Sommerbilanz nach Corona-Pause: So geht es den Freiburger Tanzschulen

Caterina Schorer

Anfang Mai demonstrierten die Tanzschulen auf dem Platz der Alten Synagoge, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Wie geht es den Tanzschulen fast vier Monate später? fudder hat mit der Tanzschule Gennaro & Christian gesprochen.

Am 4. Mai versammelten sich über 30 Tanzschulen und Vereine aus Freiburg auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg. 150 Paare Tanzschuhe wurden im Abstand von einem Quadratmeter auf der Fläche ausgelegt. Der Grund? Mit dem landesweit verordneten Lockdown kam es im März auch zur Schließung aller Tanzschulen mitten in der laufenden Saison. Mit dem "stillen" Protest wollten die Tanzlehrenden auf ihre Situation aufmerksam machen. Drei Monate später haben wir mit dem Leiter der Tanzschule Gennaro & Christian, Gaetano Gennaro, gesprochen und exemplarisch nachgefragt: Wie seid ihr durch die Krise getanzt?


"Wir hatten noch Glück. Unsere Kunden sind sehr treu, die Mitgliedschaften konnten weiter abgebucht werden. Aber - wir hätten uns alle früher Erwähnung gewünscht", sagt Gaetano Gennaro rückblickend. Für über 1.000 Beschäftigte und freie Tanzschaffende in Freiburg war die Lage existenziell, denn staatliche Hilfen konnten die laufenden Kosten nicht decken und für viele Freiberufliche wurde die Lage bedrohlich. Gaetano Gennaro ist seit 2003 Inhaber der Tanzschule Gennaro und Christian, die seit 2006 auch im Schwarzen Kloster Räumlichkeiten besitzt. Die Tanzschule hat aktuell zehn feste Mitarbeiter, hinzu kommen etwa vier bis fünf Minijobber.

Tanzvideos zur Überbrückung und ein Nachholprogramm

"Wir mussten uns etwas überlegen zur Überbrückung. Unsere Mitarbeiter waren in Kurzarbeit, einige sind es auch im Augenblick noch", führt Gaetano Gennaro weiter aus. Die Tanzschule musste schnell umdisponieren, drehte Tanzvideos mit Hausaufgaben, neuen Abfolgen und Wiederholungen für die Tanzpaare und Schüler, die für Mitglieder über eine Dropbox dauerhaft abrufbar sind – so machten es viele Schulen in Freiburg. "Abschlussbälle und Tanzparties am Abend mussten natürlich ausfallen, aber die Lockdown-Stunden konnten wir bei Wiedereröffnung nachholen", so Gaetano Gennaro.

Ab dem 2. Juni konnten Tanzschulen in Freiburg dann wieder ihre Türen öffnen, natürlich unter den erwarteten Auflagen: Bei Gennaro & Christian verläuft der Publikumsverkehr jetzt über Einbahnstraßen, Desinfektionsmittelständer stehen an den Türen bereit, Paare tanzen in 10 Quadratmeter großen Arealen ohne Kontakt zu anderen, es wird regelmäßig gelüftet. Es besteht Maskenpflicht außerhalb der Zellen in den gesamten Räumlichkeiten der Tanzschule in der Eisenbahnstraße und im Schwarzen Kloster.

"Wir haben einen Rückgang bei den Studentenkursen bemerkt" Gaetano Gennaro
Außerdem musste das Programm angepasst werden, im Großen Saal der Tanzschule in der Eisenbahnstraße (190 Quadratmeter) können jetzt statt für gewöhnlich 20 Paare nur 10 Tanzen, die Kurse wurden geteilt. "Die Kurse für Kinder und Jugendliche konnten wir erstmal nicht anbieten und wir mussten uns wegen des benötigten Raumes auf die Latino-Tänze beschränken. Einen Rückgang bei den Anmeldungen in den Studentenkursen haben wir auch bemerkt, wahrscheinlich, weil viele der Studenten im Augenblick zu Hause sind und gar nicht nach Freiburg ziehen, wie für gewöhnlich", erklärt Gaetano Gennaro.

Die Tanzschule bietet ihren Mitgliedern nun ein spezielles Corona-Nachhol-Programm an und bis zum 9. September läuft das alljährliche Dance Festival. "Wir haben uns etwas einfallen lassen: Paare, die aufgrund von Corona Stunden verpasst haben, erhielten eine Gutschrift und können diese beim Nachholprogramm einlösen. Mitglieder dürfen beim Dance-Festival so oft an den Kursen teilnehmen, wie sie wollen."

Seit Juli darf wieder enger getanzt werden

Die 10-Quadratmeter-Regelung für Tanzschulen ist seit dem 1. Juli durch das Land Baden-Württemberg wieder aufgehoben. In Gruppen bis zu 20 Personen können Trainingssituationen nun ohne die Einhaltung des ansonsten erforderlichen Mindestabstandes durchgeführt werden. Feste Trainingspaare sollten aber weiterhin gebildet werden. "Wir sind jetzt vorbereitet, wir haben uns angepasst. Aber meine Hoffnung für den Winter ist, dass wir es ohne weiteren Lockdown schaffen", sagt Gaetano Gennaro. "Für viele bedeutet Tanzen einen wichtigen Ausgleich, Kontakt zu ihrem Freundeskreis und somit Stabilität und Rückhalt."

Mehr zum Thema: