatergruppe entstand schon ziemlich bald nach dem Zweiten Weltkrieg, aber unsere Archive fangen erst deutlich später an. Wir haben uns dafür entschieden, unsere offizielle Geschichte mit der Verwendung unseres aktuellen Namens einsetzen zu lassen. Deswegen feiern wir 2020 offiziell unseren 30. Geburtstag. Da unsere Party wegen Corona ausfallen musste, hoffen wir auf ein Nachfeiern 2021 – mit Ausstellung im Uniseum, Festakt und richtig guter Musik.

Wieso heißt ihr, wie ihr heißt?

Im Englischen ist ein Maniac verrückt oder wahnsinnig und acting ist das Schauspielern. Und da beim Theater bekanntlich alle ein wenig verrückt sind und schauspielern wollen, wurde der Name vor ungefähr dreißig Jahren ausgesucht.Vielleicht sind wir aber auch alle einfach verrückt nach Theater.

Was unterscheidet euch von anderen Theatergruppen?

Drei Dinge: Erstens spielen wir nur Stücke, die originalsprachlich englisch sind. Zweitens spielen wir diese auf Englisch. Und drittens arbeiten wir nicht mit einem ständigen Ensemble, sondern haben jedes Semester offenes Vorsprechen. Dadurch kann jede und jeder jederzeit und ohne Vorerfahrung bei uns einsteigen und ein Maniact werden.

Wie viele sind bei euch dabei und wie organisiert ihr euch?

Das ist von Produktion zu Produktion sehr unterschiedlich. Es gibt Stücke, da spielen nur drei Menschen mit. Selbst dann gibt es noch mindestens eine oder einen Direktor, um die Regie zu führen und ein vielköpfiges Team, das sich um Licht, Bühne, Kostüme, Requisite, PR und Make-up kümmert. Bei den Vagina Monologues hatten wir dagegen einen Cast von zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler und vier Menschen in der Regie. Das ist dann schon eine ganz andere Größenordnung. Neben der aktuellen Produktion gibt es aber noch den Council. Das ist unsere Infrastruktur. Es handelt sich um ein ständiges Gremium, das aus sieben bis zehn Menschen besteht, die die Finanzen, die Technik und im Grunde das langfristige Wissen verwalten und aus den eingereichten Projekten auswählen, welche und welcher Direktor als nächstes inszeniert.

Welches Stück wollt ihr als nächstes inszenieren und wann soll es aufgeführt werden?

Das ist in Zeiten von Covid-19 natürlich gar nicht so einfach. Zur Zeit planen wir ein langfristiges Projekt, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft und Identität gemeinsam ihre Erfahrungen in ein Stück transformieren wollen und haben auch einen Online-Schauspielkurs geplant. Außerdem sind wir dieses Jahr bei "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" mit dabei und erarbeiten dafür gerade ein Konzept, das auch online funktioniert. Da wir uns aber unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind, haben wir für uns vorerst klassische Aufführungen ausgeschlossen – zumindest so lange, wie die Risikoabschätzung so kompliziert ist.
Infos:

Wer bei den Maniacts mitmachen will, kann sich per Mail an info@maniacts.de melden.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise bisher auf euch gehabt?

Für uns hat sich schon früh die Frage nach dem Verhältnis von gesellschaftlicher Verantwortung und kulturellem Auftrag gestellt. Wir wollten gerne weiter Theater machen und gerade in der angespannten Zeit Ablenkung bieten, waren uns aber auch sehr bewusst über die Risiken, die mit Präsenz-Theater einhergehen. Daher haben wir auf eine Produktion im Sommer- und jetzt auch im Wintersemester verzichtet. Stattdessen waren wir Teil des One-Projektes des FIST und haben mit den anderen Freiburger Theatergruppen auch ein Open-Air-Theaterfestival auf die Beine gestellt. Zudem machen wir uns allgemein noch viele Gedanken zur Frage, wie digital unsere Form des Theaters werden kann. Leider ist neben unserer großen Geburtstagsfete auch die Wiederauflage unserer feministischen V-Show im E-Werk ins Wasser gefallen – das hat uns natürlich enttäuscht.

Was ist euch bei Inszenierungen wichtig?

Spaß! Und Leidenschaft. Dazu kommt noch ein recht hoher Anspruch an unsere Professionalität und die schauspielerische sowie inszenatorische Qualität unserer Produktionen. Menschen, die bei uns ein Stück inszenieren, bewerben sich mit einer kurzen Beschreibung dessen, was sie machen wollen – und warum. Für uns ist es wichtig, dass ein Stück eine klare Vision hat, und dass alle Personen, die an dem Schaffensprozess teilnehmen, sich wertgeschätzt und wohl fühlen können. Am wichtigsten ist uns aber, dass wir eine schöne (wenn auch intensive) Zeit zusammen erleben und unserem Publikum etwas präsentieren können, auf das wir stolz sind.

Welches Stück habt ihr zuletzt aufgeführt?

Unser letztes Stück war im Februar 2019 die V-Show. Die lag uns sehr am Herzen – schon 2018 haben wir die Vagina Monologues das erste Mal auf die Bühne gebracht und sind damit auf sehr viel positive Resonanz gestoßen. Dass wir den Stoff wieder aufnehmen und spielerisch verwenden konnten und damit eine ganz neue Theatererfahrung geschaffen haben, war toll.

Wer kann bei euch mitmachen und wie?

Jede und jeder! Wirklich. Solange du Englisch sprechen kannst und Lust auf Theater hast, freuen wir uns über dich. Entweder kommst du zu einem unserer Castings – wenn wieder eines stattfindet –, oder du schreibst uns einfach eine Email. Auch wenn du keinerlei Erfahrung hast, komm dazu. Wir leben von der Kreativität unserer Mitglieder – und wenn spezifische Fähigkeiten beim Ausleuchten oder Bühnenbauen gebraucht werden, bringen wir dir das bei. Unser Motto ist nicht umsonst "Come play with us!"

Wie verteilt ihr die Aufgaben im Team?

Die Produktion wird von der Regie organisiert, aber im Grunde kann jede und jeder sich aussuchen, in welchem Bereich mitgearbeitet wird. Im Council dagegen sind die Bereiche klar abgegrenzt: Wir haben zum Beispiel Councilors für PR, Technik, Bühne, Kostüme, Requisite, Make-up, Social Media und Finanzen. Das sorgt dafür, dass wirklich jede und jeder seine Ideen zu uns bringen kann - und dann genau weiß, mit welchen Problemen man wohin muss.