Digitale Lehre

Studi-Vertreter: "Der vorsichtige Weg der Uni Freiburg ist richtig"

Sarah Rondot

Auch das Sommersemester 2021 wird an der Uni Freiburg digital stattfinden. Was sagt der Studierendenrat dazu? Einer ihrer Vertreter, Christian Kröper, lobt den Weg der Rektorin. Er kritisiert aber, dass die psychischen Belastungen der Studierenden nicht thematisiert werden.

Wie hat sich die Arbeit im StuRa durch die Corona-Krise verändert?

Christian Kröper: Unsere wöchentlichen Sitzungen finden jetzt digital statt. Außerdem ist alles viel schleppender geworden. Viele trauen sich nicht an die Organisation von digitalen Veranstaltungen ran. Wir sind auch sehr wenige im Moment. Wir sind hier ja ehrenamtlich und ich habe das Gefühl, dass viele privat so von der Krise überwältigt werden und dann keine Zeit mehr für Ehrenamt bleibt.
"Es wird viel zu wenig über die Lage der Studierenden gesprochen."

Bekommt ihr Anfragen von Studierenden, die wegen der digitalen Lehre Probleme haben?

Gerade am Anfang haben sich viele gemeldet, bei denen einfach die Infrastruktur für die digitalen Formate oder ein ruhiger Lernraum gefehlt hat. Da haben wir uns dann dafür eingesetzt, dass sie Zugang zu Räumen der Universität bekommen und dort in Ruhe mit funktionierendem W-LAN arbeiten können.
Wofür ist der StuRa zuständig?

Der StuRa ist die Vertretung aller Studierenden, wenn es um Studienbelange aber auch um soziale Themen wie bezahlbarer Wohnraum geht. Der StuRa ist das Legislativorgan und trifft sich einmal die Woche. Der AStA, das steht für Allgemeiner Studierendenausschuss, ist sozusagen die Bundesregierung, sie treffen sich auch einmal die Woche und arbeiten Inhalte aus.

Über die Situation von Schülern und Schülerinnen wird viel diskutiert, über die Lage der Studierenden deutlich weniger. Nimmst du das auch so wahr und bist du damit einverstanden?

Ja, es wird viel zu wenig über die Lage der Studierenden gesprochen. Es wird auch zu wenig über einen Weg zurück in die Präsenzlehre diskutiert. Ich meine wir in Freiburg haben ja noch Glück, dass es jetzt Testzentren für Studierende gibt. Und die finanziellen Hilfen für Studierende sind viel zu unpraktikabel. Für den Notlagefinanzierungstopf muss man sich bewerben und nachweisen, dass einem das Einkommen weggebrochen ist. Das hat ja am Anfang noch Sinn gemacht. Aber wenn man das Geld jetzt beantragt, seinen Job aber im März 2020 verloren hat, dann muss man abgelehnte Bewerbungen für Jobs vorweisen, das ist so absurd!

Wie könnte man mehr auf die Situation der Studierenden aufmerksam machen?

Eigentlich gibt es ja auf Landes- und Bundesebene Vertretungen der Studierenden, aber ich glaube da sind aus dem gleichen Grund, also das viele Leute mit sich selbst und der Krise beschäftigt sind, die Kapazitäten dünn. Man muss vor allem auf die Gefahr von psychischen Problemen bei Studierenden aufmerksam machen. Das beobachte ich auch in meinem Freundeskreis. Da wird öffentlich viel zu wenig drüber gesprochen! Vielleicht könnte man Erst- und Zweitsemester ihre Geschichten erzählen lassen und Studierende suchen, die bereit sind über ihre psychische Gesundheit in Zeiten von Corona zu sprechen.
"Man muss vor allem auf die Gefahr von psychischen Problemen bei Studierenden aufmerksam machen."

Wie zufrieden bist du mit dem Krisenmanagement der Universität Freiburg, auf einer Skala von Eins bis Zehn?

Tatsächlich Acht. Auch wenn ich mit dieser Einschätzung vermutlich recht alleine bin. Ich finde es richtig, dass in der aktuellen Situation, also in der dritten Welle, keine Präsenzveranstaltungen angeboten werden. Ich bin froh, dass unsere Rektorin Medizinerin ist und die Lage daher vielleicht etwas zu pessimistisch einschätzt, aber dadurch Vorsicht zeigt. Andere im StuRa hätten vielleicht keine Acht genannt. Aber meiner Meinung nach sind die vor allem mit Dingen unzufrieden, für die die Uni Freiburg selbst garnichts kann. Zum Beispiel waren noch bis zur letzten Woche vor Ende des Wintersemesters digitale Prüfungen in der Landesverordnung Baden Württemberg nicht erlaubt, dass wurde dann kurzfristig geändert und die Uni musste es ausbaden.
"Ich würde in der aktuellen Situation auch keine Präsenzlehre anbieten."

Die Rektorin hat darüber informiert, dass das Sommersemester komplett digital stattfinden wird.

Der Stufenplan der Uni sieht vor, dass teilweise Erst-und Zweitsemester ab einer Inzidenz von unter 50, alle anderen erst ab einer Inzidenz von unter 10, Präsenzveranstaltungen besuchen können.

Wie würdest du persönlich das Sommersemester gestalten?

Ich würde in der aktuellen Situation auch keine Präsenzlehre anbieten, das aber mit dem Abklingen der dritten Welle neu diskutieren. Und auch den Stufenplan finde ich auf Grund der räumlichen Kapazitäten gut. Ich bezweifle auch, dass sich Studierende disziplinierter verhalten würden als Schüler und Schülerinnen und es nicht zu Gruppenbildung außerhalb er Seminare kommen würde. Jeder ist irgendwie satt und sehnt sich nach Kontakten. Ich kann die Frustration der Studierenden aber absolut verstehen. Ich selbst, da bin ich ehrlich, hätte jetzt auch regulär keine Veranstaltungen in Präsenz mehr. Aber ich kann vor allem bei den naturwissenschaftlich Studierenden verstehen, dass sie frustriert sind.

Ich finde aber sehr gut, dass die Uni Testzentren eingerichtet hat und vermute, dass der Plan beim Sinken der Corona-Zahlen ist, diese zu nutzen, um Präsenzveranstaltungen möglich zu machen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn die dritte Welle vorbei ist, schnell über Präsenzlehre nachgedacht wird. Da wird es die Notwendigkeit geben.
Stura Uni Freiburg: www.stura.uni-freiburg.de

Gibt es noch irgendetwas was du den Studierenden auf den Weg geben möchtest?

Gerade in der aktuellen Situation ist der StuRa immer eine Anlaufstelle, ob bei finanziellen, studienbedingten oder psychischen Problemen. Ihr könnt immer zu uns kommen.

Worauf freust du dich am meisten, wenn Corona vorbei ist?

Da habe ich eine ganz klare Vorstellung. Ich möchte nach London fliegen und das Musical "Six" anschauen. Ein historisches Musical über die sechs Ehefrauen von König Heinrich dem VIII., dass aber das Setting einer Girlband hat.
Christian Kröper, 32, ist seit drei Jahren im StuRa der Uni Freiburg. Er studiert Englisch und Geschichte und kümmert sich ehrenamtlich um alles, was auf dem Campus stattfindet, um Prüfungsordnungen, Studienberatung und viel mehr. Gerade arbeitet er an der Organisation einer digitalen Podiumsdiskussion zum Thema toxisches Verhalten im Netz.