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Studierende berichten, wie sich die Corona-Krise auf ihre Nebenjobs auswirkt

Emma Tries

Homeoffice, Kurzarbeit, Jobverlust: Die Art, wie wir arbeiten, hat sich durch die Corona-Krise verändert. Auch Studierende sind mit ihren Nebenjobs betroffen. fudder hat vier Studierende gefragt, wie sich die Veränderungen auf sie auswirken.

Chira Walke, 20, studiert Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft im 2. Semester und arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im EDV-Support.



Wie finanzierst du dich normalerweise?

Teilweise durch meine Eltern, meinen Nebenjob und durch ein paar eigene Ersparnisse

Arbeitest du derzeit noch? Wenn ja, wie hat sich die Arbeitsweise verändert?

Ich arbeite noch, allerdings haben wir komplett auf Homeoffice umgestellt. Wir schauen jetzt, dass wir Probleme so gut es geht über Skype und Telefon regeln; mit einem Programm können wir andere Computer fernsteuern. Intern regeln wir das Meiste über E-Mail und Telefon, was bisher auch gut funktioniert. Kurz bevor wir alle ins Homeoffice gegangen sind, haben wir die Mitarbeiter vorbereitet und zum Beispiel einen VPN bei ihnen installiert. Da ich selbst noch in der Einarbeitungsphase bin, war es etwas schwierig, aber jetzt arbeite ich mich einfach selbst ein.

Hast du finanzielle Einbußen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Finanzielle Einbußen habe ich keine, weil ich durch das Homeoffice noch mein normales Gehalt kriege.

Fühlst du dich ausreichend unterstützt?

Ich fühle mich insgesamt gut unterstützt, da es bei uns relativ einfach ist, die Arbeit von zu Hause aus zu gestalten. Mein Chef unterstützt uns auch sehr, indem er uns gute Anweisungen gegeben hat, wie wir in der nächsten Zeit arbeiten sollen.
Olivia Heinemann, 23, studiert Jura in Freiburg im 10. Semester und bereitet sich momentan
auf das Staatsexamen vor. Nebenher arbeitet sie in einem Café.



Wie finanzierst du dich normalerweise?

Normalerweise bekomme ich Unterhalt von meinem Vater, Kindergeld und arbeite dann noch so, dass ich so um die 200 bis 300 Euro zusätzlich habe. Durch mein Studium kann ich nicht so viel nebenher arbeiten, allerdings muss ich das, damit es reicht.

Arbeitest du derzeit noch? Wenn ja, wie hat sich die Arbeitsweise verändert?

Momentan arbeite ich nicht mehr, normalerweise arbeite ich in einem Freiburger Café. Bei uns ist es so geregelt, dass die Festangestellten und die Werksstudenten noch arbeiten dürfen. Die liefern Essen aus und putzen was so liegen geblieben ist. Minijobber wie ich, haben leider keine Chance zu arbeiten und kriegen auch kein Geld.

Hast du finanzielle Einbußen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Derzeit geht’s noch, da ich noch Ersparnisse habe, auf die ich zurückgreifen kann. Das ist aber auch nicht besonders gut, weil die eigentlich dafür da sind, falls mal etwas mit dem Computer ist oder so. Von meinem Opa habe ich ein bisschen dazu bekommen, meine Eltern können mich finanziell nicht groß unterstützten, da sie auch selbst betroffen sind und meine Mutter jetzt in Kurzarbeit ist. Je nachdem wie lange die Situation jetzt noch dauert muss ich mich vielleicht doch nach einem anderen Nebenjob umsehen.

Fühlst du dich ausreichend unterstützt? Was würdest du dir wünschen?

Von meinem Arbeitgeber fühle ich mich gar nicht unterstützt, weil wir ja wirklich nur Geld bekommen, wenn wir auch arbeiten, aber die Chance gar nicht haben. Wir haben nicht einmal eine Pauschale oder Abfindung bekommen. Für mich ist es ja auch ein Verdienst, den ich brauche, und nicht nur extra Geld, dass ich mir dazuverdiene. Deswegen hätte ich mir gewünscht, dass da etwas mehr nach Bedarf geschaut wird, zumal die Werksstudenten ja auch unter das Kurzarbeitergesetz fallen würden. Ich verstehe zwar, dass die Stadt oder das Land nicht alle finanziell unterstützen können, jedoch würde ich mir wünschen, dass die Studierenden, gerade in der Examensvorbereitung, mehr unterstützt würden.
Franziska Teichmann ist 20 Jahre alt und studiert Physik im 2. Semester an der Uni Freiburg. Derzeit arbeitet sie bei einem Baumarkt in Freiburg als Warenverräumerin.



Wie finanzierst du dich normalerweise?

Ich werde finanziell ausreichend von meinen Eltern unterstützt, während dem Physikstudium ist ein Nebenjob auch sehr stressig. Aber nachdem ich jetzt in den Semesterferien diesen Job angefangen habe, kann ich mir gut vorstellen, das weiterzumachen.

Arbeitest du derzeit noch? Wenn ja, wie hat sich die Arbeitsweise verändert?

Ich arbeite derzeit noch ganz normal, da der Baumarkt noch geöffnet hat. Normalerweise ist gerade Hochsaison, da im Frühling alle ihre Blumen kaufen möchten. Am Anfang war es eher ruhiger, als in den Vorjahren. Seit es aber die Ausgangsbeschränkungen gibt, haben die Leute nichts mehr zu tun und da das Wetter super ist, wird uns die Bude eingerannt. Ein Problem war, dass wir eine Weile nichts bestellen durften, weil es nicht sicher war ob der Markt aufbleibt. Außerdem sind auch einige Mitarbeitende ausgefallen, da sie ihre Kinder betreuen müssen oder schon etwas älter sind.

Hast du finanzielle Einbußen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Da das Ganze für mich nur ein Zusatzverdienst ist und ich ja derzeit noch arbeite, habe ich keine
finanziellen Einbußen.

Fühlst du dich ausreichend unterstützt? Was würdest du dir wünschen?

Am Anfang fand ich etwas schwierig, dass wir wenig informiert wurden. Natürlich wussten die Läden selbst nicht ob sie offenbleiben, aber E-Mails oder ähnliches wäre ganz gut gewesen. Da ich selbst keine ausgebildete Kraft bin, kann ich nicht überall helfen, allerdings helfen mir die anderen Mitarbeitenden trotzdem immer noch, auch wenn es stressig ist. Mir ist aufgefallen, dass relativ viele Kunden doch noch sehr sturköpfig sind, was zum Beispiel Sicherheitsabstand angeht. Es kann keine Intensivberatung mehr angeboten werden und da fehlt vielen einfach immer noch das Verständnis für. Ich denke, dass es immer Leute geben wird,
die die Maßnahmen nicht einsehen werden. Was den Staat angeht, bin ich eigentlich sehr zufrieden mit dem, was getan wird und kann die Einschränkungen gut nachvollziehen.
David Elias Looser ist 28 Jahre alt, studiert VWL im 8. Semester und arbeitet nebenbei in einer Freiburger Retsaurantbar als Kellner.



Wie finanzierst du dich normalerweise?

Ich beziehe Bafög für das Nötigste und für alles darüber habe ich den Lohn und das Trinkgeld
aus der Bar.

Arbeitest du derzeit noch? Wenn ja, wie hat sich die Arbeitsweise verändert?

Nein, derzeit nehme ich mich etwas zurück. Ich war noch sehr neu im Team, als die Krise begann. Daher lasse ich den dienstälteren Kolleginnen und Kollegen den Vortritt. Die Bar hat nicht komplett geschlossen, sondern bietet nun einen Lieferservice für die Burger an. Die Nachfrage scheint auch von Tag zu Tag zu steigen. Seit Beginn der Krise standen wir Aushilfen bei der Schichtvergabe natürlich hinten an, weil zunächst die Festangestellten in vollem Umfang beschäftigt werden mussten. Jedoch fragt mein Chef von Woche zu Woche nach zusätzlichen Aushilfen, die als Fahrer einspringen können.

Hast du finanzielle Einbußen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Jein. Ich habe schon weniger Geld als vor der Krise. Aber meine finanziellen Einbußen sind minimal, wenn nicht sogar negativ, da sich meine Ausgabenstruktur komplett geändert hat. Mit anderen Worten: Ich gehe nicht mehr feiern. Das Bafög fängt wie bereits erwähnt die nötigsten Ausgaben auf und da unsere aller Leben auf genau dieses Niveau zurückgefahren wurden, passt das soweit.

Fühlst du dich ausreichend unterstützt? Was würdest du dir wünschen?

Ja, ich fühle mich ausreichend unterstützt. Vielleicht aus dem Umstand heraus, dass ich eigentlich keine gesonderte Unterstützung benötige und auch keine bekomme. Ich klammere das BAföG an der Stelle aus, da ich das auch vor der Krise und ohnehin bekommen hätte. Ich würde mir allerdings wünschen, dass wir den Rahmen für einen stärkeren Gesundheitssektor entwickeln, der einer Krise wie der aktuellen eher gewachsen ist. Dafür will
ich an dieser Stelle konkret fordern, dass das Kirchliche Arbeitsrecht komplett aufgehoben wird.